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Kulturpalast Dresdner Philharmonie erprobt den neuen Konzertsaal im Dresdner Kulturpalast
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08:33 05.04.2017
„Der Saal ist überwältigend“, lobt Chefdirigent Michael Sanderling.  Quelle: Jörg Simanowski
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Dresden

 Höchst euphorisch sind sie alle, die sich jetzt erstmals öffentlich zur Akustik des neuen Konzertsaals in der erhaltenen Hülle des Dresdner Kulturpalastes äußerten: Chefdirigent, Philharmoniker, Intendantin, Architekt und Akustikerin. Drei Tage lang durfte die Dresdner Philharmonie den Raum kennenlernen, erschließen, erkunden, erproben, darin musizieren. Drei Tage intensivsten Arbeitens: „Jetzt sind wir erschöpft, aber glücklich“, lautet der gemeinsame Satz aller Beteiligten.

Während das Haus noch immer eine Baustelle ist, fühlt Chefdirigent Michael Sanderling bereits jetzt, dass es für sein Orchester ein „Ankommen in ganz neuer Qualität“ werden wird. Die nichtöffentliche Klangtaufe hat Sanderling mit Beethovens 1. und 9. Sinfonie (ohne Chor) unternommen, mit Brahms natürlich, des Orchesters ureigenstem Repertoire, und auch mit Schostakowitschs 12. Sinfonie. Jetzt weiß er: Der Saal lasse – im Gegensatz zu früher – alle dynamischen Schattierungen zu, er „besticht durch seine Wärme und akustische Geborgenheit“. Es sei ein Saal, der den spezifischen Klang der Dresdner Philharmonie noch weiterentwickeln wird.

Damit schließt sich der Kreis zu dem, was von der Stadt von den am Wettbewerb beteiligten Architekten und Akustikern gefordert worden war: „Akustisch den traditionellen ‚warmen Dresdner Klang‘ zu erreichen“, erinnert Architekt Christian Hellmund von „gmp· Architekten von Gerkan, Marg und Partner“ an den Ausgangspunkt. Was genau darunter zu verstehen ist, haben Architekten, Akustiker und Orchester 2010 gemeinsam auf einer Konzertsaalreise erforscht. „Im Vergleich der unterschiedlichen Spielstätten, die wir besucht haben“, so Hellmund, „fanden dabei die Säle Anklang, die einen gewissermaßen mit Schall umhüllen. Für die akustische und architektonische Umsetzung bedeutete dies, dass wir ein großes Nachhallreservoir geschaffen haben, das den Klang lange im Raum zu halten vermag. Messungen bestätigen diesen Ansatz, man fühlt sich mittendrin in Raum und Musik.“

„Ein warmer und reicher, gleichzeitig jedoch transparenter Orchesterklang“ sollte erreicht werden, ergänzt Margriet Lautenbach vom Akustikbüro Peutz. „Ein Saal, in dem sowohl die Musiker als auch die Zuhörer umgeben sind von Musik. Ein Saal, der das Instrument der Musiker ist.“ Das scheint nach zufriedener Einschätzung aller bisher Beteiligten gelungen. Auch Geiger Wolfgang Hentrich, Erster Konzertmeister der Dresdner Philharmonie, hat den Konzertsaal schon spielend wie auch von verschiedenen Plätzen aus hörend erfahren: „Als ich zur ersten Probe in den Kulturpalast kam, war ich überwältigt.“ Schon die Optik sei phänomenal. „Als dann die ersten Klänge zu hören waren, habe ich weiter gestaunt. Der Saal hat einen fantastischen Orchestersound, der Klang ist kraftvoll und geschmeidig. Damit ist auf jeden Fall das größte Manko des alten Festsaales beseitigt, in dem, zumindest beim ,normalen’ Klassikkonzert, trotz engagierten Spielens der Klang auf der Bühne stecken blieb. Für mich wohl die größte Überraschung“, so Hentrich weiter: „Sowohl auf den letzten Reihen als auch hinter dem Orchester hört man das Orchester wunderbar, das habe ich bisher in fast keinem Saal erlebt. Ich bin allen, die sich für diesen Konzertsaal in den vergangenen Jahren engagiert haben, zutiefst dankbar.“ Auch Peter Conrad, Solobassposaunist und Sprecher des Orchestervorstands der Philharmonie, ist begeistert: Jetzt könnten die Musiker an ihrer Heimstatt all das hervorragend und in gegenseitiger Wahrnehmbarkeit spielen, was bisher nur auf Reisen in anderen Konzertsälen wirklich gut möglich war.

Erst am 25. April, also drei Tage vor der festlichen Einweihung, kann die Dresdner Philharmonie zu den nächsten Proben in den neuen Saal. Bis zum finalen Praxistext, nämlich dann, wenn die jetzt zur akustischen Feinjustierung auf den Sitzplätzen ausgelegten Tücher endlich durch lebendige Menschen ersetzt werden, muss sich das Orchester allerdings noch gedulden, den gibt es erst
 
 am 28. April. „Ich gehe ganz ruhig in diesen Eröffnungsabend“, sagt Michael Sanderling nach seinen ersten Erfahrungen bereits und verweist darauf, dass die Interimszeit „für unser Orchester sehr anstrengend, aber eben auch charakterbildend“ war. Es sei gelungen, von dieser fünfjährigen Tournee durch Dresden und die Welt und all den damit zusammenhängenden Schwierigkeiten zu profitieren. Das Orchester habe an Flexibilität in der Tonsprache und an schneller Umsetzung gewonnen. „Unsere akustisch neue und geschichtlich alte Heimstätte ermöglicht nun dem Orchester eine weitere Qualitätsentwicklung“, sagt Sanderling und schließt an: „Wir wollten und wir haben einen Saal, der uns herausfordert.“

Zum Festakt am 28. April erklingen Werke von Schostakowitsch, Mendelssohn Bartholdy, Schubert und Beethoven. Am 29. und 30. April folgen zwei Festkonzerte unter Leitung von Michael Sanderling, der Nachmittag des letzten Apriltages gehört dem Philharmonischen Kinderchor. Den Mai-Spielplan eröffnen Philharmonie und Roland Kaiser, und kurz danach gibt es ein Wiedersehen mit dem früheren Chefdirigenten der Dresdner Philharmonie, Marek Janowski.

Von Kerstin Leiße

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