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Lokales 2018 – ein Jahr der Extreme und Rekorde
Dresden Lokales 2018 – ein Jahr der Extreme und Rekorde
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18:37 16.01.2019
Franziska Reinfried, Meteorologin im Umweltamt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Franziska Reinfried, Meteorologin beim Umweltamt, blickt im DNN-Interview auf das Klima 2018 zurück.


Franziska Reinfried: Ja. 2018 war das wärmste, das trockenste und das sonnigste Jahr seit 1961, als die Messungen in Dresden-Klotzsche begannen. Daten gibt es bereits seit 1917, aber sie wurden an einem anderen Standort erfasst.

Mit einer Jahresmitteltemperatur von 11,1 Grad Celsius war es im vergangenen Jahr 0,2 Grad wärmer als 2014, dem bis dato wärmsten Jahr global, Deutschlandweit und in Dresden. Die 11,1 Grad liegen 2,2 Grad Celsius über der Jahresmitteltemperatur der Klimareferenzperiode 1961-1990. Zudem gab es im vergangenen Jahr 2117 Sonnenstunden. Das sind 36 Prozent mehr im Vergleich zu besagter Referenzperiode. Nur 2003 und 2011 wurden ebenfalls über 2000 Sonnenstunden gemessen.

Und wie sieht es mit dem Niederschlag aus? Konnte der Dezember das Defizit noch entscheidend mildern?

Der Dezember war richtig nass, brachte 30 Prozent mehr Niederschlag als der Klimareferenzwert ausweist. Aber trotzdem summiert sich der Jahresniederschlag nur auf 421 Millimeter. 669 Millimeter beträgt der Mittelwert für den Jahresniederschlag. 2018 ist damit das trockenste Jahr seit 1961 und das zweittrockenste Jahr seit 1917.

Nur 1943 gab es mit 393 Millimeter noch weniger Regen. 2003, das auch sehr trocken war, lag die Jahresniederschlagssumme übrigens bei 424 mm, im Hochwasserjahr 2002 waren es 789 mm. Am meisten geregnet hat es 1981 mit 969 mm.

Warum war es so lange so heiß und so trocken?

Ein Hoch hatte sich von Februar an bis November über Nordosteuropa festgesetzt und nur wenig verlagert. Die regenbringenden Tiefdruckgebiete, die normalerweise von West nach Ost über Mitteleuropa ziehen, wurden durchgängig nach Norden oder Süden abgelenkt. Ursache ist der geringer werdende Temperaturunterschied zwischen Pol und Äquator. Er raubt dem über Mitteleuropa gelegenen Starkwindband – Jetstream – die Dynamik, Druckdifferenzen bleiben bestehen und Wetterlagen stationär.

War 2018 einfach nur ein extremes Jahr oder lässt sich anhand der Messwerte ein Trend ablesen?

In Sachen Jahresniederschlag ist noch kein Trend zu erkennen. Die Niederschlagsmenge schwankt immer stark. Doch bei der Jahresmitteltemperatur konstatieren wir einen kontinuierlichen Anstieg seit den 1980er Jahren. Im Schnitt liegt die Temperatur jetzt etwa 1 Grad über dem Klimareferenzwert. Das zeigt, wo es in Zukunft hingeht. Für Sachsen prognostizieren Klimamodellierungen bis 2100 einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur von 2 bis 3 Grad Celsius. Das, was wir 2018 erlebt haben, wird dann normal sein.

Dresdner Wetterdaten 2018

Mit 11,1 Grad Celsius Jahresmitteltemperatur ist es das wärmste Jahr seit 1961. Die Jahresmitteltemperatur der Klimareferenzperiode 1961-1990 liegt bei 8,9 Grad.

Es regnete an 114 Tagen. Das ist die geringste Anzahl an Regentagen seit 1961. Der Durchschnittswert liegt bei 169 Regentagen.

Der Jahresniederschlag summiert sich auf 421 Millimeter. 2018 ist damit das trockenste Jahr seit 1961.

Mit 2117 Sonnenstunden gab es 36 Prozent mehr als im Schnitt in der Referenzperiode von 1961 bis 1990. Nur 2003 und 2011 wurden ebenfalls über 2000 Sonnenstunden gemessen.

Sturmtief Friederike fegte am 18. Januar über das Stadtgebiet hinweg und sorgte für zahlreiche Schäden an Dächern und Bäumen. An der Station Klotzsche wurde mit 121,7 Kilometer pro Stunde die zweithöchste Spitzenwindgeschwindigkeit seit 1961 gemessen.

Schon der Januar war viel zu mild. 4,6 Grad lag das Monatsmittel über dem Durchschnitt. Es war der viertwärmste Januar seit 1961.

Der Februar war der trockenste und sonnigste Februar seit 1961.

Mit einer Abweichung von 5,8 Grad über dem langjährigen Vergleichswert von 1961 bis 1990 war der April 2018 der wärmste seit 1961.

Der Klimareferenzwert an Sommertagen (Tage, an denen die Maximumtemperatur 25 Grad Celsius erreicht oder überschreitet) liegt an der Station Klotzsche bei 37 Sommertagen im Jahr. 2018 wurden hier 77 Sommertage gezählt. Dies ist die höchste Anzahl seit 1961. Die Klimamessstation Neustadt registrierte sagenhafte 102 Sommertage.

Ebenso wurde der Rekord an heißen Tagen (Tage, an denen die Maximumtemperatur 30 Grad Celsius erreicht oder überschreitet) gebrochen. Der langjährige Vergleichswert von 1961 bis 1990 liegt bei sechs heißen Tagen pro Jahr. 2018 waren es 28 heiße Tage! An der Klimamessstation in der Neustadt wurden insgesamt sogar 44 heiße Tage gezählt.

