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Dresdner helfen Dresdnern Dank der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Dresden hat Sandra Koch ein Dach überm Kopf
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05:00 21.10.2017
Sandra Koch  Quelle: Anja Schneider
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Dresden

 „Ich habe mich verloren“, sagt Sandra Koch. Hinter der 33-Jährigen liegt eine schwere Zeit, eineinhalb Jahre hat sie auf der Straße gelebt – ohne Dokumente, ohne Kontakt zu ihrer Familie, ohne Zuversicht. Unterstützung fand sie schließlich bei der Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks – Stadtmission Dresden. Ein Zufall war es, der ihr zu einem Dach über den Kopf verhalf.

Aber der Reihe nach: 2014 verlor Sandra Koch das Sorgerecht für ihren Sohn , der Kleine lebt seitdem bei seinem Papa. „Damals war ich schon krank“, erzählt sie. Die psychische Erkrankung Schizophrenie hatte ihre Welt aus den Fugen geraten lassen. Was folgte war ein Leben auf der Straße, immer auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Eine „extrem harte“ Erfahrung, wie sie sagt. „Man kann das alles gar nicht richtig erfassen. Ich habe bei Bekannten geschlafen oder bin einfach nur umhergeirrt“, erinnert sich die 33-Jährige. Und sie erhielt Unterschlupf in den Dresdnern Nachtcafés. Dort fand sie nicht nur einen ruhigen und warmen Schlafplatz, sondern letztlich auch die Hilfe, die ihr Leben verändern sollte.

Paul Petzold Quelle: Anja Schneider

Und zwar in Person von Sozialarbeiter Paul Petzold. Denn die Mitarbeiter der Wohnungsnotfallhilfe sind nicht nur an ihrer Niederlassung an der Mohnstraße beratend tätig, sie gehen auch zu den entsprechenden Plätzen in der Stadt, wo sie wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Personen vermuten. So erfuhr auch Sandra Koch von dem Hilfsangebot der Diakonie.

Mittlerweile geht es ihr besser, „ich habe wieder Fuß gefasst“, sagt sie. Wegen ihrer Schizophrenie hat sie sich selbst in eine Klinik einweisen lassen, wird seitdem medikamentös behandelt. Seit Ende Mai lebt sie in einer eigenen Wohnung, ganz in der Nähe zu ihrem Sohn. Denn den Kontakt zu ihm und ihrer Familie hat sie wieder aufgebaut. „Die hatten sich natürlich Sorgen gemacht. Aber jetzt bin ich auf einem guten Weg.“

Es sind Geschichten wie diese, die Paul Petzold und seine Kollegen nur zu gut kennen. 1117 Personen haben im vergangenen Jahr Rat bei der Wohnungsnotfallhilfe gesucht. Die Mehrheit von ihnen – knapp 70 Prozent – waren wohnungslos oder von Wohnungslosigkeit bedroht. Die Gründe dafür sind vielfältig: Schicksalsschläge, die Trennung vom Ehepartner, Arbeitslosigkeit und fehlendes Einkommen. Bis die Hilfe vom Staat greift, kann es schon zu spät sein.

DNN-Spenden für Wohnungslose: 40 248, 51 Euro haben die DNN-Leser im vergangenen Jahr gespendet

Empfänger: insgesamt 36 Hilfesuchende erhielten 2016 eine Einzelspende in Höhe von durchschnittlich 443 Euro; bereits im ersten Halbjahr dieses Jahres haben 17 Personen eine Einzelspende mit einem Durchschnittbetrag von 332 Euro bekommen

Verwendung: Verbesserung der schwierigen Lebenslage der wohnungslosen und von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen, die durch die Wohnungsnotfallhilfe begleitet wurden bzw. sich an diese wendeten; einige Leistungen stehen Personen zu, sind jedoch im jeweiligen Einzelfall durch besondere Konstellation und Problematik nicht direkt abrufbar; oder andere Leistungen wie z.B. Energiekosten und Kosten für Wohnungsausstattung sind im Regelsatz enthalten, der ist aber zu niedrig angesetzt

Weitere Empfänger: Obdachlosen- und Straßenzeitung DROBS, Wohnungslosen-Nachtcafés (Angebot der Dresdner Kirchgemeinden im Winter zum Schutz vor Kälte und zur Begegnung mit Gemeindegliedern), Tagestreff „Schorsch“ der Stadtmission Dresden, Projekt Sozialbus des Treberhilfe Dresden e.V.

Der Gang zum Sozialarbeiter aber ist für viele ein schwerer, wie Paul Petzold aus Erfahrung weiß: „Es ist mit Scham besetzt. Mit einer Erkrankung zum Arzt oder mit einem kaputten Auto in die Werkstatt zu gehen fällt vielen einfacher, als sich in einer schwierigen Lebenssituation Hilfe zu holen.“ Dabei ist diese sehr vielseitig. Die Mitarbeiter der Wohnungsnotfallhilfe beraten – auf freiwilliger Basis – bei Mietschulden, setzen sich mit dem Jugendamt oder der Arbeitsagentur in Verbindung und helfen bei der Suche nach einer neuen Unterkunft – nicht zuletzt für Sandra Koch ein Segen.

Von Christin Grödel

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