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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1938
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07:00 10.06.2018
Der inzwischen verstorbene Feuerwehrmann Alfred Neugebauer (Foto 2001) rettete einen der Davidsterne der Dresdner Synagoge und versteckte ihn. Quelle: Fotos: Archiv/dpa
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Dresden

Ab Februar wird das bei den Dresdnern äußerst beliebte „Kugelhaus“ am Großen Garten abgerissen. Das nach Plänen des Architekten Peter Birkenholz erste Kugelhaus der Welt war 1928 im Rahmen der „Jahresschau Deutscher Arbeit“ eingeweiht worden. Ursprünglich sollte das Kugelhaus nur drei Jahre stehen, die Betriebsbewilligung wurde allerdings mehrfach verlängert. Da sich kein Käufer oder Betreiber fand, wird das Gebäude abgerissen. Dem Abriss war eine Kampagne der Nationalsozialisten vorausgegangenen, die das Kugelhaus als „undeutsch“ und „Ausgeburt einer entarteten Technik“ diffamiert hatten.

Nach überstandener Maul- und Klauenseuche wird am 2. April der Dresdner Zoo wiedereröffnet. „Übrigens ist den Tieren diese Zeit sehr gut bekommen, weil niemand gekommen ist und sie im Übermaß oder gar mit unangebrachten Dingen gefüttert hat“, schreiben die DNN am 1. April. „ Für südamerikanische Tiere wurde ein neues Freigehege gebaut. Im Konzertgarten und auf den Terrassen der Zoogaststätte sind einige Bäume gefällt worden Der Blick ist freier – und der Mensch von heute will nicht mehr wie einst nur einen schattigen Garten. (...) Wer die Instandhaltungskosten kennt, wird verstehen, dass der Garten nicht in Richtung der Bürgerwiese erweitert werden kann.“

Auf der Felsenbühne in Rathen finden die ersten Karl-May-Festspiele statt.

Am 12. Juni stirbt der früherer Dresdner Oberbürgermeister Curt Bernhard Ottomar Blüher im Alter von 74 Jahren. Blüher kam 1909 als Jurist an das Oberverwaltungsgericht Dresden und war von 1915 bis 1931 Oberbürgermeister der Stadt. Während seiner Amtszeit erwarb er sich Verdienste um die Förderung der Technischen Hochschule sowie des Staatstheaters Dresden nach dem Ersten Weltkrieg und setzte sich für den Bau des Hygiene-Museums ein. Nach ihm sind die Blüherstraße und der Blüherpark benannt.

Am 15. Oktober wird in der Semperoper die Oper „Daphne“ von Richard Strauss uraufgeführt.

Ab 1938 rollen Doppelstockbusse durch Dresden – eine Eigenentwicklung der Straßenbahn AG. Der Kraftomnibus – ein Sattelschlepper in Doppelstockbauart – hat Platz für 100 Fahrgäste – 46 Sitz- und 54 Stehplätze – und wird zum Liebling der Dresdner. Allerdings erweist sich der 75-PS-Verrgasermotor der Opel-Blitz-Zugmaschine für den großen schweren Wagen als zu schwach auf der Brust, richtig schnell ist er nicht.

1938 werden die „Olympia-Lichtspiele“ in Strehlen und die „Park-Lichtspiele“ auf dem Weißen Hirsch eröffnet. Beide Filmtheater sind die letzten Kinos, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Dresden neu entstehen. Die gesamte technische Ausstattung der Filmtheater ist auf dem damalig modernsten Stand und unter anderem für Farbfilme konzipiert.

Mit der Komödie „13 Stühle“ mit Heinz Rühmann und Hans Moser werden am 1. Oktober die „Kammerlichtspiele“an der Wilsdruffer Straße nach einem Umbau als „Ufa Palast am Postplatz“ neu eröffnet. Mit 748 Plätzen ist es das größte Tageskino Dresdens.

