Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales 600 000 Euro vom Bund für Sanierung der Heilandskirche in Dresden-Cotta
Dresden Lokales 600 000 Euro vom Bund für Sanierung der Heilandskirche in Dresden-Cotta
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:51 31.03.2019
Die Übergabe des Fördermittelbescheides am 29. März 2019 in der Heilandskirche in Dresden mit MdB Arnold Vaatz, Pfarrerin Bettina Klose, Staatsministerin Barbara Klepsch und Staatssekretär Günther Schneider (v.l.). Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Dringend war die Innensanierung der evangelisch-lutherischen Heilandskirche in Dresden-Cotta seit langem. Geplant worden ist sie 2013 von dem Dresdner Architekten Christian Schaufel. Nun kann sie beginnen.

Denn jetzt bekam die Gemeinde von Staatssekretär Günther Schneider aus dem sächsischen Innenministerium die verbindliche Zusage für Fördermittel, und zwar 600 000 Euro aus dem an den Bund überführten Vermögen der SED und weiterer Parteien und Massenorganisationen der DDR.

Anzeige

Dafür eingesetzt hatte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz. Weitere 465 000 Euro bringen sächsische Landeskirche, Gemeinde und der 2009 gegründete Förderverein auf. Damit können die Gesamtkosten finanziert werden, die mit mehr als einer Million Euro veranschlagt sind.

Er wünsche sich für die Zukunft eine volle Kirche, sagte Vaatz. „Ich beobachte mit Traurigkeit, wie der Besucherandrang zu Beerdigungen den bei Gottesdiensten um Längen schlägt. Vielleicht kommt durch die Fördermittel ein Ruck in die Gemeinde zu stärkerer Mitgestaltung.“

Noch in diesem Jahr sollen Elektroanlage und Heizung erneuert werden, wie Pfarrerin Bettina Klose sagte. Die jetzige Niederdruck-Dampfheizung stammt von 1927. Zwar funktioniert sie noch. Doch um die Kirche im Winter damit warm zu bekommen, werden anderthalb Tage und mehrere Zentner Kohle benötigt.

Wichtigste Veränderung im Inneren: Die Räume unter den Emporen links und rechts, die sogenannten Konchen, sollen vom Kirchenschiff durch Glaswände abgetrennt werden. Auf diese Weise entstünden zwei neue kleinere Räume, welche die Gemeinde flexibel nutzen könne, beispielsweise für Zusammenkünfte von Kindern, Jugendlichen oder Senioren, sagte Matthias Schmidt, Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Pfarrerin Klose rechnet mit knapp zwei Jahren Bauzeit. „Bis Ende 2020 müssen wir fertig sein“, sagte sie.

Zuvor war zwei Jahre lang, bis zum Spätsommer 2018, für rund 100.000 Euro das Dachtragwerk saniert worden, eine eisernen Konstruktion, an der die Kuppel befestigt ist.

Zurückbekommen sollen die Wände ihre ursprüngliche Farbe: Der Kirchraum rosé; der Vorraum, die sogenannte Brauthalle, grün und die Treppenaufgänge blaugrau. Bei der Renovierung Anfang der 1960er waren die Wände einheitlich gestaltet worden, in gelb und beige.

2009 ist ein Förderverein gegründet worden, der Spenden für die Sanierung sammelte. Das will er auch weiter tun, wie Hans-Martin Schulze vom Vorstand sagte - beispielsweise mit Benefizkonzerten.

Die Kirche, die mitten in einer Kleingartenanlage steht, hat eine ungewöhnliche Baugeschichte. 1914 wurde der Grundstein gelegt. Der Rohbau stand bis zum Ansatz von Kuppel und Dach, da begann der Erste Weltkrieg, die Arbeiten ruhten. Erst 1927 ist sie fertig geworden. Ausgerichtet ist sie in einer Ost-West-Achse, wobei sich der Altar im Westen befindet. Architekt Rudolf Kolbe (1873-1947), von dem auch die evangelische Hoffnungskirche an der Clara-Zetkin-Straße in Dresden-Löbtau stammt, hat die gedrungen wirkende Kirche als eine Art Dreiseithof mit Pfarrhaus an der Südseite und rechtwinklig angebautem Gemeindehaus entworfen. Darin befindet sich seit 2012 ein Kindergarten mit rund 40 Plätzen.

Im Stil orientierte Kolbe sich an Reformbauarchitektur und Neuer Sachlichkeit. Klare Formen dominieren. Charakteristisch ist der in die Breite gezogene, 32 Meter hohe Turm. Über dem Eingang ist die überlebensgroße Statue eines segnenden Christus aus Elbsandstein angebracht. Karl Albiker (1878-1961) hat sie geschaffen.

Das Innere mit rund 600 Sitzplätzen ist als nahezu würfelförmiger Zentralbau geformt, überwölbt von einer riesigen Kuppel, von der ein mächtiger Leuchter von drei Meter Durchmesser hängt. Ausgestaltet hat den Innenraum Bildhauer Rudolf Born (1882-1969). Von Kunstmaler Karl Schulz stammten ursprünglich die symbolischen Darstellungen der vier Evangelisten an der Decke (Engel, Löwe, Stier, Adler). Die hat Helmar Helas 1961 neu gestaltet. Zwei Buntglasfenster, die ebenfalls Schulz gestaltete, zeigen die Christustaufe auf der einen, die Heilung des Gichtbrüchigen auf der anderen Seite.

Die Jehmlich-Orgel von 1927 mit spätromantischem Klang ist 1936 erweitert worden, auf heute 42 Register mit fast 3000 Pfeifen. Ihre Bronzeglocken musste die Kirche im Zweiten Weltkrieg für die Rüstungsproduktion hergeben. Später bekam sie drei Gussstahlglocken. Sie stammen aus der Jakobikirche am Wettiner Platz, die 1945 zerstört und 1953 gesprengt wurde.

Die Gemeinde, 1897 gegründet, hat rund 1200 Mitglieder. Seit 2006 ist sie mit Briesnitz, Cossebaude und Gorbitz zusammengeschlossen im Kirchspiel Dresden West, dem insgesamt rund 6300 Lutheraner angehören.

Von Tomas Gärtner