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Anfangen mit den kleinen Dingen

Serie Anfangen mit den kleinen Dingen

Das ist mir heilig – DNN-Leserbeirätin Klaudia Deuchert

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Klaudia Deuchert
 

Quelle: Archiv

Dresden.  Nein, es ist nicht mein Auto. Da gibt es viel wichtigere Dinge. Zum einen ist das Zeit: Zeit mit meinem Mann und der Familie bei einem gemeinsamen Essen am Abend, guten Gesprächen und einem Glas Wein. Auch Zeit zu haben für gemeinsame Stunden mit Freunden ist mir sehr wichtig. Ebenso verbringe ich gern meine Zeit mit der syrischen Familie, die mein Mann und ich seit April in Dresden betreuen. Da sind die wöchentliche Hausaufgabenbetreuung für zwei der Kinder, die das Gymnasium besuchen, oder ein gemeinsamer Kinobesuch. Diese Dankbarkeit oder das selbstgebackene syrische Gebäck, das wir dafür bekommen, sind wirklich wertvoll für mich.

Heilig ist mir auch die Zeit, die ich mit meinem Hund bei einem Spaziergang an der Elbe oder im Waldpark verbringe. Da kann ich dem Alltag entfliehen und mich freuen, wenn er wieder mal schwanzwedelnd mit jedem anbändeln will oder exzessiv nach einem von mir geworfenen Stöckchen sucht. Ich bin dann nur für ihn da und genieße die Freude, die ich vom Hund zurückbekomme.

Auch die Zeit im Advent – die Adventszeit ist mir heilig. Deshalb hole ich die Advents- und Weihnachts-
deko erst nach dem Ewigkeitssonntag heraus und schmücke die Wohnung damit. Warum? Weil ich mich dann wirklich auf das Weihnachtsfest vorbereiten kann.

Wenn ich alles schon vorher habe, wo bleibt dann das Besondere, wo bleibt die Besinnlichkeit? Wochen vor der Adventszeit werden schon Weihnachtsbäume aufgestellt, in den Supermärkten türmen sich bereits im September die Lebkuchen und Schokoladenweihnachtsmänner. Ich kaufe diese immer erst Ende November, Anfang Dezember, weil es zur Adventszeit dazugehört.

An jedem Adventssonntag freue ich mich auf das sogenannte „Lichteln“, d. h. die Kerzen am Schwibbogen anzuzünden, den Herrnhuter Adventsstern zu beleuchten, adventliche Musik zu hören, eine Tasse Kakao zu trinken, Lebkuchen und selbstgebackene Plätzchen zu essen. Diese Stunde ist mir heilig, fernab vom Laptop und Smartphone. Es ist
einfach eine Zeit der Ankunft (lateinische Bedeutung von Advent) und Besinnung.

Zum anderen ist es mir heilig, in Frieden zu leben. Das ist ein frommer Wunsch werden manche denken. Ich denke, jeder kann im Kleinen etwas dafür leisten. Es fängt damit an, die Nachbarn freundlich zu grüßen, der älteren Dame oder dem älteren Herrn im Bus einen Platz anzubieten, der Verkäuferin ein Lächeln zu schenken oder jemandem die Tür aufzuhalten. Das sind die kleinen Dinge, die jeder tun kann.

Die größeren Dinge sind, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, Menschen zu helfen, die nach Deutschland geflohen sind, weil in ihrem Land Krieg herrscht oder sich um kranke oder hilfsbedürftige Menschen zu kümmern.

Das alles trägt dazu bei, dass unsere Gesellschaft eine offene, friedliche ist, die jeder mit seinen Begabungen und Möglichkeiten gestalten kann. Das wäre zumindest mein Wunsch für die Gesellschaft, in der ich lebe.

Leider sieht die Wirklichkeit gerade jetzt anders aus. Jeden Tag höre ich von Terror und Krieg, und ich kann nichts dagegen. Oder? Doch ich kann bei mir selbst anfangen mit den kleinen Dingen. Und das ist mir auch heilig: Dinge in die Hand zu nehmen, selbst wenn es nur der bekannte „Tropfen auf den heißen Stein“ ist.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, ein gesegnetes und besinnliches Fest, und dass wir alle auch im neuen Jahr einen Beitrag für eine offene, friedliche und multikulturelle Gesellschaft in Dresden leisten.

Von Klaudia Deuchert, DNN-Leserbeirätin

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