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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1943
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10:42 28.06.2018
Walter Ulbricht (4. von links) mit Erich Weinert und antifaschistischen Kriegsgefangenen im Winter 1942/43 vor einem Lautsprecherwagen an der Stalingrader Front. Quelle: Archiv/ADN-Zentralbild
Dresden

Der Zweite Weltkrieg ist an einem Wendepunkt angekommen. Der Widerstand wächst an allen Fronten. Zwar wird der Frage Goebbels nach dem „totalen Krieg“ in Deutschland bejahend zugejubelt, aber mit der Niederlage von Stalingrad, den vielen Toten und den verstärkten Luftangriffen der Alliierten mischen sich erste Zweifel unter die Kriegseuphorie. Zudem der „totale Krieg“ und die eiserne Unterordnung des Lebens unter die Kriegsmaschinerie erhebliche Einschränkungen für die Zivilbevölkerung mit sich bringen.

Lebensmittel und andere Gebrauchsgüter werden immer knapper und drastischer rationiert. So werden die Fleischrationen weiter reduziert, die Herstellung von Spielzeug eingeschränkt. Auch Fahrten mit der Reichsbahn werden reglementiert. Die Arbeitszeit von Beamten wird heraufgesetzt und Einzelhandelsgeschäfte dürfen nicht mehr wegen Urlaubs schließen. Ab Ende 1943 lässt das neu gegründete Dresdner Bauamt für Luftschutz in den Kellern von Reihenhäusern Mauerdurchbrüche zu Nachbarhäusern und Straßentunnel mit Aufgängen als Fluchtwege einrichten, Dachbalken imprägnieren, Löschwasserzisternen anlegen und Auffangräume bereitstellen, auf dem Altmarkt wird ein Löschwasserteich errichtet.

125 Jahre DNN

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Die Reichsstelle Chemie verbietet die Herstellung von Filmen, Platten und Fotopapier sowie das Entwickeln und Kopieren von Filmen für Fotoamateure und Betriebe werden aufgefordert, Akten und Geschäftsunterlagen, die älter als fünf Jahre sind, der Altpapiergewinnung zuzuführen. Am 28. Februar verfügt die Reichspressekammer in der zweiten „Stilllegungsaktion“ die Einstellung von 950 Zeitungen in Deutschland wegen Rohstoffknappheit.

Auch die „Dresdner Neusten Nachrichten“ sind betroffen. Sie erscheinen – genau wie der traditionsreiche „Dresdner Anzeiger“ – am 14. Februar das letzte Mal. Beide Zeitungen müssen auf „höchsten Befehl“ zur „Dresdner Zeitung“ fusionieren. Die zweimal täglich erscheinenden „Dresdner Nachrichten“ werden der parteiamtlichen Zeitung „Der Freiheitskampf“ zugeteilt. „Wir wissen, dass wir durch diese Neuordnung einen wesentlichen Beitrag zur totalen Kriegsführung und damit für den Sieg geleistet haben“, heißt es in einer von allen betroffenen Zeitungen unterschriebenen Mitteilung an die Leser.

Deutschland, Europa und die Welt

1. Januar: An der Ostfront beginnt die 1. Panzerarmee der deutschen Wehrmacht mit ihrem Rückzug aus dem Kaukasus.

8. Januar: General Friedrich Paulus lehnt trotz der aussichtslosen Lage die Aufforderung der sowjetischen Seite zur Kapitulation der in Stalingrad eingekesselten 6. Armee ab.

14. Januar: US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill treffen in Casablanca zusammen, um über die weitere Kriegsführung zu beraten. Josef Stalin ist zwar eingeladen, bleibt der Konferenz aber mit der Begründung fern, dass er auf Grund der Schlacht von Stalingrad die Sowjetunion nicht verlassen könne. Die Alliierten fordern die bedingungslose Kapitulation Deutschlands als Voraussetzung für die Beendigung des Krieges. Zudem wird eine „gemeinsame Bomberoffensive“ der USA und Großbritannien gegen das Deutsche Reich beschlossen.

15. Januar: In Arlington im US-Bundesstaat Virginia wird das Pentagon, Hauptsitz des amerikanischen Kriegsministeriums, nach 16 Monaten Bauzeit fertiggestellt.

18. Januar: Im Warschauer Ghetto marschieren die Nationalsozialisten ein, um es aufzulösen und die gesamte Bevölkerung in Vernichtungslager zu deportieren.

31. Januar: Generalfeldmarschall Friedrich Paulus kapituliert mit den im Südkessel eingeschlossenen deutschen Einheiten in der Schlacht von Stalingrad.

