Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1933
Thema Specials DNN-Aktionen 125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1933
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:14 25.05.2018
Auf dem Berliner Opern-Platz verbrennen die Nazis am 10. Mai 1933 Werke von Schriftstellern, die sie als „schädlich“ und „entartet“ einstufen. Bereits zwei Monate zuvor war es in Dresden zu ersten Bücherverbrennung gekommen. Auf dem Wettiner Platz loderten am 8. März die Flammen. Quelle: Archiv/AP Photo
Dresden

 Mit der Machtübernahme der NSDAP im Januar ändert sich auch in Dresden das Leben. Wie in ganz Deutschland werden unliebsame Politiker aus dem Amt getrieben, Abgeordnete der KPD und SPD verfolgt, die bestehende Landesregierung und Stadtverordnetenversammlung aufgelöst und an die Machthaber angepasst und die Medien gleichgeschaltet. Jüdische Geschäfte, Kaufhäuser, Arztpraxen oder Anwaltskanzleien werden geschlossen, ihre Eigentümer verfolgt und verhaftet. Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler verlassen das Land.

Am 25. Januar werden bei einer Versammlung in der Gaststätte „Keglerheim“ an der Ecke Friedrichstraße/Weißeritzstraße – wo regelmäßig Veranstaltungen von Arbeiterparteien und -organisationen stattfinden – neun Arbeiter von der Polizei erschossen und elf weitere verletzt. Als die Polizei versucht, die Versammlung vom „Kampfbund gegen den Faschismus“ aufzulösen, kommt es zu Tumulten, dann fallen die Schüsse. Am 31. Januar werden die Toten auf dem Johannisfriedhof Tolkewitz beigesetzt.

Am 8. März kommt es in Dresden zur ersten Bücherverbrennung in Deutschland durch Nationalsozialisten. Gegen 16 Uhr wird das Verlagsgebäude der „Dresdner Volkszeitung“ am Wettiner Platz von Sturmabteilungen (SA) besetzt. Die sozialdemokratisch geprägte Zeitung war zuvor verboten worden. Angehörige der Schutzpolizei und SA sperren den Platz ab und holen aus dem Verlagsgebäude und der im Haus befindlichen Buchhandlung Parteiliteratur, Belletristik und Zeitungen und errichten einen Scheiterhaufen. Bis in die Abendstunden lodern die Flamen.

125 Jahre DNN

Alle Artikel der DNN-Serie finden Sie im Special!

Am 14. März wird Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Külz beurlaubt und im Juli entlassen. Das liberale Stadtoberhaupt hatte abgelehnt, auf dem Rathaus die Hakenkreuzflagge zu hissen und sich lange geweigert, unliebsame Mitarbeiter und Mandatsträger zu entlassen. Die nun nationalsozialistisch geprägte Stadtverordnetenversammlung wählt Erich Zörner zum Nachfolger.

Am 13. April wird im Residenzschloss die Ausstellung „August der Starke und seine Zeit“ eröffnet. In 40 Sälen wird an dessen 200. Todestag erinnert.

Am 1. Mai wird der Theaterplatz in Adolf-Hitler-Platz umbenannt.

Am 10. Mai ziehen Studenten mit einem Fackelzug zum Bismarckturm in Räcknitz und zelebrieren dort eine Bücherverbrennung als „Feldzug gegen jüdische, marxistische, liberalistisch-zersetzende Schriften“. Die Aktion beginnt mit einer Veranstaltung im Studentenhaus, bei der Studenten in SA- und SS-Uniformen erscheinen. Im Anschluss geht es mit einem Fackelzug zur Bismarcksäule, wo Bücher ins Feuer geworfen werden. Das „Kapital“ von Marx und das „Erfurter Programm der SPD, aber auch Werke von Heinrich Mann, Erich, Kästner oder Kurt Tucholksy lodern in den Flammen.

Im Herbst ist erster Spatenstich am Königsufer. Das Neustädter Elbufer zwischen Rosengarten und Marienbrücke wird in den kommenden Jahren nach Plänen von Stadtbaurat Paul Wolf und des Dresdner Stadtgartendirektors Heinrich Balke umgestaltet – und zwar als umfassende Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für arbeitslose Dresdner. Entlang des Elbufers werden Gartenanlagen, Freitreppen und Pavillons angelegt. Erste Planungen für eine Umgestaltung gab es bereits Jahrzehnte zuvor.

1933 werden die Dresdner Frauenvereine des Stadtbundes und die Staatliche Wohlfahrtsschule in Hellerau aufgelöst

Deutschland, Europa und die Welt

30. Januar: Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler. Am Abend marschieren 15 000 Männer von SA und SS in einem Fackelzug in Berlin durch das Brandenburger Tor.

