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Größter Blechbläser-Chor der Welt musiziert in Dresden

Deutscher Evangelischer Posaunentag Größter Blechbläser-Chor der Welt musiziert in Dresden

Landesposaunenwart Jörg-Michael Schlegel (Zwenkau) und Landesposaunenpfarrer Christian Kollmar (Dresden) organisieren den Deutschen Evangelischen Posaunentag vom 3. bis 5. Juni in Dresden. Er gilt als das weltgrößte Bläsertreffen. Die DNN haben mit ihnen darüber gesprochen, was die Dresdner erwartet.

Pfarrer Christian Kollmar (l.) und Landesposaunenwart Jörg Michael Schlegel haben den Deutschen Evangelischen Posaunentag in Dresden mit vielen ehrenamtlichen Helfern organisiert.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Landesposaunenwart Jörg-Michael Schlegel (Zwenkau) und Landesposaunenpfarrer Christian Kollmar (Dresden) organisieren den Deutschen Evangelischen Posaunentag vom 3. bis 5. Juni in Dresden. Er gilt als das weltgrößte Bläsertreffen. Die DNN haben mit ihnen darüber gesprochen, was die Dresdner erwartet.

DNN: Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie?

Jörg-Michael Schlegel: Angemeldet haben sich 22500 Teilnehmer insgesamt, davon 17500 aktive Bläser. Der Rest sind mitreisende Familienangehörige.

DNN: Woher kommen die?

Schlegel: Aus allen Teilen Deutschlands. Dabei gibt es traditionelle Hochburgen, Hannover, Westfalen, Württemberg und auch Bayern gehören dazu. Dazu natürlich viele aus Mitteldeutschland und Brandenburg, die es einfach nicht so weit haben.

DNN: Reisen auch Bläser von weiter her an?

Schlegel: Ja, es kommen auch eine Reihe Chöre aus dem Ausland - aus Argentinien, aus Südafrika, aus den baltischen Staaten, aus Tschechien, Österreich, Frankreich, Belgien und sogar aus Sri Lanka. Viele davon werden auf unserer Bühne am Samstag Nachmittag zu erleben sein.

DNN: Sind die Dresdner gute Gastgeber?

Schlegel: Das kann man sagen. Wir hatten bei den Privatquartieren sogar einen deutlichen Überschuss. Was uns aber noch viel mehr überrascht hat: Der überwiegende Teil gibt ziemlich viel Geld aus. Hotels, Pensionen und Jugendherbergen sind alle ausgebucht.

DNN: „Luft nach oben“ lautet das Motto. Warum?

Christian Kollmar: Weil es unserm Selbstverständnis entspricht. Wir machen Musik mit unserer Luft, und die richtet sich nach oben, wir spielen zum Lobe Gottes. Und man sagt, „da ist noch Luft nach oben“, wenn noch nicht alles perfekt ist. Als Christen wissen und sagen wir, dass wir von Versöhnung leben. Und schließlich ist der Posaunentag der Auftakt für das Reformationsjubiläum 2017.

DNN: Wer organisiert den Posaunentag?

Schlegel: Der Evangelische Posaunendienst in Deutschland (EPiD), unser Dachverband, hat eine gemeinnützige GmbH als Veranstalter gegründet. Das Besondere: Es ist ein vollständig ehrenamtliches Vorbereitungsteam. Es gibt verschiedene Ausschüsse und einen Projektkreis, der alles gebündelt hat. Im Ganzen sind das etwa 50 Personen. Es läuft von drei Standorten aus: von der EPiD-Zentrale in Bielefeld, meinem Büro in Zwenkau und dem Organisationsbüro in Dresden. Ehrenamtliche Mitstreiter haben wir ausreichend gefunden. Über hundert Helfer kommen am Wochenende noch dazu.

DNN: Was tun Sie, wenn Sie keinen Posaunentag vorbereiten, also hauptberuflich?

Schlegel: Ich bin Landesposaunenwart der Sächsischen Posaunenmission für den Bereich Leipzig und Chemnitz. Da habe ich rund 120 Posaunenchöre fachlich zu betreuen.

Kollmar: Ich bin Landesposaunenpfarrer und Vorstand der Sächsischen Posaunenmission. Ich betreue die Posaunenchöre geistlich. Außerdem bin ich Dozent an der Hochschule für Kirchenmusik.

DNN: Angeblich soll dies das weltweit größte Posaunentreffen sein.

Schlegel: Ja, das ist etwas spezifisch Deutsches. Und mit gemeinsamen Partituren können rund 17000 Bläser zusammen musizieren. Das geht mit anderen Instrumenten nicht. 2008 in Leipzig waren wir 16000 Bläser und haben es als größter Posaunenchor der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft.

DNN: Erst Leipzig, jetzt Dresden, zweimal Sachsen - Zufall?

Kollmar: In Sachsen ist die Posaunentradition besonders stark. Und wir hatten uns einfach wieder beworben.

