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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1944
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10:43 05.07.2018
Ein Flüchtlingstreck aus dem Osten Deutschlands verlässt Ende 1944 das Heimatdorf. ­ Quelle: LVZ-Bildarchiv
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Dresden

In Dresden wird die Mehrzahl der Betriebe fast vollständig auf Rüstung umgestellt. In einem Betriebsteil der Zigarettenmaschinenfabrik „Universelle“ in der Florastraße wird im Herbst ein Zweiglager des KZ Ravensbrück eingerichtet, in dem 700 Frauen für die Rüstungsproduktion arbeiten müssen. Die deutschen Arbeiter des Betriebes solidarisieren sich mit den Zwangsarbeiterinnen, versorgen sie mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten. Später werden weitere 5000 Häftlinge nach Dresden transportiert, darunter etwa 2000 Juden. Sie werden mit Dresdner Juden in überfüllten „Judenhäusern“ untergebracht und in Rüstungsbetrieben – zum Beispiel den Goehle-Werken, bei der Osram GmbH und beim Reichsbahnausbesserungswerk – zur Arbeit gezwungen

Die Luftangriffe der Alliierten auf deutsche Städte nehmen zu. Dresden bleibt lange verschont. Die Einschläge kommen näher. Es gibt häufiger Vor- und Luftalarm im Großraum Dresden. Am 24. August erfolgt ein erster Bombenangriff auf das Mineralölwerk in Freital-Birkigt und das Industriegelände in Gittersee. Bei dem Angriff starben 241 Menschen. Am 7. Oktober 1944 greifen Bomber Dresden an. Mit etwa 290 Sprengbomben treffen sie hauptsächlich den Bereich um den Bahnhof Dresden-Friedrichstadt und das Industriegebiet nördlich davon sowie den Alberthafen. Hier werden 270 Todesopfer registriert. Dresdner Kinder werden mit der Kinderlandverschickung in Sicherheit gebracht. Die Innenstadtbewohner werden aufgerufen, in Quartieren am Stadtrand zu übernachten.

125 Jahre DNN

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Mit dem Widerstand gegen das NS-Regime und der drakonischen Ausweitung der Straftatbestände nimmt die Zahl der Hinrichtungen am Münchner Platz extrem zu. Der Gebäudekomplex dient als Gerichtsort, Untersuchungshaftanstalt und Hinrichtungsstätte. Dort werden in der NS-Zeit nicht nur Mördern, Dieben und Sittlichkeitsverbrechern der Prozess gemacht, sondern vor allem auch Widerstandskämpfer und Regimekritiker durch das Fallbeil hingerichtet.

So werden am 16. August die Mitglieder der Dresdner KPD Kurt Schlosser, Arthur Weineck, Herbert Blochwitz und Otto Galle wegen Hochverrat und Feindbegünstigung getötet. Nach einer Verhaftungswelle im Juli und August 1944 in Leipzig werden elf Sozialdemokraten und Kommunisten nach Dresden gebracht und im Januar 1945 geköpft – darunter der Sozialdemokrat Georg Schumann.

Goebbels verfügt den „Totalen Kriegseinsatz der Kulturschaffenden“, im Volksmund auch „Theatersperre“ genannt. Sämtliche Theater, Varietés, Kabaretts und Schauspielschulen müssen bis zum 1. September geschlossen werden. Davon betroffen sind auch die Dresdner Kultureinrichtungen. Ausnahmen gibt es wenige. Die Künstler, die nicht auf der sogenannten „Gottbegnadeten-Liste“ stehen, werden zu kriegswichtigen Tätigkeiten herangezogen. „Auf dem Arbeitsamt melden müssen sich ab sofort bis zum 15. September alle den Einzelkammern der Reichskulturkammer angehörigen Männer und Frauen sowie alle sonstigen Personen, die durch die Einschränkung des deutschen Kulturlebens von ihrer bisherigen Berufstätigkeit freigestellt werden“, schreibt die „Dresdner Zeitung“.

Deutschland, Europa und die Welt

28. Januar: Die Rote Armee befreit Leningrad und beendet die über 900 Tage dauernde Belagerung der Stadt durch die Wehrmacht.

28. Januar: Uraufführung des Films „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann in Berlin.

20. Februar: Die Alliierten beginnen eine großangelegte Luftoffensive („Big Week“) gegen deutsche Industrie- und Rüstungseinrichtungen.

4. März: An der Ostfront beginnt die Frühjahrsoffensive der Roten Armee. Die Deutschen Verbände ziehen sich aus der Ukraine zurück.

19. März: Ungarn wird von Deutschland besetzt. Juden werden verfolgt und in den kommenden Monaten in Konzentrationslager deportiert.

4. April: Letzter großer Ausbruch des Vulkans Vesuv am Golf von Neapel, die Gemeinden Massa und San Sebastiano werden zerstört.

19. April: Mit 125 Flugzeugen fliegt die deutsche Luftwaffe den letzten großen Angriff auf London.

Generalfeldmarschall Alfred Kesselring zieht alle Truppen aus Rom ab. Am 4. Juni marschierten Truppen der 5. US-Armee in der Stadt ein.

6. Juni: Alliierte Streitkräfte landen mit 150 000 Soldaten und 6000 Schiffen in der Normandie. Nach der Sicherung mehrerer Brückenköpfe folgt die Invasion in der Normandie und ganz Nordfrankreichs. Der Tag geht als „D-Day“ in die Geschichte ein.

