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Gespräche auf Augenhöhe

Serie Gespräche auf Augenhöhe

Das ist mir heilig – Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz

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Jürgen Opitz
 

Quelle: Archiv

Heidenau.  Was ist mir heilig? Ich bin mir sicher, dass jeder Mensch in seinem Inneren ein eigenes nur für ihn geltendes Koordinatensystem besitzt. In dieses System eingeordnet finden sich Werte, Eigenschaften, Lebenssituationen oder Persönlichkeiten, die man mag oder verabscheut, die einem wichtig sind, oder auf die man gut und gerne verzichten kann. So ein System hilft mir selbst, mich zu bestimmten Äußerungen, Nachrichten oder Ereignissen positionieren und mir eine eigene Meinung bilden zu können, die meinen eigenen Werten und moralischen Ansprüchen genügen kann.

In meinem Koordinatensystem sind daher an wichtigen Positionen die positiven Fixpunkte „Freiheit“, „Wahrheit“ und „Respekt“ angesiedelt. Im negativen Bereich finden sich „Hass“, „Gewalt“, „Neid“, „Rassismus“ und „Intoleranz“. Dieses Koordinatensystem benötigt einen Rahmen. Das kann ein bestimmtes Menschenbild, eine Weltanschauung oder ein Glauben sein.

Ich sage es frei heraus: Der Rahmen meines persönlichen Koordinatensystems ist der christliche Glaube. Freiheit heißt für mich als in der DDR Aufgewachsener: Befreit von der Unterdrückung einer eigenen Meinung, vom Verbot sich umfassend informieren zu können oder von Benachteiligungen wegen meines Glaubens. Aber auch frei zu sein für: Mein Leben frei zu gestalten. Meine Berufungen und meinen Beruf frei ausüben zu können. Jede und auch meine eigene Freiheit muss aber dort enden, wo die Freiheit eines anderen beschnitten, eingeschränkt oder gar verhindert wird.

Ähnlich verhält es sich mit der Wahrheit. Die Wahrheit, die ich meine für mich gefunden zu haben, kann und wird nicht die absolute, objektive und für alle gültige Wahrheit sein. Aber meine Erkenntnisse – oder nennen wir es „erworbene Lebensweisheit“ – kann und darf ich einem anderen nicht aufdrücken oder ihn in meinem Sinne vereinnahmen, sondern ich muss die Größe haben, dessen Meinung, Erkenntnisse und Standpunkte zu tolerieren.

Daher ist für mich in den letzten Monaten das Gespräch auf Augenhöhe insbesondere mit Menschen, die eine andere Sicht auf unsere immer komplexer werdende Welt haben, so wichtig geworden. Mit der Zeit haben wir dann manche gemeinsame Wahrheiten herausgefunden und haben einander respektiert

Damit bin ich schon beim dritten mir wichtigen Fixpunkt im Koordinatensystem – dem Respekt. Heute leider ein eher im Zusammenhang mit „Mangel an Respekt“ häufig verwendeter Ausdruck. Der in unser aller Lebenswirklichkeit Einzug gehaltene „raue Umgangston“ ist letztendlich die Erscheinungsform dieser von vielen Zeitgenossen gepflegten Respektlosigkeiten. Liegt da die Ursache vielleicht auch in einem falsch verstandenen Freiheitsbegriff, der fehlenden Bereitschaft, die eigene Wahrheit nicht für allgemeingültig zu halten oder einfach daran, sich selbst die Eingangsfrage nicht gestellt zu haben?

Von Jürgen Opitz, Bürgermeister von Heidenau

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