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Anschlagsopfer sagen im Freital-Prozess aus

Vor Gericht Anschlagsopfer sagen im Freital-Prozess aus

Im Terrorprozess gegen die „Gruppe Freital“ haben erstmals Bewohner einer mutmaßlich von den Rechtsextremisten angegriffenen Flüchtlingswohnung ausgesagt. Dabei schilderten sie, dass ihr Umfeld in Freital schon vor dem Sprengstoffanschlag im September 2015 ihnen gegenüber feindlich gestimmt gewesen sei.

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Freital-Prozess

Quelle: dpa

Im Terrorprozess gegen die „Gruppe Freital“ haben erstmals Bewohner einer mutmaßlich von den Rechtsextremisten angegriffenen Flüchtlingswohnung ausgesagt. Dabei schilderten sie, dass ihr Umfeld in Freital schon vor dem Sprengstoffanschlag im September 2015 ihnen gegenüber feindlich gestimmt gewesen sei. „Dass sie uns nicht mochten, wussten wir“, sagte ein 28 Jahre alter Eritreer am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Dresden. Ein anderer damaliger Mitbewohner erzählte von seiner Angst nach der Explosion des Sprengkörpers am Küchenfenster der Gemeinschaftswohnung. „Ich habe mich sehr erschreckt und am ganzen Körper gezittert.“

Es habe in der Stadt 2015 ständig fremdenfeindliche Demonstrationen gegeben. Häufig hätten Autofahrer vor ihrem Haus auch Hupkonzerte veranstaltet. „Ständig haben sie uns beschimpft. Und ich war immer vorsichtig“, sagte der 28-Jährige. Auch ein deutscher Nachbar der Flüchtlinge berichtete von einem angespannten Verhältnis und zeigte sich wenig verwundert von der Gewalttat. Alle hätten gesagt, dass es dort „irgendwann mal plauzen“ werde. Aus seiner feindlichen Haltung gegenüber den Asylbewerbern machte der 59-Jährige Frührentner keinen Hehl. „Seitdem die Leute da waren, hatten wir massive Probleme.“

Bei dem Anschlag selbst habe er einen sehr lauten Knall und einen Lichtblitz gesehen. „Das hat so einen Krach gegeben, so eine Wucht - wir dachten, das Haus stürzt ein.“ Die Wirkung sei mit der einer Handgranate vergleichbar gewesen. Wer den Anschlag mit verbotener Pyrotechnik verübt habe, könne er aber nicht sagen. Die Flüchtlinge berichteten von den Zerstörungen in der Küche. Das Fenster sei komplett zerstört worden. Splitter hätten noch an der gegenüberliegenden Wand den Putz abgeschlagen. Die Türen der Küchenschränke, des Kühlschranks und des Herds seien durch die Druckwelle geöffnet und Stühle umgeworfen worden. Die acht Bewohner der Wohnung blieben laut Generalbundesanwalt nur deshalb unverletzt, weil sie bereits schliefen und sich niemand von ihnen in der Küche aufhielt.

Nach dem Anschlag habe er sofort aus Freital weg gewollt, sagte der 28-Jährige Afrikaner. Allerdings habe er erst seine Anerkennung als Flüchtling und die entsprechenden Papiere abwarten müssen. „Am nächsten Tag bin ich umgezogen.“ Nach Angaben des Polizeibeamten, der in der Tatnacht mit einem Kollegen als erster am Anschlagsort eintraf, versammelten sich nach der Explosion vier bis fünf Jugendliche vor dem Haus. Dabei hätten sie sich „nachteilig“ über die Flüchtlinge geäußert. Unter anderem sollen sie von Drogenhandel gesprochen und gesagt haben, dass den Asylbewerbern „alles möglich gemacht“ werde und ihnen selbst als Steuerzahler nichts.

In verschiedenen Aussagen war bereits zuvor bekanntgeworden, dass nach dem Anschlag zumindest die Angeklagten Justin S. und Mike S. zu dem Haus gekommen waren. Der Generalbundesanwalt macht Patrick F. und ein weiteres, bisher nicht identifiziertes Mitglied der Gruppe für die Zündung des Sprengstoffes verantwortlich.

Patrick F. - laut Anklage einer der beiden Rädelsführer der „Gruppe Freital“ - ist unterdessen offenbar zur Aussage bereit. Der 25-jährige habe sich entsprechend geäußert, sagte Richter Thomas Fresemann am Dienstag. Er bot F. den nächsten Verhandlungstag am Mittwoch als Termin an. Dieser wollte zunächst jedoch mit seinem Anwalt darüber beraten. Bislang hat sich nur der jüngste Angeklagte, der 19 Jahre alte Justin S., vor Gericht zu den Vorwürfen eingelassen und dabei auch die anderen Mitbeschuldigten belastet.

Den acht Angeklagten werden fünf Anschläge auf Flüchtlinge und politische Gegner vorgeworfen. Sie sollen sich neben der Bildung einer terroristischen Vereinigung unter anderem auch wegen versuchten Mordes verantworten.

dpa

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