125 Jahre DNN

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Am 9. November führen Nationalsozialisten vor dem Rathaus eine Kundgebung durch. Anschließend werden jüdische Geschäfte in ganz Dresden geplündert. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. brennt die Dresdner Synagoge ab. Das Feuer legen Angehörige der SA. Die Flammen breiten sich in dem Semperbau mit der Holzbestuhlung sowie über die hölzerne Kuppel schnell aus. Herbeieilenden Feuerwehrleuten wird das Löschen untersagt, sie dürfen nur die umliegenden Häuser vor dem Übergriff des Feuers schützen. Die zurückgebliebene Brandruine wird bald darauf abgerissen, ein Teil der Steine für den Straßenbau verwendet. Die Kosten für die Beseitigung der Trümmer ihres Gotteshauses muss die jüdische Gemeinde selbst tragen. Einziges überlebendes Dokument der Synagoge ist einer der beiden Davidsterne, die die Türme geziert hatten. Der mutige Dresdner Feuerwehrmann Alfred Neugebauer hatte ihn geborgen, auf seinem Dachboden versteckt und ihn nach dem Krieg 1949 an die jüdische Gemeinde Dresden übergeben.

Deutschland, Europa und die Welt

1. Januar: Juden im Deutschen Reich wird das Betreiben von Einzelhandelsgeschäften und Handwerksbetrieben, das Anbieten von Waren und Dienstleistungen untersagt. Alle jüdischen Ärzte werden aus der Ersatzkassenpraxis im Deutschen Reich ausgeschlossen, ihre ärztlichen Leistungen in der Folge nicht mehr von den Krankenkassen vergütet.

1. Januar: Aufgrund der steigenden Zahl von Verkehrsopfern treten in Deutschland neue Verkehrsregeln in Kraft. Dazu gehört vor allem das unbedingte Rechtsfahrgebot auf allen Straßen.

5. Januar: Das „Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen“ zwingt Juden in Deutschland, aus einer bestimmten, eng begrenzten Zahl „typisch jüdischer“ Vor- und Zunamen ihren Erst- oder Zweitnamen zu wählen.

16. Januar: Benny Goodman gibt sein berühmtes „Carnegie Hall Konzert“, an dem sich unter anderem Musiker der Bands von Duke Ellington und Count Basie beteiligen.

28. Januar: Auf der Autobahn Frankfurt–Darmstadt bei Mörfelden kommt der Rennfahrer Bernd Rosemeyer bei Weltrekordversuchen in einem Auto-Union-Rennwagen ums Leben. Eine Windbö erfasst den Wagen bei etwa 400 km/h und wirft ihn gegen eine Brückenböschung.

24. Februar: Das US-amerikanische Unternehmen DuPont stellt die ersten Zahnbürsten mit Nylon-Borsten her.

1. März: Das heute südkoreanische Unternehmen Samsung wird in Daegu als Lebensmittelladen gegründet.

12. März: Adolf Hitler lässt deutsche Wehrmachttruppen (rund 65 000 Soldaten) in Österreich einmarschieren. Die schwerbewaffneten Nazi-Truppen werden jubelnd begrüßt. Einen Tag später wird das „Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ verabschiedet, damit beginnt die Zeit des Nationalsozialismus in Österreich. Bei einer Volksabstimmung am 10. April stimmt laut amtlichen Angaben eine Mehrheit von 99 Prozent für den Anschluss an das Deutsche Reich.

1. April: In der Schweiz wird erstmals der Instantkaffee „Nescafé“ verkauft.

26. Mai: Grundsteinlegung für die Stadt Wolfsburg und das Volkswagen-Werk.

18. Juni: Durch den Führervorbehalt sichert sich Adolf Hitler den Erstzugriff auf beschlagnahmte Kunstwerke (auch Raubkunst) für seine Kunstsammlung „Sonderauftrag Linz“.

