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Dank „Aufwind“ kann 17-Jähriger Lehrbücher für seine Ausbildung kaufen

Im Zeichen der Eule Dank „Aufwind“ kann 17-Jähriger Lehrbücher für seine Ausbildung kaufen

Justin O. muss im Zeichen der Eule geboren worden sein. Anders ist der Zufall nicht zu erklären, der dem 17-Jährigen letztlich eine Lehrstelle als Tierpfleger im Dresdner Zoo beschert hat. Aber natürlich ist aus dem Plan nur etwas geworden, weil sich der junge Mann ordentlich ins Zeug gelegt hat.

Tierpfleger-Lehrling Justin verwöhnt Giraffe Diko im Zoo mit Knäckebrot.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Justin O. muss im Zeichen der Eule geboren worden sein. Anders ist der Zufall nicht zu erklären, der dem 17-Jährigen letztlich eine Lehrstelle als Tierpfleger im Dresdner Zoo beschert hat. Aber natürlich ist aus dem Plan nur etwas geworden, weil sich der junge Mann ordentlich ins Zeug gelegt hat.

Der gebürtige Plauener kann sich lebhaft an eine Begebenheit erinnern, die ihm als Zehnjährigen widerfuhr. Bei einem Ausflug in den Tierpark Falkenstein bekam er zum ersten Mal eine Schnee-Eule zu Gesicht. „Sie hat mich mit ihren großen gelben Augen stur und starr angeguckt und den Kopf schließlich ruckartig um 180 Grad nach hinten gedreht“, erinnert sich Justin. Schwer beeindruckt sei er damals gewesen. Als er das Tier schließlich streicheln will, erwischt es mit dem Schnabel seine Jacke, so dass sie zerreißt.

Die Eule ist es, die in dem Jungen die Liebe zu Tieren weckt. Fortan macht er sich am Wochenende und in den Ferien auf Bauernhöfen nützlich, mistet dort Rinder- und Schweineställe aus, macht Praktika in Tierparks der Umgebung, beliest sich über Tiere. An dieser Stelle müssen wir erwähnen, dass Justin keine besonders glückliche Kindheit hatte. Er wächst in Erlbach nahe Klingental im Vogtlandkreis auf. Sechs ältere Geschwister hat Justin, wer seine Mutter ist, weiß er nicht. Die Kindheit verbringt er mal beim Vater, mal im Kinder- und Jugendheim „Tannenmühle“, mal in Pflegefamilien.

Trotzdem stumpft er nicht ab, schließt die Oelsnitzer Förderschule mit der Note 1,2 ab, bewirbt sich an zehn verschiedenen Zoos bundesweit um eine Lehrstelle als Tierpfleger – und wird zum Einstellungstest in den Dresdner Zoo eingeladen. Dort bewerben sich Jahr für Jahr Hunderte Jugendliche. Hier nun kommt zum zweiten Mal die Schnee-Eule ins Spiel. „Vor mir auf dem Tisch lagen etwa ein Dutzend Tierfotos – aber verdeckt, so dass man nicht sehen konnte, was für ein Tier darauf zu sehen ist“, erzählt Justin. Als er sich ein Foto davon aussuchen und es umdrehen soll, traut er seinen Augen nicht: Die Aufnahme zeigt eine Schnee-Eule. „Ich sollte aufschreiben, was ich über sie weiß und habe geschrieben ohne Ende“, berichtet er. Natürlich sei es beim Eignungstest nicht nur um Eulen, sondern zum Beispiel auch um die Aufgaben eines Tierpflegers und die Verfütterung von Hühnern gegangen. Das Ende vom Lied ist jedenfalls, dass Justin die begehrte Lehrstelle bekommt und am 1. September als einer von zwei Azubis anfangen darf. Er zieht nach Niedersedlitz in eine Jugendwohngruppe des Hauses „Kolombo“ des Diakonischen Werks, Stadtmission Dresden. Dort teilt er sich das Zimmer mit einem jungen Syrer.

Drei Jahre dauert Justins Ausbildung zum Tierpfleger. Im Moment arbeitet der 17-Jährige im Huftierrevier, mistet die Ställe der Giraffen aus, macht die Hufe der Esel mit der Bürste sauber, bereitet das Futter für die Tiere zu. Zu seinen liebsten Geschöpfen gehören – die Wasserschweine. „Die Weibchen können sogar Männchen machen“, hat er beobachtet. Drei, vier Mal im halben Jahr fährt Justin für zwei Wochen nach Berlin in die Peter-Lenné-Schule. Dort bekommen alle Tierpfleger-Lehrlinge aus den ostdeutschen Ländern ihre theoretische Ausbildung. Die Bücher, die Justin dort braucht, kosten eine schöne Stange Geld. „Allein für den Säugetier-Band muss ich 60 Euro bezahlen“, berichtet er. Weil er das Geld dafür nicht aufbringen kann, springt der Verein „Aufwind – Kinder- und Jugendfonds“ ein und steuert insgesamt 120 Euro bei. Das Geld wiederum stammt auch aus den Spenden der DNN-Leser für die Weihnachtsaktion „Dresdner helfen Dresdnern“.

Wenn Justin sich nicht gerade um die Tiere kümmert, betätigt er sich als Schriftsteller und schreibt „im Nebenberuf“ Krimis, wie er sagt. Oder aber er klettert als Bergsteiger in den Alpen und im Elbsandsteingebirge. Und manchmal, wenn er rein gar nichts zu tun hat, denkt er an die Schnee-Eule zurück, die ihm Glück gebracht hat.

Von Katrin Richter

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