Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+
Topas: Die Staubzähler aus Dresden Reick

Für DNN-Wirtschaftspreis nominiert Topas: Die Staubzähler aus Dresden Reick

Das Technologie-Unternehmen „Topas“ baut seine Fabrik in Dresden-Reick aus. Das hat Geschäftsführer und Gründer Andreas Rudolph angekündigt. Auslöser für diese Entscheidung sei die wachsende internationale Nachfrage für die Filter-Prüfstände und Partikel-Messtechnik aus Sachsen.

Andreas Rudolph leitet „Topas“. Die Messgeräte seines Unternehmens sind weltweit gefragt.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Dresden.
Das Technologie-Unternehmen „Topas“ baut seine Fabrik in Dresden-Reick aus. Das hat Geschäftsführer und Gründer Andreas Rudolph angekündigt. Auslöser für diese Entscheidung sei die wachsende internationale Nachfrage für die Filter-Prüfstände und Partikel-Messtechnik aus Sachsen. Er will daher den Firmensitz an der Oskar-Röder-Straße für knapp vier Millionen Euro erweitern. Geplant sind eine neue Produktionshalle und ein dreistöckiges Verwaltungsgebäude mit zusammen 2800 Quadratmetern Nutzfläche. Ende 2018 soll der Ausbau abgeschlossen sein.

Topas gehört zu den Unternehmen, die man gerne auch „Hidden Champions“ nennt: Firmen, die kaum beachtet zu Marktführern wachsen, deren Chefs aber kein lautes Gewese darum machen. Auch Ingenieur Andras Rudolph ist einer, der kaum Interviews gibt und nicht auf den Putz hat – aber in den Jahren seit der Wende viel erreicht hat.

„Viele haben sich damals aus der Not heraus selbstständig gemacht, um nicht arbeitslos zu werden“, erinnert sich der heute 61-Jährige. „Ich bin aber davon überzeugt, dass man eine Firma in einer bewussten Entscheidung gründen sollte, mit einer guten Produktidee und einem klaren Plan.“ So erzählt er es auch seinen Studenten in Freiberg, wenn er gelegentlich dort als Dozent an der Bergakademie über den Weg in die Selbstständigkeit referiert.

Schon die Kombinate rissen sich um Messtechnik aus der TU Dresden

Sein eigener Weg war zunächst ein biografischer Zickzackpfad. Im Laufe seiner Karriere war Andreas Rudolph schon Berufsschullehrer, Verfahrenstechnik-Forscher und Messgeräte-Konstrukteur. Am Lehrstuhl von Prof. Eberhard Heidenreich an der TU Dresden promovierte er zu DDR-Zeiten über Laserstreulicht-Messung winzig kleiner Partikel von wenigen Mikrometern Größe, wie sie zum Beispiel in Getreidemühlen, in der Kohleindustrie, aber auch in der Schokoladenproduktion eine Rolle spielen. „Kleine Partikel sind überall, in unserer Umwelt, aber auch in Fabriken“, sagt der Experte. „Und diese Partikel haben wir in höchster Auflösung messbar gemacht.“ Die Messgeräte, die Rudolph und seine Uni-Mitstreiter damals konstruierten, rissen ihnen die Kombinate schier aus den Händen. „Der Bedarf war groß und Dresden galt damals als das Zentrum der DDR für Partikelmesstechnik. Wir haben unsere Geräte für viel Geld an die Industrie verkaufen können.“

Dann kam die Wende und das Ende der Kombinate, die die Dresdner Verfahrenstechnik-Forschungen direkt und indirekt mitfinanziert hatten. „Aber mir war klar, dass da ein großer Markt für solche Geräte da war – und ich hatte das Know-how und die Produktidee für ein Aerosol-Spektrometer, das Partikel sehr hochauflösend analysieren konnte“, erzählt Rudolph. Außerdem sei die wirtschaftspolitische Förderung Anfang der 90er Jahre besonders gründungsfreundlich gewesen: „Damals gab es für technologie-orientierte Firmengründungen vom Staat bis viel Fördergeld, BWL-Lehrgänge und Coaches, die uns in der Startphase beraten haben.“

Vertrauen ist das A und O in der Hightech-Branche

Und so schnappte sich der Ingenieur zwei Diplomanten von der Uni und gründete mit ihnen gemeinsam im November 1991 in einem Keller in Striesen seine erste eigene Firma. „Der Anfang war mühsam“, erzählt der Gründer. Lange, lange habe es gedauert, bis sich der Name „Topas“ herumgesprochen, bis die Unternehmen aus der Halbleiter-, Medizin- und Automobilindustrie Vertrauen geschöpft hat. Und gerade dies ist entscheidend in diesen Branchen, in denen manchmal schon ein einziges übersehenes Staubpartikelchen reicht, um ein ganzes Los im Wert eines Eigenheims wertlos zu machen. Inzwischen hat der Name „Topas“ Rang und Namen in der Szene, ist in einigen Segmenten zum De-facto-Standard geworden, wenn es um den Nachweis nahezu absoluter Sauberkeit geht.

70 bis 80 Prozent der Produktion gehen in den Export. Dazu gehören einerseits raffinierte Messgeräte für kleinste Partikel in Reinräumen, aber auch Aerosol-Generatoren, die solche Messungen erst richtig zuverlässig machen. Diese Generatoren stäuben ein mit Oltröpfchen durchsetztes Gas (Aerosol) in eine auszumessende Chipfabrik. Und dann können die Analysegeräte der Dresdner an den Reinraumfiltern in der Decke ausmessen, ob die für genug Sauberkeit in der Halbleiterproduktion sorgen können oder nicht. Seit 1995 konstruiert das Unternehmen auch Prüfstände für Industriefilter. Nicht zuletzt wegen dieser teils raumfüllenden Anlagen sind die Keller an der Hofmannstraße den Topas-Ingenieuren längst zu klein geworden. 1997 zog das Unternehmen zunächst an die Wilischstraße um, 2007 bezog es dann den heutigen Firmenkomplex neben einer ehemaligen Schmiedehalle in Reick. Aus zwei Mitarbeitern sind inzwischen rund 50 geworden. Der Umsatz lag zuletzt bei rund neun Millionen Euro, Tendenz: steigend.

„Die Topas GmbH steht seit 25 Jahren für Innovation und beste Qualität auf dem Gebiet der Partikel- und Aerosoltechnologie“, lobte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden. Das Unternehmen arbeite stetig mit Unis und anderen Forschungseinrichtungen zusammen, habe dadurch „Nachfragemärkte in der grundlagen- und Industrieforschung, der Qualitätssicherung in den Schlüsselbranchen Automotive, Reinraum-Messrechnik, Halbleiterindustrie und Medizintechnik“ besetzen können. Es seien wohl vor allem drei Punkte, mit denen Topas internationale Kunden überzeugt habe, glaubt Geschäftsführer Rudolph: „Qualität Made in Germany, ein guter Ruf und pfiffige Lösungen.“

Von Heiko Weckbrodt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaftspreis So geht’s aufwärts“
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr