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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1947
Thema Specials DNN-Aktionen 125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1947
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13:00 11.07.2018
Am 8. November wird in Dresden die Obus-Ära eingeläutet. Der erste Bus startet am Körnerplatz. Quelle: DVB-Archiv
Dresden

Der Hungerwinter 1946/47, einer der kältesten Winter in Deutschland, hat auch Dresden voll im Griff. Es ist bitterkalt, die Elbe zugefroren, überall türmen sich Eis und Schnee. Die Versorgung der Bevölkerung bricht zusammen. Lebensmittel, Kleidung und vor allem Kohle und Strom sind Mangelware. Tausende Haushalte ha­ben keine Briketts mehr, die Stromversorgung wird zeitweise eingestellt, auch die Belieferung mit Gas ist nur stundeweise möglich. Die Dresdner frieren. In der Hei­de werden ganze Waldstücke abgeholzt, um die Menschen wenigstens mit Holz ver­sorgen zu können.

Viele Menschen sterben vor Hunger und Kälte. Betriebe werden zwar vorrangig mit Strom beliefert, aber auch hier gibt es Sperrtage. Der Schulbetrieb wird teilweise eingestellt oder in beheizte Räume in Gaststätten oder Firmen verlagert. Die Versorgung der Bevölkerung mit Brennstoffen bleibt längere Zeit problematisch und so wird der Klau von Kohlen fast zum Volkssport.

Am 23. März stirbt in Brüssel Luise von Toscana. Die Kronprinzessin von Sachsen und Gemahlin von Friedrich August III. war 1902 mit dem Hauslehrer ihrer Kinder durchgebrannt, was seinerzeit für einen Skandal sorgte.

Am 17. April werden die Akademie der Bildenden Künste und die Hochschule für Werkkunst offiziell wiedereröffnet. Die Er­öffnungsrede hält Rektor Hans Grundig. Studienbeginn ist am 5. Mai.

125 Jahre DNN

Alle Artikel der DNN-Serie finden Sie im Special!

23. Mai: Wiedereröffnung der Kunstsammlungen in Schloss Pillnitz

13. Juni: Rudolf Friedrichs, Ministerpräsident von Sachsen und Ehrenbürger von Dresden, stirbt im Alter von 55 Jahren an einem Herzversagen.

Vom 16. Juni bis 7. Juli findet am Landgericht am Münchner Platz der Dresdner „Euthanasie“-Prozess statt. Angeklagt sind 19 Ärzte und Pflegekräfte, die sich während der NS-Diktatur an den Tötungen von kranken oder behinderten Menschen beteiligt hatten. In der „Tötungsanstalt“ Sonnenstein/Pirna waren Tausend Menschen ermordet worden. Die Ärzte Prof. Paul Nitsche und Dr. Ernst Leonhardt sowie zwei Pfleger werden zum Tode verurteilt. Gegen weitere Angeklagte werden teilweise hohe Zuchthausstrafen verhängt.

Auf den kalten Winter folgt ein trockener, heißer Sommer. Die Elbe führt Niedrigwasser, der Pegel in Dresden zeigt im August magere 21 Zentimeter an.

15. August: Die bei den Angriffen schwer beschädigte Sächsische Landesbibliothek bezieht eine ehemalige Kaserne in der Albertstadt. Ein Provisorium, das bis 2002 andauert.

Am 18. August wird im neuen „Apollo-Theater“ in Leuben, dem ersten fertiggestellten Theaterumbau in Sachsen, die Eröffnung gefeiert. In der ersten Aufführung am 22. August wird Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ gezeigt, am 24. August folgt das erste Konzert, am 30. August der erste Ballettabend. Am 2. Ok­tober steht die erste Operette, Franz Le­hárs „Die lustige Witwe“, auf dem Spielplan. Dieses Datum gilt als die „Geburtsstunde“ der späteren Staatsoperette Dres­den.

Am 8. November geht die erste O-Bus-Linie C der DVB in Betrieb. Unter großer Anteilnahme der Dresdner wird um ge­nau 11 Uhr am Körnerplatz die Linie C eingeweiht, die zwischen Körnerplatz und Münchner Platz verkehrt. Zur Verfügung stehen zunächst fünf Fahrzeuge, die den Bedarf aber nicht decken können. In den folgenden Jahren werden die Strecken verlängert, neue Linien eingeführt und der Wagenpark ausgebaut. Ab den 1970er Jahren wird der O-Bus-Betrieb auf den Einsatz von Gelenkomnibussen um­gestellt. Fahrzeuge und Oberleitungen wa­r­en verschlissen, man kam mit Reparaturarbeiten nicht nach. Am 28. November rückte der letzte O-Bus im Betriebshof Bla­sewitz ein.

Deutschland, Europa und die Welt

1. Januar: Gründung der „Bizone“: Die amerikanische und die britische Besatzungszone werden zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum zusammengefasst. Die französische Zone wird später angeschlossen. Hauptaufgabe ist die Verbesserung der Versorgungslage.

