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Wirtschaftspreis So geht’s aufwärts“ Die „Meistertischler“ aus Wilsdruff statten Bauernhäuser ebenso wie Jachten aus
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09:27 23.10.2017
Schon Als Knabe wusste Nico Deutschmann, dass er eines tun wollte: „schöne Dinge schaffen“ – aus Holz. Quelle: Dietrich Flechtner
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Wilsdruff

Schon Als Knabe wusste Nico Deutschmann, dass er eines tun wollte: „schöne Dinge schaffen“ – aus Holz. Was einst mit einem Ferienbesuch in einer Bauernhof-Tischlerei in Österreich begann, ist für den inzwischen 37-jährigen Deutschmann zur Berufung geworden: 2003 tat er sich mit seinem Kollegen Mario Schöne zusammen und fing an, schöne Dinge professionell herzustellen. Weil die beiden Tischler gerade den Meisterbrief bekommen hatten, nannten sie sich „Die Meistertischler“ – und gründeten ein gleichnamiges Unternehmen in einer Industriehalle am Rande von Wilsdruff.

Seither verbinden sie dort traditionelles Handwerk mit schlicht-schönem Design und den Technologien des Digitalzeitalters. „Unser Motto ist ,Wir leben Holz’ – und das ist nicht nur so ein Blabla-Slogan, das meinen wir auch so“, sagt Nico Deutschmann und streicht über den Tisch im Meistertischler-Konferenzraum. „Eigentlich wollte ich immer nur tischlern, mit Holz arbeiten. Aber irgendwie ist mit der Zeit mehr daraus geworden.“

Denn längst sägen, fräsen, hobeln und nuten die Wilsdruffer Meistertischler nicht mehr nur Betten oder Stühle für den Bauern nebenan, sondern gestalten auch die Jachten der Superreichen dieser Welt aus, designen die Penthäuser verwöhnter Holzliebhaber oder konzipieren das Interieur ganzer Büroetagen. Allein mit Hobel, Feile und Fuchsschwanz ist es da nicht getan – da müssen schon computergesteuerte Bearbeitungszentren her, die an einem einzigen Holzrelief gut und gerne schon mal einen ganzen Tag lang fräsen.

Auch mussten Deutschmann und Schöne wegen der immer anspruchsvolleren Kunden und Projekte den Zettel und Bleistift gegen die Workstation und Datenbrille austauschen. „Klar haben auch wir anfangs mit Skizzen gearbeitet“, erzählt Meister Deutschmann. „Dann wurden die Arbeiten komplexer und wir sind auf 2D-Zeichnungen am Rechner umgestiegen. Das war kein so großer Schritt für uns – schließlich sind wir mit dem Computer aufgewachsen. Aber bald hat auch das nicht mehr gereicht.“ Und so verwenden die Meistertischler nun 3D-Konstruktionsprogramme, die sonst eher im Automobil- oder Maschinenbau üblich sind. „Seither sind bei uns auch die Produktionsabläufe in der Werkstatt kontinuierlicher, weil wir Kollisionen bereits bei der Planung erkennen – und nicht bei auftauchenden Problem alles stoppen müssen, bis wir eine Kunden-Entscheidung eingeholt haben.“

Inzwischen gehen die Tischler technologisch sogar noch einen Schritt weiter. Denn um zum Beispiel einen kompletten Teeraum mit Holz durchzugestalten oder eine Designer-Bar brandsicher in eine Jacht einzufügen, braucht es viel räumliches Vorstellungsvermögen. Um dieser Imagination der Kunden wie der Tischler selbst auf die Sprünge zu helfen, suchte Nico Deutschmann nach einer eleganteren Lösung. Er schilderte das Problem eines Tages seinem Bruder, der in Dresden bei einer Technologiefirma arbeitet. Und der schlug vor, es doch mal mit „Virtual Reality“-Brillen zu versuchen. Die nämlich machen eine zuvor virtuell im Computer generierten 3D-Szenerie für den Brillenträger intuitiv erfahr- und begehbar: Die Mini-Monitore vor jedem Auge erzeugen den Eindruck, mittendrin in dieser „Virtuellen Realität“ (VR) zu sein. „Ich war begeistert, nachdem ich das ausprobiert hatte“, erinnert sich Nico Deutschmann. Noch sei die Datenbrille in der Testphase, werde vor allem eingesetzt, um Entwürfe für die Kunden zu visualisieren. „Meine Hoffnung ist aber, die Daten-Brillen bald auch für die eigentliche Konstruktion einzusetzen“, sagt Deutschmann. „Man bekommt damit ein ganz anderes Raumgefühl.“

Dem sächsischen Wirtschaftsministerium gilt die Wilsdruffer Meistertischlerei als „Vorzeige-Handwerksunternehmen im Bereich Digitalisierung“. Denn das Unternehmen setze „digitale Technik zur Abstimmung von Kundenwünschen und Visualisierung auf Basis von Virtual Reality und Augmented Reality“ ein.

All diese moderne Technik sei letztlich aber nur Mittel zum Zweck, wird Deutschmann nicht müde zu betonen: Auch VR-Brillen seien letztlich nur dazu da, „mit dem Blick des Kunden auf unsere Arbeit zu sehen“, sagt er. Eine Balance zwischen den Kundenwünschen, dem Machbaren sowie den ästhetischen Vorstellungen der Designer und Innenarchitekten im Meistertischler-Team zu finden, bleibe bei aller moderner Technik immer wieder eine Herausforderung. Denn schließlich stehe immer noch eines im Zentrum: mit Holz schöne Dinge schaffen.

Von Heiko Weckbrodt

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