10. Juni: Eine Einheit der Waffen-SS richtet im südwestfranzösischen Ort Oradour-sur-Glane ein Massaker an. 642 Bewohner, davon 202 Kinder, werden dabei getötet.

12. Juni: Die deutsche Luftwaffe beschießt erstmals London mit der V1.

17. Juni: Island wird unabhängig von Dänemark.

18. Juni: Der Dresdner SC schlägt den Hamburger SV mit 4:0 und wird Deutscher Fußballmeister

3. Juli: Die Rote Armee erobert Minsk zurück. 100 000 deutsche Soldaten geraten in Gefangenschaft.

20. Juli: Der Staatsstreich der Widerstandsgruppe um Oberst Claus Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler scheitert. Die von Stauffenberg bei einer Besprechung im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ deponierte Sprengladung verletzt Hitler nur leicht. Stauffenberg und drei weitere Offiziere werden noch in der Nacht erschossen.

Das Attentat gilt als bedeutendster Umsturzversuch des militärischen Widerstandes. Die Beteiligten der Verschwörung stammen vor allem aus dem Adel, der Wehrmacht und der Verwaltung. Unter den später festgenommenen und hingerichteten Beteiligten des Staatsstreiches sind Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben, sowie Generäle, Oberste, Botschafter, Diplomaten, ein Minister, drei Staatssekretäre, der Chef des Reichskriminalpolizeiamts sowie Polizei- und Regierungspräsidenten.

23. Juli: Das KZ Majdanek wird als erstes Vernichtungslager befreit.

31. Juli: Nach der Panzerschlacht von Avranches gelingt den Alliierten der Durchbruch durch die deutsche Westfront.

31. Juli: Der Schriftsteller und Flieger Antoine de Saint-Exupéry wird bei einem Aufklärungsflug in Richtung Grenoble abgeschossen.

1. August: Der Warschauer Aufstand der Polnischen Armee beginnt. Am 2. Oktober – ohne Unterstützung durch die in der Nähe aktive sowjetische Armee – kapituliert das Oberkommando des Polnischen Militärs. 180 000 Polen verlieren ihr Leben.

18. August: Nach elf Jahren Haft wird der ehemalige Führer der KPD, Ernst Thälmann, im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

22. August:Im deutschen Reich startet eine Verhaftungswelle mit dem Namen „Aktion Gitter“. Zahlreiche politische Gegner werden verhaftet, interniert und oft auch getötet.

25. August: Die Alliierten marschieren in der französischen Hauptstadt Paris ein. Stadtkommandant Dietrich von Choltitz kapituliert nahezu kampflos.

11. September: Amerikanische Einheiten überschreiten nordwestlich von Trier die deutsche Reichsgrenze.

11. September: Ein Pulk von 36 US-Bombern wird von einem deutschen Jagdgeschwader in eine Luftschlacht über dem Erzgebirge verwickelt.

12. September: Auf der „Londoner Konferenz“ wird im „1. Zonenabkommen“ die Grenze zwischen der Sowjetischen Besatzungszone und den Besatzungszonen der Westmächte festgelegt und ein „besonderes Besatzungssystem“ für Berlin beschlossen.

25. September: Adolf Hitler ordnet die Aufstellung des „Volkssturmes“ an. Das hat zur Folge, dass Jugendliche und Senioren zum Wehrdienst herangezogen werden.

28. September: Im KZ Theresienstadt beginnt die Deportation von 18 000 Juden in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

10. Oktober: Die Rote Armee erreicht die deutsche Grenze in Ostpreußen.

14. Oktober: Generalfeldmarschall Rommel begeht unter Androhung eines Hochverratsprozesses Selbstmord.

19. Oktober: Die von Hitler befohlene Zerstörung Warschaus beginnt.

24. Oktober: Der Ringer und Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder wird im Zuchthaus Brandenburg enthauptet.

7. November: US-Präsident Franklin D. Roosevelt wird erneut zum Präsidenten gewählt.

17. November: Frauen des Arbeitsdienstes werden als Flakhelfer eingesetzt, um Soldaten für den Frontdienst freizusetzen.

20. November: Hitler verlässt die „Wolfsschanze“ und bezieht den Führerbunker in Berlin.

10. Dezember: Der Chemiker Otto Hahn erhält den Nobelpreis für seine Entdeckung der Kernspaltung.

15. Dezember: In Prag wird der Film „Große Freiheit Nr. 7“ mit Hans Albers und Ilse Werner uraufgeführt.

16. Dezember: Mit der Ardennenoffensive beginnt der letzte vergebliche Defensivangriff der deutschen Wehrmacht.

Geboren werden 1944 unter anderem der Theologe Friedrich Schorlemmer, die Politiker Gerhard Schröder und Rajiv Gandhi, die Sänger Diana Ross, Joe Cocker und Gunther Emmerlich, die Fußballer Sepp Maier und Günter Netzer, der Kabarettist Bernd-Lutz Lange, die Schauspieler Uschi Glas, Renate Blume, Geraldine Chaplin, Michael Douglas, Helmut Berger und Danny DeVito, Designer Wolfgang Joop, die Regisseure George Lucas und Helmut Dietl sowie die Musiker Albert Hammond, Jimmy Page, Barry White und Dieter Birr von den Puhdys .

Gestorben sind 1944 unter anderem der Maler Edvard Munch, der Leichtathlet Rudolf Harbig, der Bergsteiger Kurt Schlosser, der Maler Wassily Kandinsky, der Musiker Glenn Miller und der Schriftsteller Romain Rolland.

Von Monika Löffler

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1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, zurückzuschauen in die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt. Heute widmen wir uns dem Jahr 1943.

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