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Dresden Dresdner Gedenkbäume - Eine Auswahl
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12:26 26.02.2018

Dresdner Gedenkbäume - Eine Auswahl

Dresdens wohl verstecktester Gedenkbaum ist zugleich einer der außergewöhnlichsten: Die Politische Buche am Hang des Kleditzschgrunds in Niederwartha ist eine Rotbuche, die seit 1958 als Naturdenkmal geschützt ist – nicht nur wegen ihrer Größe, sondern auch aus geschichtlichen Gründen. Ihr Name kommt von rund 80 Jahre alten Einritzungen in ihrer Rinde. Prägnant ist neben dem Schriftzug „KPD“ (Kommunistische Partei Deutschlands) ein Hakenkreuz. Das sollte offenbar ein zuvor eingeritztes Symbol der SPD-nahen Widerstandsorganisation „Eiserne Front“ (drei schräg abwärts gerichtete Pfeile) überdecken. Das abgelegene Seitental der Elbe war in der NS-Zeit wohl Rückzugsort von Oppositionellen. Ebenso wie die von einem Bombentreffer gezeichnete Splittereiche im Großen Garten wurde die Politische Buche nicht als Gedenkbaum gepflanzt, sondern erst durch äußere Einflüsse zu einem ebensolchen.

Quelle: Stefan Schramm

Obwohl er gute Kenntnisse von sieben Sprachen hatte, galt Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke als wortkarg, was ihm den Beinamen „der große Schweiger“ einbrachte. Als preußischer Generalstabschef galt er als einer der verdienstvollsten Militärs in den drei deutschen Einigungskriegen von 1864 bis 1871. An seinem 80. Geburtstag am 26. Oktober 1880 – Moltke wurde sogar 90 Jahre alt – wurden ihm zu Ehren überall im Deutschen Reich Moltkeeichen gepflanzt – so auch auf dem Leisniger Platz, der bis zu Pieschens Eingemeindung 1897 Moltkeplatz hieß. Die Familientradition führte sein gleichnamiger Neffe als Generalstabschef zu Beginn des Ersten Weltkriegs fort, sein Urgroßneffe Helmuth James Graf von Moltke war ein wichtiger Widerstandskämpfer im Dritten Reich. Die Eiche tut es dem „großen Schweiger“ heute gleich: Unbeschildert lässt sie nichts über ihre interessante Geschichte wissen.

Quelle: Stefan Schramm

Es war ganz gewiss ein sehr trauriger Tag im Leben des Oberforstmeisters Friedrich Wilhelm Meschwitz, an dem er 1880 seinen Sohn Wilhelm zu Grabe trug. Im Gedenken an ihn pflanzte er im Herbst 1880 auf dem St.-Pauli-Friedhof eine Schindel-Eiche (Quercus imbricaria) – eine in den USA heimische Art, deren Holz der Herstellung von Dachschindeln diente. Für Botaniker erwies sich der Trauertag als Glücksfall: Heute gilt dieser Baum, der 2012 einen Stammumfang von 3,70 m, eine Höhe von 26 m und einen Kronendurchmesser von 33  m aufwies, als bundesweit größtes Exemplar dieser Art. Darauf weist seit dem 18. Oktober 2013 auch ein Schild hin. Immerhin: Meschwitz, selbst Namenspate der Meschwitzstraße in der Albertstadt, blieb noch ein anderer Sohn namens Heinrich, der als Schriftsteller und Bibliothekar bekannt sowie Namensgeber der Meschwitzruhe in der Dresdner Heide ist.

Quelle: Stefan Schramm