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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1968
Thema Specials DNN-Aktionen 125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1968
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10:32 24.09.2018
Die Ruine des „Palasthotel Weber“ gegenüber dem Schauspielhaus wird 1968 trotz vieler Proteste abgerissen. Quelle: Wolfgang Goliasch
Dresden

Am 1. Januar wird der Motorwassersportclub Elbe Dresden, kurz „MC Elbe Dresden“, gegründet. In ihm sammelten sich die am motorisierten Wassersport interessierten Sportfreunde des Motorsportclubs Dresden. Sie hatten in den Jahren 1963 bis 1966 bereits das Bootshaus am Käthe-Kollwitz-Ufer erbaut, das dem Verein nun als erste Heimat diente.

Am 23. März treffen sich die Generalsekretäre der sechs sozialistischen Bruderparteien in Dresden zur „Causa Alexander Dubcˇek“. Thema sind seine Reformen in der Tschechoslowakei, wo man versuchte, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu etablieren – in die Geschichte geht dies als „Prager Frühling“ ein. Der Versuch wurde von der UdSSR aufs Schärfste verurteilt und mit Hilfe des Warschauer Pakts blutig niedergeschlagen. Die Entscheidung dazu wird auf der Konferenz in Dresden getroffen.

Am 15. Juni wird der Studentenklub „Bärenzwinger“ im Bereich der Alten Festung gegründet. Er war bereits im Vorjahr eröffnet worden. Die Idee für den Klub stammt von Architekturstudenten der TU Dresden, die sehr lange nach einem geeigneten Ort suchten und dann im Bereich der Alten Festung fündig werden. Mit Hilfe der Bauverwaltung der TU und der Bauunion Süd legen die Studenten in tausenden freiwilligen Arbeitsstunden die Gewölbe in den Kasematten frei und bauen den Klub aus. Er wird zu einem der beliebtesten Veranstaltungsorte der Dresdner Jugend.

125 Jahre DNN

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Der bulgarische Student Wladimir Zwetkow gründet mit der BSG Empor Dresden-Mitte die erste DDR-Frauenfußballmannschaft. Er studiert an der TU Dresden und ist begeisterter Fußballspieler. Auf dem Trainingsgelände im Ostragehege fällt ihm eine Gruppe von Handballerinnen auf, die regelmäßig zum Ausgleich Fußball spielt. Mit ihnen gründet er die erste Frauenfußballmannschaft der DDR. Als nicht-olympische Disziplin wird Frauenbußball aber auch nicht gefördert. Trainingscenter und Sportclubs bleiben den Fußball spielenden Frauen verwehrt. Sie organisieren sich deshalb in Betriebssportgemeinschaften (BSG).

„Jugendmode 68 – kess und farbenfroh!“ Mit diesem Slogan verkauft die DDR ihre erste Bekleidungslinie für Teenager. Angeboten werden sie in sogenannten Jugendmodezentren in acht Bezirksstädten. An der Reitbahnstraße öffnet die Dresdner Jugendmode-Filiale. Die Nachfrage ist riesig. 1968 kommen auch Mädchenkleider aus Vliestextilien, im Volksmund schnell Papierkleid getauft, in die Geschäfte und werden als „fünfmal waschbar, farbenfroh und preisgünstig“ angepriesen.

Trotz Protesten aus der Dresdner Bevölkerung wird das „Palasthotel Weber“ und das Restaurant „Gambrinus“ an der Ecke Postplatz/Ostraallee abgebrochen. Es war 1911 nach einem Entwurf der Architekten Lossow & Kühne erbaut und im Zweiten Weltkrieg teilweise beschädigt worden. Das mehrgeschossige Gebäude war das architektonische Pendant zum Schauspielhaus Dresden am selben Platz.

1968 wird Annaliese Mayer-Meintschel neue Direktorin der Gemäldegalerie Alte Meister, die Nachtbar „Die Gondel“ in der Sekundogenitur an der Brühlschen Terasse eröffnet, Richtfest für den Kulturpalast gefeiert und das Zeitkino am Neustädter Bahnhof stellt seinen Betrieb ein

Deutschland, Europa und die Welt

1. Januar: In der Bundesrepublik Deutschland wird die wettbewerbsneutrale Mehrwertsteuer als besondere Form der Umsatzsteuer in Höhe von 14 Prozent eingeführt.