19. Juni: Italien gewinnt die Fußball-Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich mit 4:2 gegen Ungarn

30. September: Die Regierungschefs von Großbritannien, Frankreich, Italien und dem Deutschen Reich unterzeichnen das Münchener Abkommen. Unter Vermittlung des italienischen Diktators Benito Mussolini geben der britische Premierminister Neville Chamberlain und der französische Ministerpräsident Édouard Daladier ihre Zustimmung zur Eingliederung des Sudetenlandes in das Deutsche Reich. Die Tschechoslowakei ist zu diesem Treffen nicht eingeladen.

1. Oktober: Wehrmachttruppen marschieren in das Sudetenland ein. Gleichzeitig besetzt Polen das Olsagebiet um Teschen.

7. November: Nach dem Mord an einem Taxifahrer wird die erste Fernsehfahndung ausgestrahlt. Obwohl es zu diesem Zeitpunkt in Berlin erst 28 öffentliche „Fernsehstuben“ gibt, gehen zahlreiche Hinweise ein, der Täter wird gefasst.

8. November: Der Schweizers Maurice Bavaud scheitert mit einem Attentatsversuch beim Gedenkmarsch zur Münchner Feldherrnhalle,, weil er nicht nahe genug an Adolf Hitler herankommt.

9. November auf 10. November: Pogromnacht im Deutschen Reich. Bei der sogenannten „Reichskristallnacht“ werden Tausende jüdische Menschen festgenommen und rund 400 ermordet. Wohlhabende Juden werden zur Auswanderung gezwungen und ihr Vermögen „arisiert“ – enteignet. In ganz Deutschland werden Synagogen, Betstuben und Versammlungsorte angezündet, jüdische Geschäfte, Wohnungen und Institutionen zerstört. Am dem 10. November werden ungefähr 30 000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, wo Hunderte ermordet werden oder an den Haftfolgen sterben. Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit der NS-Machergreifung 1933 zur systematischen Verfolgung, die später in den Holocaust münden.

23. November: Die deutschen Feuerwehren werden der Polizei unterstellt. Es wird festgelegt, dass alle Feuerwehrfahrzeuge mit blauen Rundumkennleuchten und Folgetonhorn zu kennzeichnen sind.

17. Dezember: Otto Hahn und sein Assistent Fritz Straßmann entdecken im Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin die Kernspaltung des Urans, die wissenschaftliche und technologische Grundlage der Kernenergie.

30. Dezember: Das Prokofjew-Ballett „Romeo und Julia“ wird in Brünn uraufgeführt.

1938 erscheint in den USA der erste Superman-Comic, löst am 30. Oktober das Radiohörspiel „Krieg der Welten“ von Orson Welles eine Massenpanik in den Vereinigten Staaten aus, kommen die Filme „Bestie Mensch“ mit Jean Gabin und „Tanz auf dem Vulkan“ mit Gustaf Gründgens in die Kino, trällert Heinz Rühmann „Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n“ und fragt Zarah Leander „Kann denn Liebe Sünde sein?“

Geboren werden 1938 unter anderem der Tänzer Rudolf Nurejew, der Sänger und Schauspieler Adriano Celentano, der Fußballspieler- und trainer Otto Rehhagel, die Schauspieler Romy Schneider, Karin Dor, Claudia Cardinale, Natalie Wood, Götz George, Günter Schubert und der Begründer des Dresdner Brettls Friedrich-Wilhelm Junge, der Maler und Meisterfälscher Konrad Kujau und die Sänger Kenny Rogers, Joe Dassin und Heino. 1937 gibt es auch königlichen Nachwuchs – das Licht der Welt erblicken Beatrix der Niederlande und das spanische Königspaar Sophia von Griechenland und Juan Carlos I.

Gestorben sind 1938 unter anderem der Kunsthistoriker und Architekt Cornelius Gurlitt, der Redakteur, Herausgeber und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, der Bildhauer Ernst Barlach und der Schriftsteller Karel Capek.

Von Monika Löffler

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