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Musikfestspiele wollen Dresdner Kulturpalast betreiben

Vorschlag der Verwaltung: Musikfestspiele wollen Dresdner Kulturpalast betreiben

Am 28. April 2017 wird der sanierte und umgebaute Kulturpalast nach knapp fünfjähriger Bauzeit eröffnet. Die Dresdner Philharmonie, die Städtischen Bibliotheken und die „Herkuleskeule“ ziehen in das Gebäude ein. Auch eine Gaststätte wird im Kulturpalast entstehen und in Regie der Stiftung Frauenkirche vermietet.

Noch ist nicht klar, wer künftig den Kulturpalast betreibt.

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden. Am 28. April 2017 wird der sanierte und umgebaute Kulturpalast nach knapp fünfjähriger Bauzeit eröffnet. Die Dresdner Philharmonie, die Städtischen Bibliotheken und die „Herkuleskeule“ ziehen in das Gebäude ein. Auch eine Gaststätte wird im Kulturpalast entstehen und in Regie der Stiftung Frauenkirche vermietet. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) hat jetzt ein Betreiber- und Bespielungskonzept für den Kulturpalast vorgelegt. Es ist nicht nur in der Stadtverwaltung umstritten.

Vor dem Umbau hatte die städtische Konzert- und Kongressgesellschaft den Kulturpalast betrieben. Das 62 Mitarbeiter starke Unternehmen wurde aber aufgelöst – der Kulturpalast braucht einen neuen Betreiber. Nach den Plänen der Kulturverwaltung soll das die Dresdner Philharmonie werden. Organisation der Programmplanung, Terminvergabe und Veranstaltungsdurchführung sollten zwingend in einer Hand liegen, heißt es in einer Vorlage, die verwaltungsintern diskutiert wird. Dafür müsste die Philharmonie neues Personal einstellen.

Gegenüber den DNN hat aber jetzt auch Jan Vogler, Intendant der Dresdner Musikfestspiele, Interesse am Betrieb des Kulturpalastes angemeldet. „Wir sehen hier Möglichkeiten, den Kulturpalast von Anfang an so zu positionieren, dass er weltweit einen guten Ruf bekommt“, erklärte Vogler und verweist auf China. Im Reich der Mitte würden pro Jahr fünf bis zehn neue, hervorragende Säle eröffnet. „Woran es oft fehlt, sind künstlerische Inhalte. Ein Saal ist nur so gut wie die Musik, die darin gespielt wird.“

Die Dresdner Musikfestspiele würden sich gerne mit internationalen Gastspielen einbringen, aber auch einigen Dresdner Spielern helfen, ihre Konzerte im Kulturpalast auf die Bühne und zum Publikum zu bringen. „Wir haben auf diesem Gebiet viel Erfahrung und einen sehr engen Draht zum Publikum“, so der Intendant. Das Engagement für den Kulturpalast sei für ihn kein Selbstzweck: „Wir sind mit den Musikfestspielen sehr gut beschäftigt und haben keine Langeweile. Die Politik muss uns den Auftrag ganz klar und deutlich erteilen“, erklärte Vogler.

Für die Bespielung des Kulturpalastes hätten die Musikfestspiele eine geringe Erhöhung ihres Haushaltes beantragt. „Auch müssen wir endlich unsere Mitarbeiter mit festen Stellen an uns binden.“ Das sei aber ohnehin notwendig, um den Festspielen die erforderliche Stabilität zu geben, weiter für die Kulturstadt Dresden und auch für das ambitionierte Projekt Europäische Kulturhauptstadt zu werben, erklärte der Intendant und verwies darauf, dass die Musikfestspiele die Hälfte ihrer Mittel selbst erwirtschaften würden. „Wir haben eine sehr hohe Auslastung bei allen Konzerten. Diese Dynamik setzen wir auch gern für den Kulturpalast ein.“

Der Diskussionsprozess in der Verwaltung läuft, eine Vorentscheidung ist nach DNN-Informationen noch nicht gefallen. 176 Tage im Jahr soll der neue Saal von der Dresdner Philharmonie für Konzerte und Proben genutzt werden, an 42 Tagen sind Dresdner Schulkonzerte, weitere klassische Musik und Jazz geplant. Es bleiben 70 Tage, an denen der Saal anderweitig bespielt werden muss. Musikfestspiele-Sprecherin Nicole Czerwinka weist darauf hin, dass die Musikfestspiele in der regulären Festivalzeit vom 18. Mai bis 18. Juni 2017 bereits zehn Konzerte im neuen Kulturpalast geplant haben.

Finanziell wird der Kulturpalast – wie schon vor seinem Umbau – zum Zuschussgeschäft für die Stadt. Ohne Minus kann der Konzertsaal nicht betrieben werden, denn eine kostendeckende Vermietung würde einen Satz von 22 000 Euro pro Tag bedeuten. „Mietpreise in dieser Höhe werden keine Akzeptanz am Markt finden“, heißt es in einem internen Schreiben des Kulturamtes. Mit der Entscheidung für einen Betreiber lässt sich lediglich steuern, wie hoch das Minus ausfällt.

Dass der Unterhalt für den „neuen“ Kulturpalast die Stadt wesentlich teurer zu stehen kommt als für das Gebäude vor dem Umbau, liegt auf der Hand. Die Stadt hat die Immobilie auf ihre Tochtergesellschaft Kommunale Immobilien Dresden GmbH & Co KG übertragen, die keine Verluste schreiben darf und mit Mieteinnahmen von rund vier Millionen Euro pro Jahr rechnen muss.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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