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Lokales 1103 Fälle von häuslicher Gewalt 2015 in Dresden – Opfer meist Frauen
Dresden Lokales 1103 Fälle von häuslicher Gewalt 2015 in Dresden – Opfer meist Frauen
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08:00 26.11.2016
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Symbolfoto Quelle: dpa
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Dresden

„Häusliche Gewalt ist immer noch das höchste Gesundheitsrisiko für Frauen weltweit, Wohnungen sind der gefährlichste Tatort“, sagt Sylvia B. Müller von der Dresdner Interventions- und Koordinierungsstelle häuslicher Gewalt (D.I.K.). Sie muss es wissen, denn in der D.I.K. wird sie mit den Opfern konfrontiert. Und das in zunehmenden Maße. Entsprechende Beratungseinrichtungen in Dresden verzeichnen prozentuale Zuwächse zum Teil im dreistelligen Bereich. Darüber hat die Stadt am Freitag anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen informiert.

Konkret gab es in Dresden im vergangenen Jahr 1103 Fälle von häuslicher Gewalt. Bei den erwachsenen Opfern handelte es sich zu 70 Prozent um Frauen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein, denn die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen, ist groß, wie Müller sagt. Alleinstellungsmerkmal der D.I.K. ist deshalb die Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion Dresden. Alle Opfer, die damit einverstanden sind, werden der Interventions- und Koordinierungsstelle gemeldet. „Wir nehmen dann Kontakt mit den Betroffenen auf, und nehmen damit die erste Hürde ab. Zu 99,9 Prozent haben wir Erfolg“, erklärt Müller.

In acht bis neun Beratungssitzungen werden dann wieder Sicherheit hergestellt, die Gewalt beendet und Perspektiven aufgezeigt. „Die Beratungsfälle sind komplexer geworden. Die Multiproblemlagen nehmen zu – häusliche Gewalt einhergehend mit psychischen Krankheiten, emotionalen Vernachlässigungen, Generationenkonflikten, Abgleiten in Süchte, Rollenverschiebungen im Familiensystem“, macht Dresdens Gleichstellungsbeauftragte Alexandra-Kathrin Stanislaw-Kemenah deutlich.

Das Angebot der D.I.K. ist anonym und kostenlos und richtet sich an Frauen und Männer. Genutzt wird es aber überwiegend von Frauen. 444 waren es im vergangenen Jahr, dieser Zahl stehen 17 Männer gegenüber. Die Mehrzahl der Betroffenen ist zwischen 25 und 45 Jahre alt, aber auch 85-jährige Seniorinnen haben Müller und ihre Kollegen bereits betreut.

Und auch die Kleinen hat Müller im Blick. Denn: „Kinder sind immer mit betroffen.“ In über der Hälfte der Polizeieinsätze waren Kinder am Tatort anwesend. Deshalb hat die D.I.K. seit dem 16. November eine Sozialpädagogin in ihren Reihen, die sich speziell um die Kleinen kümmert.

Von Christin Grödel

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