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Kampf um die Parkplatz-App: Dresden baut auf UMA

Nervtötende Suche Kampf um die Parkplatz-App: Dresden baut auf UMA

Genervte Autofahrer kämpfen um Parkplätze - und Deutschlands Wirtschaft um die Parkplatz-App. Technologie soll nervtötende Suche überflüssig machen. Welches System sich durchsetzt, ist völlig offen.

Mühsam, ärgerlich, teuer: Die Parkplatzsuche und das Bezahlen sollen komfortabler werden – nur wie?
 

Quelle: T-Online

München. Am Montag ist es soweit. Dann geht für Dresden die Navigations-App UMA an den Start. Die App, die sowohl für das Betriebssystem iOS wie auch Android nutzbar ist und bereits in einigen deutschen Städten läuft, kann den Erfindern zufolge „unfassbar viele Daten“ verwerten. Für Dresden wurde sie umprogrammiert – im Fachdeutsch: gelauncht. Hier wird ihr Schwarm-Algorithmus gefüttert mit Daten aus der Verkehrsdatenbank „Vamos“, die Stadt und TU Dresden seit 2003 aufbauen und mit der inzwischen der gesamte Verkehr in der Elbestadt je nach Aufkommen gesteuert wird. UMA ist zudem so angelegt, dass möglichst viele Dresdner Verkehrsmeldungen von unterwegs weitergeben, die ins System eingespeist werden.

All die Daten sollen dafür sorgen, dass Dresdner künftig höchst effizient Staus umfahren und später auch Mitfahrgelegenheiten finden können.

Damit hat sich die Landeshauptstadt vorerst für eine Lösung entschieden. Unterdessen liefert sich die deutsche Wirtschaft überall einen heißen Kampf um die Parkplatzsuche. Eine ganze Reihe von Start-ups, großen Industrieunternehmen, Autoherstellern und Kfz-Versicherern müht sich um die beste Lösung, die zeitraubende Suche nach einer Abstellgelegenheit für das Auto in Zukunft überflüssig zu machen.

„Das ist ein Riesenmarkt“, sagt Felix Harteneck, Geschäftsführer und Mitgründer des jungen Münchner Unternehmens Park Here, das Parkplatzsensoren produziert und in mehreren europäischen Städten Aufträge an Land gezogen hat. BMW und die Axa-Versicherung sind seit Herbst mit Park-Apps auf dem Markt. Audi hat ein Modellprojekt für pilotierte Parkplatzsuche in den USA gestartet. Bosch arbeitet nach Unternehmensangaben an zwei Vorhaben, auch Siemens forscht.

Der Grund: Allein in Deutschland wächst unabhängig von der Mobilitätswende die Zahl der Fahrzeuge alljährlich um etwa eine Million – und in den Städten steigen sowohl die Einwohner- als auch die Pendlerzahlen. Das Ergebnis: Mehr Verkehr, die Parkplatzsuche wird immer nerviger. Park-Apps von Start-ups sind bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. Durchgesetzt aber hat sich bisher keine Lösung.

Inzwischen sind etablierte Unternehmen mit großen Etats eingestiegen. BMW bietet seit vergangenem Herbst eine App in der 5er-Baureihe an. „Park Now“ meldet freie Plätze und kann diese auch automatisch bezahlen. Das solle künftig auf weitere Modellreihen ausgeweitet werden, sagt eine BMW-Sprecherin in München.

Konkurrent Daimler kooperiert mit Bosch, um ein ähnliches System zu entwickeln. „Wir gehen davon aus, dass das neue System 2018 serienreif ist“, sagt ein Bosch-Sprecher in Stuttgart. Daneben entwickelt der Stuttgarter Zulieferer eine Lösung, die von einem Autohersteller unabhängig wäre: Parkplätze werden mit Bodensensoren ausgerüstet. Ein Pilotprojekt im Raum Stuttgart ist in Vorbereitung.

Wo Bosch hinwill, ist das Münchner Start-up Park Here bereits angekommen. Das Unternehmen mit bisher 25 Mitarbeitern ist eine Ausgründung aus der TU München und hat Piezo-Parkplatzsensoren entwickelt, die keine externe Stromversorgung benötigen und 25 Jahre lang halten sollen. Von der Konkurrenz durch die Großindustrie will sich das kleine Unternehmen nicht schrecken lassen: „Ich bin zu 100 Prozent zuversichtlich, dass wir eine Chance haben“, sagt Geschäftsführer Harteneck.

Siemens arbeitet an einem anderen System: Radarsensoren, die an Laternenmasten und ähnlichen erhöhten Punkten montiert werden, können freie Parkplätze sichten und an die Autofahrer melden. Ein Pilotprojekt in Berlin ist inzwischen beendet, weitere sind jedoch bereits in Planung. „Wir entwickeln das weiter“, sagt ein Sprecher.

Die Übersicht ist unvollständig, die Lage schwer überschaubar. Seit vergangenem Herbst bietet auch die Axa-Versicherung die in Zusammenarbeit mit dem Kölner Start-up Evopark entwickelte App „Clever Parken“ an, die freie Plätze in Parkhäusern sucht, wie eine Sprecherin sagt.

Auch andere Kfz-Versicher wie HUK-Coburg wollen zusätzlichen Service rund ums Auto bieten. „Die HUK-Coburg beschäftigt sich intensiv mit der Digitalisierung rund um die Mobilität“, sagt ein Sprecher. „Zum jetzigen Zeitpunkt wollen wir aber noch nicht über die Details reden.“

Ob und wann es eine Standardparklösung geben wird, ist angesichts der Fülle der konkurrierenden Lösungsversuche nicht absehbar. Für die Autofahrer bedeutet das zunächst: Zur Parkplatzsuche kommt die Suche nach der besten App hinzu.

Von Carsten Hoefer und Barbara Stock

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