4. Januar: Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Der Spiegel“ erscheint.

7. Januar: George C. Marshall wird neuer Außenminister der USA.

22. Februar: Gründung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).

25. Februar: Der Alliierte Kontrollrat der Siegermächte löst per Gesetz endgültig den Staat Preußen und die nachgeordneten Behörden auf.

16. April: Bei der Explosion zweier mit Ammoniumnitrat beladenen Frachtschiffe bei Texas City werden 486 Menschen getötet und 3000 verletzt. Der Sachschaden beträgt 65 Millionen US-Dollar.

17. April: In Ost-Berlin findet der zweite Kongress des Freien Deutsche Gewerkschaftsbundes (FDGB) statt.

25. April: In der britischen Zone wird der Deutsche Gewerkschaftsbund unter dem Vorsitz von Hans Böckler gegründet.

28. April: Thor Heyerdahl und fünf Crewmitglieder brechen mit dem aus Balsabaumstämmen gefertigten Floß „Kon-Tiki“ von Peru nach Polynesien auf. Heyerdahl will klären, ob eine Besiedlung der Inseln aus Südamerika auf diese Weise möglich gewesen wäre.

9. Mai: Hamburger Hafenarbeiter treten wegen der unzureichenden Ernährungslage in den Streik.

5. Juni: US-Außenminister George C. Marshall gibt vor der Harvard-Universität die Grundlagen des Marshall-Planes zur Unterstützung Europas bekannt.

5. Juni: In München treffen die Ministerpräsidenten aus allen vier Besatzungszonen zu Gesprächen zusammen. Die Meinungsverschiedenheiten über die Zu­kunft Deutschlands sind allerdings so un­überbrückbar, dass die ostdeutschen Ministerpräsidenten vorzeitig abreisen.

9. Juni: Im Pariser Palais de Tokyo er­öffnet das Musée National d’Art Moderne, das Werke moderner Kunst des 20. Jahrhunderts präsentiert.

14. Juni: Die sowjetische Militäradministration errichtet die „Deutsche Wirtschaftskommission“ (DWK) als Leitinstanz der Zentralverwaltungen der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ).

14. Juni: Der Farmer Mac Brazel findet auf seinem Land ungewöhnliche Trümmerteile. Das mattsilbrige Material wird knapp 40 Jahre später als UFO-Absturz von Roswell berühmt.

17. Juni: Die Berliner Stadtverordneten wählen Ernst Reuter (SPD) zum Berliner Oberbürgermeister. Die sowjetische Militäradministration verweigert ihm allerdings die Anerkennung.

24. Juni: Der US-amerikanische Pilot Kenneth Arnold sichtet nach eigenen An­gaben neun seltsam rasende Flugobjekte, für die erstmals der Begriff „Fliegende Un­tertasse“ benutzt wird.

14. August: Gründung des Staates Pakistan.

15. August: Der Mountbattenplan tritt in Kraft. Damit erhält Indien seine Unabhängigkeit. Erster Regierungschef wird Ja­waharlal Nehru.

20. Oktober: Die Vereinten Nationen erhalten offiziell ihre Flagge in der heutigen Gestalt.

29. November: Die UN-Vollversammlung beschließt mit 33 gegen 13 Stimmen den Teilungsplan für Palästina, der nach dem Ende der britischen Mandatsherrschaft im Mai 1948 die Bildung eines jüdischen und eines palästinensischen Staates sowie die Internationalisierung Jerusalems vorsieht.

10. Dezember: George C. Marshall fordert die Sowjetunion auf, die Demontage deutscher Firmen in der sowjetischen Zo­ne zu beenden.

15. Dezember: Die Londoner Konferenz der Außenminister der vier Siegermächte wird beendet, weil sich die Alliierten über die Deutschland-Frage uneins sind und es zum Bruch zwischen der Sowjetunion und den USA kommt.

Geboren werden 1947 unter anderem die Politikerin Hillary Clinton, die Musiker David Bowie, Elton John, Ron Wood, Iggy Pop, John Lees, Konstantin Wecker, Mick Fleetwood, Carlos Santana, Ian Anderson, Meat Loaf, Marc Bolan und Brian Johnson, die Schriftsteller Salman Rushdie und Stephen King, die Schauspieler Glenn Close, Ingrid Steeger, Sky du Mont, Diether Krebs, Arnold Schwarzenegger, der Hochspringer Dick Fosbury, die Turnweltmeisterin Erika Zuchold, die Sänger Wencke Myhre, Uschi Brüning, France Gall, die Fußballer Johan Cruyff, Hans-Jürgen Kreische und Siegmar Wätzlich sowie Camilla, Herzogin von Cornwall, heute die Ehefrau von Prinz Charles

Gestorben sind 1947 unter anderem der Physiker und Nobelpreisträger Max Planck, der Schriftsteller Hans Fallada, der amerikanische Unternehmer Henry Ford, Regisseur Ernst Lubitsch und der berüchtigte Gangster Al Capone.

Von Monika Löffler

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