1. Februar: Auf Wunsch Hitlers löst Hindenburg den Reichstag auf.

4. Februar: Versammlungs- und Pressefreiheit werden per Notverordnung erheblich eingeschränkt.

20. Februar: Reichstagspräsident Hermann Göring lädt Wirtschaftsführer zu einem Geheimtreffen mit Hitler ein. Dieser präsentiert sein politisches Programm. Daraufhin werden der NSDAP drei Millionen Reichsmark für den Reichstagswahlkampf gespendet.

27. Februar: Der Reichstag brennt. Die Nazis nehmen das zum Anlass für politisch motivierte Massenverhaftungen. Der Niederländer Marinus van der Lubbe wird zum Schuldigen erklärt und später als Brandstifter hingerichtet.

28. Februar: Mit dem Reichstagsbrand als Begründung werden weitere Notverordnungen erlassen, die politischen Grundrechte außer Kraft setzen. Die KPD wird verboten, später auch die SPD.

5. März: Bei der letzten Reichstagswahl wird die NSDAP stärkste Partei, verfehlt aber mit 43,9 Prozent die absolute Mehrheit.

20./21. März: In Dachau bei München und in Sachsenhausen bei Berlin werden die ersten Konzentrationslager unter Aufsicht von Polizei und SA zur Internierung von politischen Gegnern eingerichtet. Drei Wochen später werden in Dachau die ersten Häftlinge ermordet.

23. März: Der Reichstag verabschiedet das Ermächtigungsgesetz. Hitlers Regierung kann nun Gesetze ohne das Parlament erlassen.

2. Mai: Die Gewerkschaften werden in Deutschland verboten. Die SA besetzt Gewerkschaftshäuser und verhaftet Mitglieder.

10. Mai: Die Nationalsozialisten vernichten bei der Bücherverbrennung auf dem Opernplatz in Berlin 20 000 Bücher missliebiger Autoren.

18. August: Bei der Eröffnung der 10. Funkausstellung in Berlin wird der erste Volksempfänger vorgestellt, der wegen der vielen Reden des Reichs-Propaganda-Ministers bald als „Goebbels-Schnauze“ bezeichnet wird.

4. Oktober: Deutschland verkündet seinen Austritt aus dem Völkerbund und den Verzicht auf weitere Abrüstungsgespräche.

15. November: Mit der Gründung der Reichskulturkammer werden alle Kulturschaffenden der Aufsicht des Reichspropagandaministeriums von Joseph Goebbels unterstellt.

29. November: Die Reichsregierung erlässt ein Gesetz zur Gleichschaltung des deutschen Handwerks. Die Selbstverwaltung war damit faktisch aufgehoben.

13. Dezember: Die Reichspressekammer untersagt für zunächst drei Monate die Gründung neuer Zeitungen und Zeitschriften.

1933 wird der Demokrat Franklin D. Roosevelt als 32. US-Präsident vereidigt und wird am Théâtre des Champs-Élysées in Paris das Ballett mit Gesang „Die sieben Todsünden“ uraufgeführt. Beim Eisenbahnunfall von Lagny werden 204 Menschen getötet und 120 weitere verletzt. Der Schnellzug Paris–Straßburg war an einem Signal auf den Zug nach Nancy aufgefahren.

Geboren werden im Jahr 1933 unter anderem der Modeschöpfer Karl Lagerfeld, der Kabarettist Emil Steinberger, die Sängerinnen Montserrat Caballé und Dalida, die Schauspieler Kim Novak, Michael Caine, Jean-Paul Belmondo, Jean-Claude Brialy, Gene Wilder und Horst Buchholz, die Künstlerin Yoko Ono, die Schriftstellerin Brigitte Reimann, der Fotograf David Hamilton, der Musiker James Brown, Fußballstar Mané Garrincha sowie die Edel-Prostituierte Rosemarie Nitribitt.

Gestorben sind 1933 unter anderem die Frauenrechtlerin Clara Zetkin, der Antifaschist Emerich Ambros, der Hellseher Erik Jan Hanussen und der Leiter des Botanischen Gartens in Dresden Carl Oscar Drude.

Von Monika Löffler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, zurückzuschauen in die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt. Heute widmen wir uns dem Jahr 1932.

22.05.2018

1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, zurückzuschauen in die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt. Heute widmen wir uns dem Jahr 1931.

22.05.2018

1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, zurückzuschauen in die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt. Heute widmen wir uns dem Jahr 1930.

22.05.2018