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Reden und reden lassen: „Monument“-Eröffnung mit lautstarken Protesten

Skulptur vor der Frauenkirche Reden und reden lassen: „Monument“-Eröffnung mit lautstarken Protesten

Drei senkrecht stehende Busse – und es gibt tönende Proteste. Dass der Volkszorn kocht, gegen diese Zuschreibung sträubt sich dann aber doch die Feder. Denn es war vor allem der Zorn eines Kerns von vielleicht 60 bis 80 Menschen, der sich gegen das Kunstwerk und auch gegen die Redner, allen voran Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), richtete.

Drei senkrecht stehende Busse – und es gibt tönende Proteste.

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden. Drei senkrecht stehende Busse – und es gibt tönende Proteste. Dass der Volkszorn kocht, gegen diese Zuschreibung sträubt sich dann aber doch die Feder. Denn es war vor allem der Zorn eines Kerns von vielleicht 60 bis 80 Menschen (von insgesamt rund 300, die sich laut Polizeiangaben eingefunden hatten), der sich gestern auf dem Dresdner Neumarkt zur offiziellen Eröffnung der Skulptur „Monument“ lautstark gegen das Kunstwerk und auch gegen die Redner, allen voran Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), richtete. Diese Gruppe, das zeigte der Blick aus leichter Erhöhung, stellte nicht die Mehrheit. Doch sie lärmte die anderen Zuhörer oft nieder. Ein Sinnbild für die aktuelle (Kommunikations-)Situation, besonders in Dresden, aber natürlich nicht nur hier.

Bereits im Vorfeld war Kritik von Seiten der AfD am „Monument“ des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni gekommen, beim und nach dem Aufbau der drei Busse am Montag hatte es ebenfalls lautstarke Äußerungen gegen das Projekt gegeben, bis hin zu Rufen „entartete Kunst“ vor Ort (DNN berichteten).

Gestern nun also besagte lautstarke Gruppe mit Skandieren, Transparenten, Trillerpfeifen. Was sie riefen? „Schande“, „Schrott“, „Volksverräter“, „Heuchler“, „Hilbert muss weg“. Was sie sagten? „Ein Oberbürgermeister, der den Bombenopfern nochmal ins Grab spuckt, ist eine Schande.“ Was auf ihren Transparenten stand? „Ein Denkmal für Terroristen – was für eine Schande“, „Manaf: Dein Platz für Frieden ist Syrien“. Ende der Auswahl. Dem Gegenüber wird hier oft und laut das Schändliche zugeschrieben. Dass sich Rufer unter anderem durch angeheftete Buttons als Pegida-Freunde zu erkennen gaben, war dann nicht überraschend. Dass Journalisten-Kollegen vereinzelt meinen, sich trotz Pegida-Erfahrung noch nie so unwohl gefühlt zu haben auf einer Kundgebung, schon eher.

Mitten in der lautstarken Protest-Gruppe war von Hilberts Eröffnungsrede nichts mitzubekommen. Er hielt sie trotzdem. Hilbert betonte zum wiederholten Mal die bewusste Entscheidung, die Skulptur, die an als Barrikaden im syrischen Aleppo gebrauchte Buswracks erinnert, an diesem zentralen Ort Dresdens aufzustellen. Die Ereignisse in Syrien würden auch das Leben hierzulande beeinflussen, „ob Sie das wollen oder nicht“, sagte Hilbert in Richtung der lauten Protestfraktion. Gleich nachdem er das Podium verlassen hatte, gab er mehrere Interviews.

Kunsthaus-Chefin Christiane Mennicke-Schwarz versuchte sich danach trotz des Lärms im Dialog. „Wenn Sie mich nicht hören, können Sie mir auch nicht widersprechen“, sagte sie zu den Protestierenden. Es half wenig. Trotzdem betonte sie die Bedeutung der Kunst für eine freie bürgerliche Gesellschaft. Als sie von Aleppo berichtete, schallte ihr die Forderung „Aufhören!“ entgegen. Natürlich sprach Mennicke-Schwarz trotzdem weiter, unter anderem davon, wie wichtig es sei, „Frieden, Wohlstand und Freiheit zu verteidigen“.

Schließlich folgte der kurze finale Redeauftritt des Künstlers selbst. „Ich bin froh, Dresdner zu sein, und stehe hinter meiner Arbeit“, sagte Halbouni. Sein Statement wurde von lautem Beifall der bis dato ruhigeren Mehrheit auf dem Neumarkt begleitet. Die Protestler wies er darauf hin, dass sie nicht einmal den Pfarrer der Frauenkirche Sebastian Feydt ungestört hätten sprechen lassen. Halbouni wird in der Zeit bis zum 3. April (bis dahin soll „Monument“ am Dresdner Neumarkt zu sehen sein) mehrfach persönlich für Gespräche mit dem interessierten Publikum zur Verfügung stehen, auch Künstler-Kollegen werden ihn dabei unterstützen.

Kunst ist streitbar und wird es bleiben. Eine angemessene und zivilisierte Form dieses Streits ist jedoch unabdingbar. Das hat der gestrige Tag gezeigt. Wobei, auch das soll gesagt sein, vereinzelt Gespräche zwischen Gegnern und Befürwortern des Kunstwerks stattfanden. Sicher zu wenige, vielleicht ein Weg. Man muss aber auch bereits ein, ihn zu gehen.

Schon am gestrigen Vormittag hatte übrigens unter anderen Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) versucht, mit Demonstranten ins Gespräch zu kommen, was nur teilweise gelang und gleichfalls von lauten Beschimpfungen begleitet worden war. „Das Kunstwerk provoziert – das wollte es auch. Einige fühlen sich davon sehr provoziert. Ich finde es gut, wenn man darüber ins Gespräch kommen kann. Leider gibt es Menschen, mit denen das nicht funktioniert, weil sie nur eine Wahrheit kennen“, sagte Stange. Dass Kunst provoziert, ist so schlecht nicht. Wer sich provoziert fühlt, sollte aber andere Diskussionsformen finden als die gestern gezeigten.

http://kunsthausdresden.de/veranstaltungen/monument/

Von Torsten Klaus

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