2. Februar: Die 6. Armee kapituliert auch im Nordkessel bei Stalingrad. Rund 90.000 deutsche Soldaten gehen in sowjetische Gefangenschaft

4. Februar: Bertolt Brechts Theaterstück „Der gute Mensch von Sezuan“ hat seine Uraufführung am Schauspielhaus Zürich.

14. Februar: Deutsche Schüler ab 15 Jahren werden als Flakhelfer zum Kriegsdienst eingezogen.

18. Februar: NS-Propagandaminister Joseph Goebbels fordert in einer Rede im Berliner Sportpalast den „totalen Krieg“.

18. Februar: Hans und Sophie Scholl werden bei der Verteilung von Flugblättern an der Ludwig-Maximilians-Universität München verhaftet. Die Geschwister und ihr Freund Christoph Probst werden am 22. Februar als Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ wegen „Wehrkraftzersetzung“, „Feindbegünstigung“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tod verurteilt und noch am gleichen Tag hingerichtet.

1./2. März: Der erste größerer Luftangriff auf Berlin der Royal Air Force fordert über 700 Tote, fast 65 000 Berliner werden ausgebombt.

3. März: Im Berliner Ufa-Palast wird der Film „Münchhausen“ mit Hans Albers in der Hauptrolle uraufgeführt. Erich Kästner – obwohl eigentlich mit Berufsverbot belegt – schrieb das Drehbuch im Auftrag des Reichsfilmintendanten Fritz Hippler und mit einer Sondergenehmigung von Joseph Goebbels. Beide waren der Ansicht, Kästner sei der geeignetste Autor. Er schrieb das Drehbuch unter dem Pseudonym „Berthold Bürger“. Dieser Name fand im Vorspann allerdings keine Erwähnung.

6. April: In New York erscheint die Erstausgabe von Antoine de Saint-Exupérys Erzählung „Le Petit Prince“ (Der kleine Prinz).

19. April: Mit dem Angriff der Jüdischen Kampforganisation auf Angehörige der SS beginnt der Aufstand im Warschauer Ghetto. Er endet am 16. Mai mit der vollständigen Niederbrennung des Ghettos, die große Warschauer Synagoge wird gesprengt.

28. Juni: Bei einem Bombenangriff auf Köln wird der Dom schwer beschädigt.

12. Juli: In Krasnogorsk bei Moskau wird das Nationalkomitee „Freies Deutschland“ (NKFD) von Exilvertretern der Kommunistischen Partei Deutschlands gebildet. Präsident ist der Schriftsteller Erich Weinert. Dem NKFD gehören kommunistische deutsche Emigranten und kriegsgefangene deutsche Wehrmachtsoldaten und Offizieren an. Mit Lautsprecherdurchsagen und Abwurfflugblättern ruft das Komitee die deutschen Soldaten zur Einstellung der Kämpfe und zum Überlaufen auf die sowjetische Seite auf.

24. Juli bis 3. August: Bei britischen und amerikanischen Bombenangriffen auf Hamburg werden 35.000 Menschen getötet.

24./25. Juli: Auf einer Sitzung des Großen Faschistischen Rates wird Mussolini entmachtet und anschließend auf Befehl von König Viktor Emanuel III. verhaftet. Als neuer Ministerpräsident wird Pietro Badoglio eingesetzt.

31. August: Die Frankfurter Zeitung stellt nach einem Entscheid des im Frühjahr über einen Artikel verärgerten Adolf Hitler ihr Erscheinen ein.

12. September: Ein deutsches Spezialkommando befreit den inhaftierten Mussolini und bringt ihn zu Hitler in die „Wolfsschanze“ in Ostpreußen.

6. November: In der Schlacht am Dnepr gelingt der Roten Armee die Rückeroberung von Kiew.

28. November bis 1. Dezember: Teheran-Konferenz über die Neuordnung Europas nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges. Erstmals treffen Churchill, Roosevelt und Stalin zusammen. Es wird für Mai 1944 die Errichtung einer zweiten Front in Westeuropa bei einer gleichzeitigen Offensive der Rote Armee vereinbart.

Geboren werden 1943 unter anderem die Rocklegenden George Harrison, Jim Morrison, Mick Jagger und Keith Richards, der Trompeter Ludwig Güttler, die Sänger Janis Joplin, Roy Black, Johnny Hallyday, Julio Iglesias, Salvatore Adamo und Wolfgang Ziegler, der Baudirektor der Frauenkirche Eberhard Burger, Königin Silvia von Schweden, Box-Olympiasieger und Trainer Manfred Wolke, der Dirigent Hartmut Haenchen, Komponist Vangelis, die Dresdner Turmspringerin Ingrid Krämer-Gulbin, die Schauspieler Catherine Deneuve, Ursula Werner, Hanna Schygulla, Robert De Niro und Klaus Maria Brandauer sowie der Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer.

Gestorben sind 1943 unter anderem der Elektro-Ingenieur Nikola Tesla, die Widerstandskämpfer Mildred Harnack, Hilde Coppi, Adam Kuckhoff, der Komponist Sergei Rachmaninow, der Schauspieler Conrad Veidt und der Theaterregisseur Max Reinhardt.

Von Monika Löffler

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