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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1945
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10:51 05.07.2018
Das Dresdner Stadtzentrum ist durch die Bombenangriffe fast völlig zerstört worden, überall stehen nur noch Ruinen. Quelle: Archiv/dpa
Dresden

Dresden bleibt lange von Luftangriffen verschont, weil es bis Herbst 1944 außerhalb der Reichweite und damit der Zielplanungen alliierter Bomber liegt. Tausende Flüchtlinge kommen in die Stadt. Die Menschen vermuten, dass Dresden auch weiterhin verschont bleibt – eine trügerische Hoffnung. Bei den Luftangriffen am im Februar versinkt die Stadt im Feuer. Zurück bleibt eine Trümmerwüste.

Die erste Angriffswelle beginnt am 13. Februar kurz nach 22 Uhr mit dem Abwurf von sogenannten Christbäumen zur Zielmarkierung. Bis 22.28 Uhr werden 529 Luftminen und 1800 Spreng- und Brandbomben mit insgesamt 900 Tonnen Gewicht abgeworfen und drei Viertel der Dresdner Altstadt dem Erdboden gleichgemacht. Die Flammen der brennenden Häuser sind im weiten Umkreis am Himmel zu sehen. Manche Brände lodern vier Tage lang.

Am 14. Februar folgt ab 1.23 Uhr die zweite Angriffswelle. 529 Bomber werfen 1500 Tonnen Brandbomben ab. Sie treffen auch die Elbwiesen und den Großen Garten, wohin viele Dresdner geflüchtet sind.

Nach den Angriffen werden wegen Seuchengefahr auf dem Altmarkt tagelang Leichenberge verbrannt. Über die Zahl der Todesopfer gibt es unterschiedliche Angaben – ursprünglich war von 200.000 bis 500.000 Toten die Rede. Eine Historikerkommission ermittelte 2009 eine Mindestzahl von 18 000 und eine Höchstzahl von 25 000 getöteten Menschen.

Die Dresdner Altstadt brennt fast komplett aus. Auch die Seevorstadt, Johannstadt, Friedrichstadt, die östliche Südvorstadt und weitere Stadtteile werden schwer beschädigt. Wohnungen, Fabriken, Werkstätten, Industriebetriebe, Versorgungseinrichtungen wie Gas-, Wasser- und Kraftwerke, Geschäfte, Kaufhäuser und Markthallen werden zerstört. Viele Kulturdenkmäler wie Semperoper, Frauenkirche, Residenzschloss, Sophienkirche und Zwinger fallen den Bomben zum Opfer. Militärische Einrichtungen und die dicht besiedelte Äußere Neustadt auf der linkselbischen Seite bleiben dagegen weitgehend verschont.

Das Stadtzentrum ist unpassierbar geworden, der Straßenverkehr vollständig blockiert. Oberleitungen und Schienen der Straßenbahn sind zerstört, Straßen verschüttet oder mit Bombentrichtern übersät, die Elbbrücken beschädigt.

Der Eisenbahnverkehr wird nach zwei Wochen behelfsmäßig wieder aufgenommen. Auch die Straßenbahnen fahren einige Tage nach dem Angriff wieder in den Außenbezirken. Der Städtische Vieh- und Schlachthof im Ostragehege nimmt den Betrieb am 19. Februar, die Brotfabrik und Großfleischerei Rosenstraße Ende März wieder den Betrieb auf.

Anfang Februar vergräbt Prinz Ernst Heinrich von Sachsen mit zwei Söhnen und einem Revierförster den Schatz der Sachsen in der Nähe von Schloss Moritzburg, bevor er nach Sigmaringen flüchtet.

125 Jahre DNN

Alle Artikel der DNN-Serie finden Sie im Special!

17. April: Erneut wird ein Luftangriff auf Dresden geflogen und dabei 450 Menschen getötet.

Am 22. April stirbt Käthe Kollwitz im Rüdenhof in Moritzburg.

Anfang Mai wollen Nationalsozialisten das Blaue Wunder sprengen. Mehrere Dresdner Bürger, unter ihnen der Klempner Erich Stöckel und der Telegrafenarbeiter Paul Zickler, retteten unabhängig voneinander das Bauwerk, indem sie die zur Sprengung angeschlossenen Kabel durchtrennten.

7. Mai: Die Augustusbrücke wird von deutschen Truppen gesprengt, um die anrückenden Sowjetsoldaten aufzuhalten, was nicht gelingt. Die Rote Armee erreicht Dresden. Die Soldaten kommen über die Grundstraße und das Blaue Wunder zum Schillerplatz. Erster Stadtkommandant wird Oberst Gorochow.

10. Mai: Gorochow bildet einen neuen Rat und ernennt den Sozialdemokraten Rudolf Friedrichs zum Oberbürgermeister.

1. Juli: Eingemeindung von Dölzschen und Gittersee nach Dresden

Am 10. Juli findet in der Tonhalle (Kleines Haus) auf der Glacisstraße die erste Nachkriegsvorstellung statt: Lessings „Nathan der Weise“ mit Erich Ponto.

