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Lokales 275 neue Handwerks-Meister in der Messe Dresden gefeiert – Redner kritisieren Politik
Dresden Lokales 275 neue Handwerks-Meister in der Messe Dresden gefeiert – Redner kritisieren Politik
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17:27 25.11.2019
am 23.11.19 in Dresden : Meisterfeier : Meisterstücke : Patrick Ritschel mit Armbanduhr mit springender Stunde und Stundenschlag (Uhrmacher) Quelle: E-Mail-LVD
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Dresden

Maßschneider-Meisterin Sabine Winge aus Berlin brachte es stellvertretend für alle 275 Absolventen des diesjährigen Meisterjahrgangs in Dresden auf den Punkt: Den Meister in der Tasche zu haben, bedeute für sie nicht nur, den Grundstein für den Aufstieg gelegt zu haben. Rückblickend könne sie sagen, „dass es vielmehr mit persönlichem Wachstum zu tun hatte.“

Genau das dürfte Jörg Dittrich, der Präsident der Handwerkskammer Dresden, gemeint haben, als er in seiner Festrede erklärte, warum die Zukunft für die 275 neuen Meister sich unweigerlich zum Guten wenden müsse: „Weil ich Ihnen zutraue, sie zu gestalten. Sie, als mitten im Leben stehende Handwerksmeister, werden es schaffen, Antworten auf die Fragen der Zukunft zu finden.“

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Die Meisterfeier 2019 in Dresden

Der Kammerpräsident teilte bei seinem Auftritt gewohnt offen aus – diesmal gegen die Grünen, bei denen „manche Dinge auf dem Weg zur Religion“ seien. „Wäre Gott ein Grüner gewesen, er hätte nicht die zehn Gebote verkündet, sondern die 10.000 Verbote“, postulierte er. Auch das üppige Bürokratie erzeugende Misstrauen der politischen Verwaltung griff er scharf an: Es stelle mit immer neuen Nachweispflichten alle Handwerker als Trickser unter Generalverdacht.

Kritik an Mindestvergütung

Ausführlich kritisierte Dittrich das Gesetz zur Mindestvergütung für Auszubildende, das ab Januar 2020 gelten soll. Es vernachlässige regionale Unterschiede zum Beispiel zwischen Bayern und Sachsen – sei also Gleichmacherei. Motto: „Die Politik bestellt, wir zahlen“. Zudem stelle es Handwerksfirmen an den Pranger – denn es erwecke den Eindruck, bislang seien massenhaft Lohndrücker am Werk gewesen.

Und bei aller Wertschätzung für die Lehrlinge: „Die gleiche Wertschätzung muss doch auch den ausbildenden Betrieben zuteil werden“, sagte Dittrich. Er forderte eine Entlastung der Meister, einen spürbaren Abbau der Bürokratie und mehr Anreize für den Gang in die Selbstständigkeit.

Diesen Weg in die Selbstständigkeit nahm der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Andreas Brzezinski, zum Anlass, um nach Niedersachsen zu schauen. Das Bundesland unterstützt seine Meister mit einem Bonus von 4000 Euro. In Sachsen fließt solch ein Bonus seit dem Jahr 2016 – allerdings liegt er bei vergleichsweise bescheidenen 1000 Euro. Schon lange fordert das sächsische Handwerk eine Erhöhung. Erst zu Wochenbeginn hatte der Präsident des Sächsischen Handwerkstages, Roland Ermer, mindestens 2500 Euro „wünschenswert“ genannt. Andreas Brzezinski untermauerte diese Forderung mit Blick auf die zahlreichen Firmenübernahmen, die aus Altersgründen anstehen.

In diesem Jahr werden 238 der neuen Meister, die im Kammerbezirk Dresden leben oder arbeiten, von den 1000 Euro aus Sachsen profitieren. Stellvertretend für sie alle nahm Uhrmachermeister Steffen Heerklotz aus Dippoldiswalde die Förderzusage entgegen.

Wissen, wo man herkommt

Als prominenter Gastredner widmete sich Kabarettist, Schauspieler und Musiker Tom Pauls mit Leidenschaft den Veränderungen in Gesellschaft und Sprache. Er geißelte den „Viertel-Vor“-Sprech ebenso wie das bis ins Private wuchernde „Alleinstellungsmerkmal“ – das im Marketing der englischsprachigen Welt den einzigartigen Verkaufswert beschreibe. „Auch das verbrämte „Am Ende des Tages“ statt eines klaren „Ergebnisses“ sei eben nur die eingedeutschte Variante einer englischen Redewendung. „Sprachmuster erzeugen Denkmuster“, warnte der Kämpfer fürs Sächsische und forderte mehr Vertrauen in die Vielfalt der eigenen Sprache: „Wer nicht weiß wo er herkommt, weiß nicht, wo er hingehört!“

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Von Barbara Stock