5. Januar: Alexander Dubcˇek wird Erster Sekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei.

8. Januar: Ein mutmaßlich Geistesgestörter ritzt im Pariser Louvre mit einem Messer durch das Gemälde „Die Jungfrau mit den Engeln“ von Peter Paul Rubens.

12. Januar: In der DDR wird ein neues Strafgesetzbuch beschlossen, welches das Reichsstrafgesetzbuch von 1871 und das Strafrechtsergänzungsgesetz ablöst. Es verschärft Strafen für „politische Delikte“ und tritt am 1. Juli desselben Jahres in Kraft.

13. Januar: Johnny Cash gibt sein legendäres Konzert im „Folsom State Prison“, einem Bundesgefängnis im US-Bundesstaat Kalifornien.

18. Januar: In Aachen beginnt der Contergan-Prozess.

22. Januar: Von der Cape Canaveral Air Force Station startet „Apollo 5“ zu einem unbemannten Testflug in eine Erdumlaufbahn. Die Mondlandefähre soll erprobt werden.

30. Januar: Im Vietnamkrieg beginnen nordvietnamesische und Einheiten der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams die Tet-Offensive, die für die amerikanischen und südvietnamesischen Truppen völlig überraschend kommt. Zwar scheitert die Offensive militärisch, aber danach regen sich starke Proteste gegen den Vietnamkrieg der USA in aller Welt.

11. Februar: Der historisch vierte Gebäudekomplex unter dem Namen „Madison Square Garden“ wird in New York City eröffnet.

8. März: Studentendemonstrationen und Beginn der März-Unruhen in Polen

16. März: Massaker der US-Army in My Lai (Son My), bei dem 504 Zivilisten (darunter viele Frauen, Kinder und Greise) getötet werden. Es war von der US-Armee zunächst vertuscht worden und erst durch Recherchen des Journalisten Seymour Hersh an die Öffentlichkeit gelangt.

17. März: Die Zentralbanken der westlichen Länder heben formell ihre Verpflichtung auf, dass die nationale Währung in erster Linie durch Gold gedeckt sein müsse. Der Goldstandard wird damit aufgegeben.

3. April: Eine Gruppe um Andreas Baader und Gudrun Ensslin begeht in Frankfurt am Main einen Brandanschlag auf ein Kaufhaus.

4. April: Attentat auf Martin Luther King in Memphis (Tennessee): Der schwarze Bürgerrechtskämpfer wird auf dem Balkon des „Lorraine Motels“ von James Earl Ray erschossen. In über 100 Städten kommt es nach der Ermordung Kings zu Krawallen, bei denen 39 Menschen ums Leben kommen, etwa 2600 verletzt und rund 21 000 Personen verhaftet werden.

6. April: In der DDR wird in einem Volksentscheid über die neue Verfassung abgestimmt. 94,5 Prozent stimmen nach Angaben der Regierung mit „Ja“.

11. April: Attentat auf Studentenführer Rudi Dutschke: Der Hilfsarbeiter Josef Bachmann schießt mit dem Ruf „Du dreckiges Kommunistenschwein!“ vor dem SDS-Büro am Kurfürstendamm dreimal auf Dutschke. Er trifft ihn zweimal in den Kopf, einmal in die linke Schulter. Dutschke erleidet lebensgefährliche Gehirnverletzungen und überlebt nur knapp nach einer mehrstündigen Operation.

29. April: Das Musical „Hair“ feiert am Broadway in New York seine Uraufführung.

3. Mai: In Paris beginnt die Besetzung der „Sorbonne“. Die Universität steht bei den „Maiunruhen“ zeitweise im Mittelpunkt der französischen Studentenbewegung. Am 6. Mai kommt es zu ersten Straßenschlachten um die besetzte Uni.

13. Mai: USA und Nordvietnam beginnen Friedensverhandlungen.

18. Mai: Im Zuge der Maiunruhen werden die 21. Internationalen Filmfestspiele von Cannes abgebrochen.

30. Mai: Der Bundestag verabschiedet mit einer Zweidrittelmehrheit eine Notstandsverfassung. Am 28. Juni treten in der BRD die Notstandsgesetze in Kraft.

3. Juni: Die radikale Frauenrechtlerin Valerie Solanas verübt ein Attentat auf Andy Warhol, bei dem dieser durch zahlreiche Schusswunden schwerst verletzt wird.