Schlegel: Sollte es einen dritten Posaunentag geben, wird der wahrscheinlich nicht wieder in Sachsen sein.

DNN: Was wird anders sein als 2008 in Leipzig?

Schlegel: Wesentlichster Unterschied: Wir haben etwas mehr Zeit. In Leipzig waren es knapp 24 Stunden. Vielen war das zu dicht. Deshalb geht das Programm jetzt von Freitag bis Sonntag. Das ermöglicht uns eine zweistündige Probe mit dieser großen Menge im Stadion am Samstag früh. Und es gibt mehr Veranstaltungen.

DNN: Was ist das Reizvolle an solch einem Großtreffen?

Schlegel: Wenn so viele zusammen spielen, entsteht musikalisch etwas Einmaliges, ein wunderbarer Klang. Wir haben das in Leipzig im Stadion erlebt. Viele Posaunenchöre sind ja sehr kleine Gruppen, im Schnitt zwölf Bläser. Da kann man maximal vier- oder fünfstimmig spielen, aber nicht dreichörig oder größer. Dafür haben wir extra Werke komponieren lassen. Außerdem treffen sich viele gern, feiern gemeinsam.

Kollmar: Auch im Hinblick auf die Gemeinschaft ist es etwas Besonderes. Das Entscheidende in der Bläserarbeit ist ja der treue Dienst vor Ort, Woche für Woche. Da wächst alles. Doch um das am Leben zu halten, braucht es auch solche großen Treffen. Man merkt: Wir sind viele. Das stärkt für den Dienst vor Ort.

DNN: Was erwartet die Dresdner mit dem Posaunentag?

Schlegel: Es ist ein Wechsel von Vielfalt und Mega-Events. Wir beginnen gemeinsam, dann gibt es mehrere parallel stattfindende Konzerte, alle mit freiem Eintritt. Leider sind die meisten schon ausgebucht. Alle Facetten der Bläserei werden dort dargestellt. Und die Posaunenwerke präsentieren sich in ihrer Unterschiedlichkeit an Ständen.

DNN: Sind das alles geschlossene Veranstaltungen?

Kollmar: Die Musiken unter freiem Himmel, die Konzerte und der Gottesdienst sind offen für alle. Für den Gottesdienst muss man sich im Organisationsbüro nur eine kostenlose Eintrittskarte besorgen.

DNN: Gleich zur Eröffnung, heißt es, sollen alle Bläser zu hören sein?

Schlegel: Und zwar verteilt auf zwei Plätze, Altmarkt und Neumarkt. Die Grußworte von Ministerpräsident und Landesbischof werden auf den jeweils anderen Platz übertragen.

DNN: Bei Kirchentagen oder jetzt zuletzt beim Katholikentag treten die Wise Guys auf. Ist Ähnliches auch hier zu erwarten?

Schlegel: Wir haben die „Blassportgruppe“ aus Mannheim. Die machen Popmusik mit Blechblasinstrumenten und viel Percussion. Für alle, die am späten Freitag Abend noch gute Stimmung und Party wollen, genau das Richtige. Jeder kann dabei sein.

DNN: Am Sonnabend gibt es eine Stafette. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Kollmar: Das ist eine neue Idee für Dresden. Der Klang soll sich wie eine freudige Nachricht ausbreiten, etwa eine halbe Stunde lang. Das beginnt am Altmarkt. Es hat die Form einer Rondo-Komposition, ein Ritornell, das immer gleich bleibt. Dazwischen gibt es Couplets, Kompositionen von den verschiedenen Posaunenwerken. Sternförmig breitet sich das auf neun Routen durch die Altstadt aus, auch bis in die Neustadt und läuft wieder zurück zum Ausgangspunkt. Dort am Altmarkt geht es dann über in die gemeinsame Vesper mit dem Kreuzchor.

DNN: Was ist als Abschluss geplant?

Kollmar: Dramaturgischer Höhepunkt ist der Gottesdienst mit rund 30.000 Besuchern am Sonntag im Stadion, der auch im MDR-Fernsehen live übertragen wird. Das ist klanglich und liturgisch etwas Besonderes. Margot Käßmann hält die Predigt und spricht am Schluss ein Sendungswort - als Botschafterin des Reformationsjubiläums. Im Mittelpunkt steht das Motto „Luft nach oben“, unter dem besonderen Aspekt der Sendung zurück in die Heimatorte.

DNN: Was hatte der erste Posaunentag in Leipzig für eine Wirkung?

Kollmar: Ich habe von denen, die dabei waren, Begeisterung gehört, über die Vielfalt, die Größe und den Gottesdienst im Stadion. Das war für viele ein unglaubliches Erlebnis.

Schlegel: Manchen hat das den Impuls gegeben, selbst in einem Posaunenchor mitzumachen. Das Schöne ist: Mit Blech kann man auch noch als Erwachsener anfangen.

Interview: Tomas Gärtner

aktuelle Informationen: Internetseite www.dept2016.de, für Smartphones spezielle Kachel auf der Dresden-App

Von Tomas Gärtner

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