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Lokales 63-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt
Dresden Lokales 63-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt
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17:28 01.03.2018
Symbolfoto
Symbolfoto Quelle: dpa
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Dresden

„Sie sind eigentlich ein bedauernswerter Mensch, krank und schreiend einsam. Aber sie waren so niederträchtig, ihre Krankheit vorzuschieben, um die Gutmütigkeit anderer Menschen auszunutzen“, machte Richterin Susanne Halt dem Angeklagten klar.

Das Leben hat es mit Michael C. wirklich nicht gut gemeint, seine intellektuellen Fähigkeiten sind begrenzt, er hat es nur bis zur zweiten Klasse geschafft, kann kaum lesen und schreiben, hat aber trotzdem sein Leben lang gearbeitet und sich nie etwas zu Schulden kommen lassen.

Wegen einer zu spät erkannten Zuckererkrankung wurden ihm beide Beine abgenommen, seit 2012 sitzt er im Rollstuhl und hat kaum Kontakt zu anderen Menschen. Aber auch ein so einfach gestrickter Mann weiß, dass er die Hände von Kindern zu lassen hat – und das hat er ignoriert. Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern stand er am Donnerstag vor dem Amtsgericht.

Die Staatsanwaltschaft warf dem 63-Jährigen vor, im Oktober 2015 ein 12-jähriges Mädchen vor einem Einkaufsmarkt angesprochen und um Hilfe gebeten zu haben. Die Kleine begleitete den Mann im Rollstuhl auf dessen Bitte nach Hause und räumte dort hilfsbereit seine eingekauften Lebensmittel weg.

Dann forderte Michael C. sie auf, ihm beim Duschen zu helfen und dafür ihre Kleidung auszuziehen, damit diese nicht nass wird. Die 12-Jährige – ein sehr scheues und keinesfalls selbstbewusstes Mädchen – war so verstört und eingeschüchtert, dass sie tat, was er von ihr verlangte.

Angeklagter räumte Vorfall ein

Nur noch in Unterwäsche wusch sie den nackten Mann am ganzen Körper, auch die Geschlechtsteile, und er begrapschte sie dabei und küsste ihre Brust. Dann ließ er sie gehen. Eineinhalb Jahre versuchte das eh schon sehr zurückhaltende Mädchen mit dem Geschehen und ihrem Kummer allein fertig zu werden, bis sie sich einer Lehrerin offenbarte.

Michael C. wiegelte zunächst ab: Das habe so nicht stattgefunden, sie habe ihn nicht gewaschen und überhaupt, dass Mädchen hätte sich ihm aufgedrängt. Nach einem Gespräch mit seinem Anwalt räumte er den Vorfall ein. Damit ersparte er der Kleinen, die viel Angst vor der Verhandlung hatte, eine Zeugenaussage.

Es war zudem nicht der einzige Vorfall. Der Rollstuhlfahrer hatte in weiteren Fällen auf das Mitleid anderer spekuliert und Passantinen auf der Straße um Hilfe gebeten. Allerdings waren das im Gegensatz zu Eva erwachsene Frauen, die ihm zunächst auch halfen, bei seiner „Duschhilfenummer“ aber die Grenzen zeigten. Mittlerweile hat der 63-Jährige wohl begriffen, dass ihm diese „Tour“ nicht aus seiner Einsamkeit hilft.

Das Gericht verurteilte Michael C. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. „Bewährung bedeutet, dass Sie sich in dieser Zeit nichts leisten dürfen, gar nichts. Und wenn es wieder um Kinder geht, hilft Ihnen kein Rollstuhl dieser Welt, dann wird die Bewährung widerrufen und sie gehen ins Gefängnis“, gab ihm die Richterin mit auf den Weg.

Von Monika Löffler

01.03.2018
01.03.2018