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„Wir werden in Dresden bald andere Autos haben“

Chef von VW-Sachsen „Wir werden in Dresden bald andere Autos haben“

Die Mobilitätswende nimmt Fahrt auf. Es geht um intelligente Verkehrssysteme, umweltschonende Fortbewegung, geeignete Infrastruktur. Das Autoland Sachsen will den Anschluss nicht verpassen, die Staatsregierung bündelt deshalb ihre Aktivitäten. Volkswagen hat unterdessen offenbar bereits Pläne, die Gläserne Manufaktur nicht mehr nur für den E-Golf zu nutzen.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU, M) und sein Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD, r) lassen sich in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden (Sachsen) von Fertigungsleiter Jens Schlender (r.) und VW-Sachsen-Chef Siegfried Fiebig (l.) die E-Golf - Produktion erklären.

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden. Sachsen treibt die Mobilitätswende voran – auch wenn das in der Wahrnehmung durchaus anders wirken kann. Von üppiger Infrastruktur für die Elektrifizierung der Straße nämlich ist der Freistaat mit seinen derzeit rund 200 öffentlichen Ladestationen (mit 400 Ladepunkten, davon 20 Schnell-Lader) noch weit entfernt. Was jedoch bei 1000 reinen Elektrofahrzeugen, die in Sachsen gemeldet sind, eher undramatisch erscheint. Entsprechend gering aber fällt auch die Ausstattung öffentlicher Fuhrparks mit Stromern aus. Andererseits wurden seit 2009 in diversen Modell- und Pilotprogrammen inzwischen bereits 40 Projekte realisiert, die hauptsächlich dem Öffentlichen Nahverkehr und der intelligenten Vernetzung verschiedener Verkehrsträger zugute kamen. Soviel zur Wahrnehmung.

Freistaat bündelt Initiativen zur E-Mobilität

„Zur Elektromobilität in Sachsen gehört mehr als die Elektrifizierung von Autos“, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) folgerichtig am Freitag. Er sagte es ausgerechnet bei einem Termin in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden, wo die Produktion des Elektro-Golfs auf die für den Anfang vorgesehene Zahl von 35 hochgefahren ist. Gemeinsam mit Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) war er einer Einladung in die einstige Phaetonschmiede gefolgt, um vor Ort die Produktion der Elektrofahrzeuge zu begutachten. Bei der Gelegenheit gab Tillich bekannt, dass die sächsische Staatsregierung ihre bisherigen Initiativen zur Entwicklung der E-Mobilität gebündelt und am Dienstag dazu ein Rahmenprogramm beschlossen hat. Ziel: „Wir wollen, dass Arbeitsplätze in Deutschland und in Sachsen gesichert werden, dass neue Arbeitsplätze entstehen“, sagte Tillich. Dazu gehöre, die Wertschöpfungsketten im Autoland Sachsen zu erhalten und auszubauen. Er kündigte Test- und Modellprojekte auch im ländlichen Raum an, etwa den Ausbau einer Staatsstraße für Tests zum autonomes Fahren in Dresden – ähnlich dem Modellprojekt auf der A 9 zwischen München und Leipzig. „Nicht zuletzt sorgen mehr Elektroautos auch für bessere Luft und weniger Lärm.“

Bundesmittel auch nach Sachsen leiten

Beim Thema Infrastruktur appellierten Tillich und Dulig an Investoren, in die Gänge zu kommen, und an Kommunen, die nötigen Bedingungen dafür zu schaffen. Der Kabinettsbeschluss verweist dabei klar auf die Bundesprogramme – zum Beispiel auf das von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der 300 Millionen Euro Fördermittel ausreicht, um Deutschland an den Hauptverkehrsachsen mit Schnell-Ladesäulen zu versorgen. Einer Studie für Duligs Wirtschaftsministerium zufolge sind bis 2020 landesweit gut 850 Ladepunkte im öffentlichen Raum nötig, um den dann vorhandenen elektromobilen Verkehr fahrfähig zu halten. Das wäre eine Verdopplung der gegenwärtigen Zahl. Wobei noch keine Aussage zur Leistungsfähigkeit der E-Tankstellen getroffen wurde. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Entwicklung der Technik sich rasant beschleunigt und mehrstündige Batterieladezeiten in Kürze der Vergangenheit angehören.

Tillich elektrisch unterwegs: mit dem Fahrrad

„Wir schielen aber nicht nur auf Bundesmittel“, meinte Tillich auf die Frage, ob sich der Freistaat komplementär an Infrastrukturmaßnahmen beteiligt. Er zumindest kenne kein Bundesförderprogramm, das ohne Kofinanzierung durch Länder und Kommunen auskommt. In Aussicht stellte er zumindest schon mal, dass landeseigene Fuhrparks langfristig elektrifiziert werden – zunächst im Ministerialbereich, später auch in allen sächsischen Behörden. „Unsere Autos lassen wir uns nicht vom Bund bezahlen“, so der Regierungschef, der privat auch elektrisch unterwegs ist: mit seinem E-Fahrrad.

Dulig: Dieseltechnologie retten

Sachsens Wirtschaftsminister, der dienstlich einen Mercedes S Hybrid bewegt, reiste noch am Abend zurück zur Verkehrsministerkonferenz nach Hamburg. Dort, so erklärte der SPD-Politiker, habe man sich auch intensiv über die heftig in der Kritik stehenden Dieselmotoren unterhalten. „Das ist eine der besten Technologien, die wir haben“, sagte Martin Dulig, die werden wir weiterentwickeln müssen, auch wenn die Elektromobilität die Zukunft ist“.

Elektroautos der nächsten Generation aus Zwickau

Ganz konkret in die nahe Zukunft wies ein Satz, den Siegfried Fiebig, Sprecher der Geschäftsführung von Volkswagen Sachsen, in seinem Statement unterbrachte: „Wir werden in Dresden bald auch andere Autos haben“. Bereits Ende 2016 hatte VW-Marken-Vorstand Herbert Diess erklärt, dass das erste reine Elektro-Automodell der nächsten Generation – Projektname: „VW I.D.“ – komplett in Zwickau gefertigt wird. Die Vermutung liegt nahe, dass künftig also auch andere Elektrofahrzeuge in Dresden montiert werden. Denn die Gläserne Manufaktur war genau dafür – für eine flexible Produktion – umgebaut worden. Einzelheiten wird Europas größter Autobauer nächsten Freitag in Wolfsburg bekanntgeben.

Von Barbara Stock

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