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Lokales 40.000 Dresdner leiden unter gesundheitsgefährdender Verkehrslärm
Dresden Lokales 40.000 Dresdner leiden unter gesundheitsgefährdender Verkehrslärm
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17:58 24.04.2019
Andreas Rink misst Lärm an der Königsbrücker Straße. Werte jenseits von 70 Dezibel sind dabei keine Seltenheit. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Wenn Matthias Rothe über Verkehrslärm spricht, hört sich das bisweilen poetisch an. Der Mitarbeiter des städtischen Umweltamts spricht dann vom „perlenden Geräusch“, das über altes Straßenpflaster knallende Autos erzeugen, oder vom „Singsang“, für den Laster auf der Autobahn verantwortlich sind. Auf die Folgen des Lärms angesprochen, antwortet Rothe jedoch ganz prosaisch: „Etwa 40 000 Dresdner sind gesundheitsgefährdenden Verkehrslärm ausgesetzt“, sagt er.

Lärm löst Stress aus

Ein höheres Risiko für lärmbedingte Erkrankungen besteht überall dort, wo der Lärmpegel 55 Dezibel nachts beziehungsweise 65 Dezibel am Tag nicht unterschreitet – im Durchschnitt. „Der Lärm hat keine Auswirkungen auf das Hörvermögen, löst aber Stressreaktionen aus und sorgt so für Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen und psychische Erkrankungen wie Depressionen“, sagt Andreas Rink vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Lärmquelle ist in Dresden wie in Sachsen meist der Straßenverkehr, 115 000 Menschen leiden landesweit darunter. Aber auch an Eisenbahnstrecken leben Betroffene (32 000 landesweit). Ihnen soll mit der alle fünf Jahre fälligen Lärmkartierung und dem daraus resultierenden Lärmaktionsplan geholfen werden.

„Das ist eine Willensbekundung der Stadt mit Maßnahmen, die den Lärm eindämmen“, sagt Fachmann Rothe. Der aktuelle Lärmaktionsplan lag bis Februar zur Einsichtnahme aus, die dabei eingelaufenen Einwende von Dresdnern werden gerade im Umweltamt ausgewertet, so Rothe.

Hechtstraße als Teststrecke

Das klingt nach einem sperrigen Verfahren, das aber in der Vergangenheit schon für Verbesserungen gesorgt hat. Zum Beispiel an der Hechtstraße. Dort kam vor zehn Jahren noch alles zusammen, was besonders für Verkehrslärm sorgt: Auf der Straße lag altes Pflaster, die Bebauung ist geschlossen und nah an der Fahrbahn. Dresden hat diese Straße zur Teststrecke für neuen, lärmmindernden Asphalt erkoren. Der habe in der Anfangszeit kräftig den Lärm gesenkt.

„Das waren vielleicht zehn Dezibel, für das menschliche Gehör ist das wie eine Halbierung des Lärms“, sagt Rink. Inzwischen sei der Effekt jedoch verflogen. Da der Asphalt zudem heikler beim Einbau, anfälliger für Reparaturen vor allem bei hohem Schwerlastanteil und noch nicht als normierter Baustoff anerkannt ist, ist Flüsterasphalt nicht die Lösung aller Probleme. „Die eine Lösung gibt es sowieso nicht. Es ist immer ein Bündel an vielen kleinen Maßnahmen, das für Besserung sorgt“, sagt Rink.

Auch am Bischofsplatz ist Asphalt auf das Holperpflaster gekommen – sechs bis sieben Dezibel Verkehrslärm weniger sind die Folge. Quelle: Dietrich Flechtner

Dafür gibt das Hechtviertel ein Beispiel. Dort hatte man zur Jahrtausendwende ein großes Lärmproblem festgestellt und den ersten Lärmaktionsplan Dresdens in Gang gesetzt. Schwer- und Durchgangsverkehr wurde aus dem Viertel verbannt, indem dort alle Straßen gleichrangig wurden. Außerdem wurde Tempo 30 eingeführt, was im Schnitt den Lärm um 2,5 Dezibel senkt.

Große, schwere Autos sind ein Problem

Noch mehr hat die Sanierung der Pflasterpisten gebracht, sechs bis sieben Dezibel sind das in der Regel. Außerdem sorgen kleinere Maßnahmen wie lärmgeminderte Wertstoffcontainer für Ruhe. „Der Effekt guter Straße wird aber teilweise durch die immer größeren und schwereren Autos aufgefressen“, kritisiert Rink. Den meisten Lärm machen die Dresdner selbst.

Rink und sein Amtskollege Rothe sind noch von einer anderen Entwicklung begeistert: Im Hecht haben sich viele Baulücken geschlossen. Das sorgt zwar auf der Straße für mehr Lärm, weil die Schallwellen dorthin reflektiert werden. Hinter der „bewohnten Schallschutzwand“ ist dann aber Ruhe – in den Höfen und den Häusern in zweiter Reihe.

Ein anderes Beispiel

Szenenwechsel. Rink steht auf Höhe der Lößnitzstraße an der Königsbrücker Straße und misst den Verkehrslärm. Eine Straßenbahn fährt vorbei, 65 Dezibel. Ein Cabriofahrer tritt trotz Tempo 30 ruckhaft aufs Gaspedal, 97 Dezibel. „Die hohen Werte haben natürlich viel mit dem schlechten Zustand der Straße zu tun, aber auch nach der Sanierung wird es hier nachts lauter als 55 Dezibel sein“, sagt derweil sein Dresdner Kollege Rothe. Es gebe eine breite Palette an Möglichkeiten, aber manchmal genüge auch sie nicht.

Wobei es neue Entwicklungen gibt. In den Niederlanden und einigen skandinavischen Ländern geht man beim Kampf gegen Lärm neue Wege. Dazu dient eine verblüffende Beobachtung: Singvögel kommen in der Balz locker auf 65 Dezibel, dennoch wird ihr Gesang zumeist als angenehm empfunden. „Deshalb gibt es die Idee, unangenehmen Verkehrslärm mit Naturgeräuschen zu übertönen oder durch eine Fassadengestaltung abzustumpfen“, sagt Rothe. Sounddesign im öffentlichen Raum nennt sich dieses Verfahren.

Natur soll Lärm dämpfen

In Dresden lässt sich das noch am ehesten am Albertplatz beobachten. Dort braust der Verkehr, aber dank der Hecken, die den Straßenlärm dämpfen, und der plätschernden Springbrunnen in der Platzmitte stört das kaum. Die beiden Fachleute nennen das eine gelungene Platzgestaltung und finden auch lobende Worte über das Rasengleis an der Albertstraße. Dort hört man kaum Fahrgeräusche der Straßenbahn. „Es lässt sich vieles unternehmen, wenn man will“, sagt Rink. Oft habe aber der Lärmschutz in der Abwägung gegen Finanzen, Denkmalschutz und den Verkehrsfluss einen schlechten Stand.

Von Uwe Hofmann

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