5. Juni: Ermordung von Robert F. Kennedy: Der jüngere Bruder des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy wird während des Wahlkampfes im Ballsaal des Hotels „Ambassador“ in Los Angeles von dem palästinensischen Einwanderer Sirhan Sirhan angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Kennedy erliegt am nächsten Tag seinen Verletzungen.

7. Juni: Im dänischen Billund wird das erste „Legoland“ eröffnet.

1. Juli: Drei der fünf damaligen Atommächte (USA, Sowjetunion und Großbritannien) unterzeichnen in Washington den Atomwaffensperrvertrag.

11. Juli: Größter Chemieunfall der DDR im elektrochemischen Kombinat Bitterfeld, bei dem nach einer Vinylchlorid-Explosion 42 Personen getötet und über 200 verletzt werden.

20./21. August: Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in der Tschechoslowakei. Etwa eine halbe Million Soldaten der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens – die NVA war nicht dabei – marschieren in die Tschechoslowakei ein, besetzten innerhalb von wenigen Stunden alle strategisch wichtigen Positionen des Landes. Der „Prager Frühling“ wird blutig niedergeschlagen. Mehr als 100 Tschechen und Slowaken werden getötet, mehr als 500 verletzt, 300 von ihnen schwer.

22. September: Die Verlegung der beiden Tempel von Abu Simbel ist abgeschlossen. Die Bauten sind vor einem Versinken im Nassersee gerettet worden.

2. Oktober: Das Massaker von Tlatelolco beendet die mexikanische Studentenbewegung. 200 bis 300 friedlich demonstrierende Studenten werden von Scharfschützen und Soldaten erschossen.

11. Oktober: Mit „Apollo 7“ wird der erste bemannte Flug eines Apollo-Raumschiffs durchgeführt.

20. Oktober: Die US-Präsidentenwitwe Jacqueline Kennedy heiratet den griechische Reeder Aristoteles Onassis.

24. Dezember: Mit „Apollo 8“ umkreist erstmals eine menschliche Besatzung den Mond.

Olympiasplitter

Bei den Olympischen Spielen in Grenoble und Mexico-City gibt es keine gesamtdeutsche Mannschaft mehr, BRD und DDR gehen getrennt an den Start, wenn auch noch mit gleicher Flagge und Hymne.

Thomas Köhler und Klaus-Michael Bonsack aus Oberwiesenthal gewinnen die Goldmedaille im Doppelsitzer-Wettbewerb der Rodler. Die in Führung liegenden DDR-Rodlerinnen werden wegen angeblich „geheizter Kufen“ disqualifiziert.

Die Chemnitzerin Gabriele Seyfert gewinnt in Grenoble im Eiskunstlauf.

Der legendäre Dresdner Ruder-Vierer mit Frank Forberger, Frank Rühle, Dieter Grahn und Dieter Schubert gewinnt Olympia-Gold in Mexico.

Die Leichtathleten Tommie Smith und John Carlos werden aus dem US-Team und dem olympischen Dorf verwiesen, weil sie bei der olympischen Siegerehrung im 200-Meter-Lauf mit dem Black Power-Symbol, der hochgereckten geballten Faust in schwarzen Handschuhen, politisch demonstriert haben.

Bob Beamon springt sensationelle 8,90 Meter weit, ein Sprung, der in der Presse als „Sprung ins 21. Jahrhundert“ gefeiert wird.

Der Amerikaner Richard „Dick“ Fosbury gewinnt mit einer revolutionären Sprungtechnik, dem später nach ihm benannten „Fosbury-Flop“, die Goldmedaille im Hochsprung mit 2,24 Meter. Der Sprungstil wird zum Dauerbrenner.

Geboren werden 1968 unter anderem der Filmemacher und Schauspieler Bully Herbig, die Sängerinnen Céline Dion, Kylie Minogue und Anastacia, DJ BoBo, Rennfahrer Mika Häkkinen, die Schauspieler Naomi Watts, Daniel Craig, Will Smith, Hugh Jackman, die Fußballer Oliver Bierhof und Mario Basler und der Schriftsteller Uwe Tellkamp.

Gestorben sind unter anderem der erste Mensch im Weltall Juri Gagarin, der Chemiker und Nobelpreisträger Otto Hahn, die Schriftsteller John Steinbeck und Arnold Zweig, Rennfahrer Jim Clark und die Puppenmacherin Käthe Kruse.

Von Monika Löffler

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1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, zurückzuschauen in die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt. Heute widmen wir uns dem Jahr 1967.

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