5 Tropennächte ließen auch nachts die Stadt kaum abkühlen, in der Neustadt wurden sogar acht gezählt. Nur 2015 plagten sich die Dresdner bereits mit so vielen warmen Nächten. In Tropennächten sinkt die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius.

Es folgte der drittwärmste Herbst mit einem sehr warmen September und einem extrem trockenen November.

Komplettiert wurde das Jahr durch einen viel zu milden Dezember, der wenigstens den ersehnten Niederschlag brachte. Mit 130 Prozent der sonst üblichen Regenmenge wurde es sogar der zehntnasseste Dezember seit 1961.

Das heißt, dass man sich bei der weiteren Entwicklung der Stadt mit verschiedenen Maßnahmen darauf einstellen muss. Worin sehen Sie in Sachen Klimaanpassung als Meteorologin im Umweltamt ihre Aufgabe?

Ich arbeite an der Klimaanalysekarte und darauf aufbauend an der Planungshinweiskarte. Erstere zeigt, wo sich Flächen mit Kalt- und Frischluftproduktion befinden und in welchen Gebieten in Folge der Versiegelung und Bebauung eine geringe, mäßige bzw. sehr hohe Überwärmung auftritt. Die Planungshinweiskarte macht zum einen deutlich, wo in der Stadt dringend Klimavorsorgemaßnahmen umgesetzt werden müssen und liefert in Hinweisblättern konkrete Anhaltspunkte, was getan werden kann. Zum anderen sind Kaltluftentstehungsgebiete, Kaltluftabflussbahnen, Luftleitbahnen, Grünflächen markiert, die das Stadtklima positiv beeinflussen und unbedingt erhalten werden müssen. Beide Karten kann übrigens jeder im Internet im Themenstadtplan der Stadt Dresden im Thema Umwelt, Rubrik Stadtklima einsehen.

Inwiefern hat denn die Stadt rechtlich eine Handhabe, solche Klimavorsorgemaßnahmen bei Bauprojekten durchzusetzen bzw. zu verhindern, dass Schutzzonen zum Beispiel zugebaut werden?

Das Thema Stadtklima und Klimaanpassung ist ein Abwägungsbelang unter vielen. Leider gibt es hier nicht wie bei der Luftqualität oder dem Lärm Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. So haben wir nur die Möglichkeit, in Bebauungsplänen Maßnahmen in Sachen Klimaanpassung – z. B. die Versiegelung so gering wie möglich zu halten, Gebäude zu begrünen oder verschattete Aufenthaltsbereiche zu schaffen – einzubringen. Dort, wo kein Bebauungsplan aufgestellt werden muss, haben unsere Maßnahmevorschläge nur empfehlenden Charakter.

Deshalb ist es wichtig, über das Klima, die Klimaentwicklung und den Einfluss auf die menschliche Gesundheit aufzuklären und darüber, wie wichtig es heute schon ist, Klimavorsorge zu betreiben und welche Vorteile es hat, Klimaanpassung beim Bauen zu berücksichtigen. Letztlich beeinflusst der Bauherr damit die Wohn- und Aufenthaltsqualität für die Bewohner maßgeblich.

Leider kann man die vielen Vorteile beispielsweise von Begrünungsmaßnahmen oft nicht geldmäßig darstellen. Aber eine Dachbegrünung zum Beispiel kann teilweise als Ausgleich für eine Versiegelung angerechnet werden. Zudem verringert sich bei einem begrünten Dach die Niederschlagswassergebühr. Nebenbei wirkt die Dachbegrünung positiv auf die Luftqualität, das Mikroklima und bietet Fläche für Pflanzen und Insekten. Im besten Fall ist die begrünte Dachfläche für die Mieter als Aufenthaltsort nutzbar.

Die Stadt könnte bei kommunalen Bauvorhaben mit gutem Beispiel vorangehen...

Es gibt dafür mehrere Beispiele. Eins ist das grüne Dach der Kita an der Hauptstraße. Das Umweltamt arbeitet zudem gerade an einer Richtlinie zur Gebäudebegrünung. Sie soll zunächst für kommunale Gebäude gelten.

In Gorbitz wurden vergangenes Frühjahr an neun verschiedenen Orten Temperatur- und Feuchtemessgeräte installiert, um Daten für das Projekt „HeatResilientCity“ – Hitzerobuste Stadt – des Bundesforschungsministeriums zu liefern. Was ist das Ziel des Projektes?

Herauszufinden, was Klimaanpassungsmaßnahmen bringen, welche Energiebedarfe möglicherweise künftig für das Kühlen von Wohnräumen entstehen und welche Klimaregulation von welcher Art von Grünfläche ausgeht. Momentan wertet ein Kollege gerade die Daten des ersten Sommers aus.

Unser Projektpartner ist die Eisenbahnerwohnungsbaugenossenschaft. Sie saniert an der Höhenpromenade in Gorbitz drei Plattenbauten und wird dabei Klimaschutzmaßnahmen umsetzen. So sollen künftig Außenjalousien eine Aufheizung der Wohnungen verhindern. Zudem wird die Dachkonstruktion mit einem neuen Dämmmaterial verfüllt, wodurch ebenfalls die Innentemperatur im Gebäude abgesenkt werden soll.

Neben „HeatResilientCity“ sind wir noch an einem weiteren Bundesforschungsprojekt beteiligt, mit dem Ziel, ein innovatives Stadtklimamodell zu entwickeln. Dieses soll in der Lage sein, mikroklimatische Prozesse zu simulieren. Dadurch könnten Bebauungsvarianten hinsichtlich ihrer mikroklimatischen Auswirkung optimiert werden. Wir testen als potentielle Anwender gerade den Prototypen.

Von Catrin Steinbach

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