Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+
Uniklinik Dresden benötigt ein Kontroll-Instrument für beatmete Kinder

Kritisch krank, aber gut gelaunt Uniklinik Dresden benötigt ein Kontroll-Instrument für beatmete Kinder

Aufgeregt nickt Louis, wenn man ihn auf seinen Geburtstag anspricht. Am Dienstag wird er vier Jahre alt. Der kleine Mann aus Glashütte wurde mit einer muskulären Erkrankung geboren, die ihm das Atmen erschwert. Um ihn und anderen Kindern besser helfen zu können, unterstützt der Kinderhilfe e.V. die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Dresdner Uniklinikum bei der Anschaffung eines speziellen Geräts.

Louis und Prof. Dr. med. Christian Vogelberg, Leiter des Fachbereichs Kinderpneumologie/Allergologie.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Aufgeregt nickt Louis, wenn man ihn auf seinen Geburtstag anspricht. Am Dienstag wird der fröhliche und aufgeweckte Junge vier Jahre alt – Benjamin-Blümchen-Torte inklusive. Der kleine Mann aus Glashütte hatte einen schwierigen Start ins Leben. Er wurde mit einer muskulären Erkrankung geboren, die ihm das Atmen erschwert. Um ihn und anderen betroffenen Kindern besser helfen zu können, unterstützt der Kinderhilfe e.V. die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Dresdner Uniklinikum bei der Anschaffung eines speziellen Geräts.

Zum Einsatz soll das sogenannte Bronchoskop in dem vor zweieinhalb Jahren gegründeten „Zentrum für das tracheotomierte Kind“ kommen. Dabei handelt es sich um Patienten, die aufgrund angeborener Fehlbildungen der Atemwege, einer Frühgeburt, einer Muskelerkrankung, durch Lähmungen der Stimmbänder oder durch schwere Schädigungen im Gehirn nicht alleine oder nur sehr schwer atmen können. Eine Kanüle durch einen Luftröhrenschnitt versorgt sie mit Sauerstoff. Eine enorm seltene Erkrankung, wie Prof. Dr. med. Christian Vogelberg, Leiter des Fachbereichs Kinderpneumologie/Allergologie, sagt. Und eine, die nicht strukturiert versorgt wurde. Das hatte nicht zuletzt für die Eltern eine aufwendige Odyssee von Arzt zu Arzt zur Folge.

Diese Tatsache brachte die Experten aus dem Uniklinikum auf dem Plan, ihr entsprechendes Fachwissen in einem Zentrum zu bündeln, so den Betroffenen individuell zu helfen und ihren Aufwand zu minimieren. „Das Kind kommt nicht zum Arzt, sondern die Ärzte zum Kind“, fasst es Prof. Vogelberg zusammen. Ein Konzept, von dem auch Louis profitiert.

Im Oktober 2013 kam er im Uniklinikum auf die Welt, es folgten acht Wochen auf der Intensivstation und schließlich ein Reha-Aufenthalt in Kreischa. „Sein Zustand wurde immer schlechter. Als eine schwere Lungenentzündung hinzu kam, wurde es richtig kritisch“, erinnert sich seine Mutter Sandy Kietzmann. Erst die Entscheidung, einen Luftröhrenschnitt vornehmen zu lassen, brachte Erfolg. „Die Kanüle war das beste, was wir machen konnten. Seitdem macht Louis Fortschritte. Zuvor hat er sich nur aufs Atmen konzentriert, aß nichts und nahm auch nicht zu“, sagt Sandy Kietzmann. Heute blüht der Dreijährige auf. Er trinkt, isst und beginnt sogar zu sprechen. Dafür sorgen speziell für jedes Kind angefertigte Kanülen, die – mit Löchern versehen – das Sprechen erst möglich machen.

Damit seine Entwicklung und die seiner Leidensgenossen weiterhin positiv verläuft, bedarf es einer regelmäßigen Kontrolle am Uniklinikum. Und hier kommt das bereits angesprochene Bronchoskop ins Spiel. Mithilfe dieses Endoskops kann man die Luftröhre anschauen und so sehen, ob die Atemwege weiterhin frei sind oder die Kanüle tatsächlich passt. „Wir müssen kontrollieren, ob die Kanüle möglicherweise an der Luftröhre reibt und dort Verletzungen verursacht. Auch Schleimhautwucherungen können die Atemwege verstopfen. Das müssen wir im Blick haben“, erklärt der Fachbereichsleiter. Da im Dresdner Zentrum aber Patienten von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr behandelt werden, muss dieses Gerät sehr filigran und dabei trotzdem flexibel und stabil sein. „Bisher verfügen wir nicht über ein Bronchoskop für ganz kleine Patienten, etwa Frühgeborene. Diese Geräte mit Videochiptechnologie müssen sehr dünn sein. Das können wir bis dato nicht leisten“, so Prof. Vogelberg.

Momentan betreut das Zentrum für das tracheotomierte Kind 50 bis 60 Patienten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Tendenz steigend. Die Zahl hat sich seit Gründung des Zentrums bereits verdoppelt. „Der Bedarf ist da, die Behandlungsfälle nehmen kontinuierlich zu. Es sind kritisch kranke Kinder, die 24 Stunden am Tag überwacht werden müssen, damit die Kanüle nicht versehentlich rausrutscht. Sie sind stark eingeschränkt, gewöhnen sich aber gut an die Situation“, erzählt Prof. Vogelberg. Eine Tatsache, die auch Louis unter Beweis stellt. Gut gelaunt lässt er sich von seinem Helfer im weißen Kittel befragen, lächelt fröhlich in die Kamera. „Er macht gute Laune und gibt mir sehr viel Energie zurück“, sagt Sandy Kietzmann. Ein echter Sonnenschein eben.

Die Eltern von Louis benötigen dringend finanzielle Unterstützung für ein größeres Auto, in das auch Louis’ Rollstuhl passt. Wer spenden möchte, kann dies hier tun: Kontoinhaber: Mobil mit Behinderung e.V., Verwendungszweck: Louis12766, Konto: DE41 6602 0500 0008 7113 00, BIC: BFSWDE33KRL

Von Christin Grödel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dresdner helfen Dresdnern
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr