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Das ist mir heilig Michael Kretschmer: Eine Frage der Haltung
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06:00 24.12.2017
Der sächsische Ministerpräsident und Landesvorsitzende der CDU Sachsen, Michael Kretschmer Quelle: dpa
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Dresden

„Heilig“ ist für mich als Christ ein besonderes Wort, und deshalb benutze ich es selten, denn es gehört spontan eher zu meinem Glauben als zu meinem Alltag. Aber es bedeutet mir viel, denn beides hat natürlich miteinander zu tun. Ich denke, dass genau diese Unterscheidung deutlich macht, worum es geht: Wenn etwas heilig ist, dann ist es eben nicht alltäglich, nicht weltlich, sondern etwas Besonderes. Und gerade zu Weihnachten, wenn wir von der „Heiligen Nacht“ sprechen und singen, erinnert es mich daran, dass es etwas gibt, das größer ist als wir Menschen. Wenn etwas heilig ist, dann ist es im wahrsten Sinne des Wortes herausgehoben, und zwar weil es vollkommen und gut ist.

Diese Sehnsucht nach Vollkommenheit ist zutiefst menschlich. Danach sehnen sich Gläubige und Nichtgläubige in vielem, was sie tun. Christen orientieren sich an Heiligen, denn sie können mit dem, was sie getan haben, hilfreiche Vorbilder sein. Wir sprechen ja auch von einer „heilen Welt“, und Kinder möchten, dass ein kaputtes Spielzeug wieder „heile gemacht wird“. Diese beiden Beispiele machen aber auch deutlich, dass wir eben nicht alles aus eigener Kraft und mit eigenem Tun „heile“ oder perfekt machen können. Das fängt mit perfekten Weihnachtsgeschenken an, dem perfekten Urlaub oder der perfekten Selbstdarstellung auf Facebook. Es geht über den selbstoptimierten Körper und den knitterfreien Lebenslauf bis hin zur elterlichen Selbstverwirklichung in einem perfekten Kind.

Und das macht auch vor der Politik im Bund und bei uns in Sachsen nicht halt. Wie hoch sind die Erwartungen und wie groß sind die Wünsche, was alles möglichst sofort entschieden und gemacht werden muss. Die Stromtrasse brauchen wir, ja sicher, aber bitte nicht bei mir vor der Haustür. Die Kinderbetreuung muss verbessert werden, am besten rund um die Uhr und in Kleingruppen. Der Freistaat muss helfen, und am Ende geht es nur ums Geld. Aber irgendwann merkt jeder, dass es so meistens nicht funktioniert. All das ist keine Ausrede, sich nicht anzustrengen. Aber ich finde, dass es sich besser anpacken lässt, wenn wir die Ansprüche an uns selbst nicht zu hoch schrauben. Das ist eine Frage der Haltung. Und damit bin ich wieder am Anfang, denn ob und was mir heilig ist, ist auch eine Frage der Haltung.

Ich möchte es so sagen: Wenn mir etwas heilig ist, dann ist es für mich schützenswert und erstrebenswert zugleich. Heilig im Sinne von schützenswert ist mir zum Beispiel ganz persönlich meine Familie. Das bedeutet für mich, dass wir auch nach meiner Wahl zum Ministerpräsidenten ein relativ normales Familienleben führen können, dass wir dazu die nötigen Freiräume und Zeit haben, zum Beispiel am Sonntag, und das darauf Rücksicht genommen wird, zum Beispiel bei meiner Terminplanung oder von den Medien. Heilig im Sinne von erstrebenswert sind mir Werte, die für unser Zusammenleben wichtig sind, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu gehören für mich Ehrlichkeit und Respekt im Umgang miteinander, aber auch Offenheit und Vertrauen im Hinblick auf die Herausforderungen, vor denen Sachsen im kommenden Jahr steht. Ich wünsche mir, dass uns das Weihnachtsfest dazu die nötige Zuversicht schenkt.

Von Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen

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