Nach dem Zweiten Weltkrieg tagt in der Tonhalle auch das Volksgericht. Am 25. September beginnt ein Prozess „gegen fünf Naziverbrecher des ehemaligen ‚Arbeitserziehungslagers’ der Sachsenwerk-Licht- und Kraft-AG Radeberg“.

10. August: Erste Opernaufführung nach dem Krieg: In der Tonhalle wird „Figaros Hochzeit“ von Mozart aufgeführt

Deutschland, Europa und die Welt

Zu Beginn des Jahres kämpften sich die Alliierten Truppen weiter nach Deutschland durch. Die Wehrmacht wird an der Ostfront von der Roten Armee an die Oder zurückgedrängt, während mit der Ardennenoffensive ein letzter Vorstoß gegen die Alliierten an der Westfront scheitert und die deutschen Städte im Bombenkrieg zerstört werden. Nicht nur Deutschland steht vor einem Trümmerhaufen. Der Krieg hat Millionen Menschen den Tod gebracht, Hunderte Städte werden zerstört.

16. Januar: Adolf Hitler zieht sich dauerhaft in den Führerbunker unter der Reichskanzlei zurück.

30. Januar: Durch ein sowjetisches U-Boot wird die „Wilhelm Gustloff“ versenkt. Etwa 9000 Menschen, Flüchtlinge aus Ostpreußen, kommen ums Leben.

4. bis 11. Februar: Auf der Jalta-Konferenz legen Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin die Grundzüge der Nachkriegsordnung für Europa fest.

19. März: Hitler ordnet mit dem „Nerobefehl“ an, alle Verkehrs-, Nachrichten- und Industrieanlagen, die in die Hand der Alliierten fallen könnten, zu zerstören.

12. April: Nach dem Tod von Präsident Franklin D. Roosevelt wird Harry S. Truman als 33. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt.

16. April: Mit dem Angriff auf die Seelower Höhen beginnt die Schlacht um Berlin.

25. April: „Elbe Day“ – in Torgau treffen sowjetische und US-amerikanische Soldaten erstmals auf deutschem Boden zusammen.

30. April: Die Rote Armee hisst die sowjetische Fahne auf dem Reichstag. Adolf Hitler begeht mit Eva Braun Selbstmord.

1. Mai: Propagandaminister Joseph Goebbels und seine Frau Magda nehmen sich mit Zyankali das Leben. Zuvor vergiften sie ihre gemeinsamen Kinder.

7. Mai: Um 2.41 Uhr unterzeichnet Generaloberst Alfred Jodl in Reims die Gesamtkapitulation aller Verbände der Wehrmacht des Deutschen Reiches.

8. Mai: Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht und aller Teilstreitkräfte – Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa.

9. Mai: Hermann Göring stellt sich in Österreich US-Truppen.

17. Mai: Der parteilose Arthur Werner wird von den sowjetischen Truppen als Oberbürgermeister von Berlin eingesetzt.

5. Juni: Der Alliierte Kontrollrat übernimmt die oberste Regierungsgewalt im besetzten Deutschen Reich.

26. Juni: Gründung der Vereinten Nationen als Nachfolgeorganisation des Völkerbundes. 50 Gründungsmitglieder unterzeichnen die Charta.

1. Juli: Einrichtung der Volkspolizei in der sowjetischen Besatzungszone.

11. Juli: In Berlin tritt die Alliierte Kommandantur zum ersten Mal zusammen. Sie übt die Kontrolle in der in vier Sektoren eingeteilten Stadt aus.

26. Juli: Der britische Premierminister Winston Churchill gibt nach verlorener Unterhauswahl seinen Rücktritt bekannt. Sein Nachfolger wird Clement Attlee.

2. August: Die Alliierten entscheiden beim Potsdamer Abkommen, dass Deutschland entmilitarisiert und entnazifiziert werden soll und den Siegermächten Kriegsentschädigung in Form von Demontagen zu leisten hat.

6. August: Atombombenabwurf über Hiroshima. Etwa 80 Prozent der Stadt werden zerstört. Bei diesem ersten Einsatz einer Kernwaffe werden etwa 90.000 Menschen sofort getötet, an den Spätfolgen sterben schätzungsweise weitere 90.000 bis 166.000 Japaner.

9. August: Beim Abwurf der Atombombe über Nagasaki sterben 70.000 Menschen.

16. Oktober: Gründung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

20. November: Eröffnung der Nürnberger Prozesse.

27. Dezember: Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Geboren werden unter anderem die Politiker Georg Milbradt und Walter Momper, die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, die Regisseure Werner Fassbinder und Wim Wenders, die Sänger Katja Ebstein, Dagmar Frederic, Jürgen Drews, Fußballer Jupp Heynckes, Franz Beckenbauer und Gerd Müller, der Maler Jörg Immendorff, die Musiker Bob Marley, Eric Clapton, Pete Townshend und Rod Stewart sowie Anni-Frid Lyngstad und Björn Ulvaeus von ABBA.

Gestorben sind unter anderem Präsident Franklin D. Roosevelt, der Theologe Dietrich Bonhoeffer, Komponist Béla Bartók und Schriftsteller Theodore Dreiser.

Von Monika Löffler

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