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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1931
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08:29 22.05.2018
Aufgrund der katastrophalen Auswirkungen der Geldknappheit stehen im Juli 1931 Tausende Menschen vor dem Berliner Postscheckamt, um ihr Guthaben abzuheben. Quelle: Archivbild
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Dresden

1931/1932: Die Wirtschaftskrise in Deutschland erreicht ihren Höhepunkt. Es gibt 70.000 Konkurse und sechs Millionen Arbeitslose. Auch in Dresden steigt die Zahl der Arbeitslosen extrem an. Im Januar sind 84.400 Menschen ohne Arbeit – im Januar 1929 waren es knapp 39.000, im Juli 1929 rund 27.000.

Am 31. März endet die 16-jährige Amtszeit von Bernhard Blüher als Oberbürgermeister der Stadt Dresden. Er hatte sein Amt am 1. Oktober 1915 angetreten. Blüher, Mitglied der Deutschen Volkspartei, gilt als sehr sozial, kämpft gegen Arbeitslosigkeit, erweitert Alten- und Pflegeheime und bemüht sich um eine leistungsfähige Stadtverwaltung. In seine Amtszeit fallen zahlreiche Bauvorhaben von Wohnungsgenossenschaften. Neben seinem Engagement für den Bau des Deutschen Hygiene-Museums setzt er sich in hohem Maße für die Technische Hochschule sowie das Staatstheater Dresden ein. Aufgrund seiner Verdienste um die Stadt wählte ihn das Stadtverordnetenkollegium im Juni 1918 zum Oberbürgermeister auf Lebenszeit. Blüher bittet aber selbst um die Versetzung in den Ruhestand.

Nachfolger wird Dr. Wilhelm Külz. Der Liberale wird am 9. Februar mit 36 von 70 abgegebenen Stimmen im Stadtverordnetenkollegium zum neuen Oberbürgermeister von Dresden gewählt.

125 Jahre DNN

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Freital feiert 1931 seinen 10. Geburtstag. Am 1. Oktober 1921 trat der von den Gemeindevorstehern von Deuben, Döhlen und Potschappel im Rathaus Döhlen unterzeichnete Gründungsvertrag der Stadt Freital in Kraft. Die Gemeinden hatten sich im Zuge der Industrialisierung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu bedeutenden Industriestandorten entwickelt. Dann stagnierte der Aufschwung – zehn Jahre später geht es Freital nicht mehr gut. Die Stadt hat rund sieben Millionen Mark Schulden, das geringste Steueraufkommen und mit Pirna die höchste Arbeitslosenquote in Sachsen. In dieser Zeit diskutieren die Freitaler Stadträte über eine Vereinigung mit Dresden. Es finden sogar Sondierungsgespräche statt. Die Pläne scheitern aber – Freital bleibt selbstständig.

Am 12. September stirbt in Dresden die Malerin Lili Elbe – als Einar Mogens Andreas Wegener 1882 in Dänemark geboren –, einer der ersten intersexuellen Menschen, die sich 1930/31 geschlechtsangleichenden Operationen unterzogen. 1931 überschlugen sich die Zeitungen darüber mit ihren Schlagzeilen. Lili Elbe lässt sich zuerst in Berlin und dann noch drei Mal in Dresden operieren. Einige Monate nach der vierten Operation kommt es zu Komplikationen, wahrscheinlich aufgrund einer Transplantatabstoßung, an denen Lili Elbe stirbt. Sie wird auf dem Dresdner Trinitatisfriedhof beigesetzt.

Im Frühjahr gründet sich „Die Neue Dresdner Sezession“, eine Künstlergruppe um Pol Cassel, Bernhard Kretzschmar und Hermann Theodor Richter. Die Gruppe will aktiv in den Kunstgremien der Stadt Dresden mitarbeiten. Oberbürgermeister Wilhelm Külz lässt eine entsprechende Anfrage allerdings abschlägig beantworten, da die „Kunstsachverständigen ... persönlich und ohne Rücksicht auf die Zugehörigkeit zu einer Künstlergruppe gewählt“ werden. Mehrere Mitglieder schließen sich 1932 der „Dresdner Sezession“ an.

Deutschland, Europa und die Welt

18. März: Der erste Elektrorasierer kommt auf den Markt.

14. April: In Spanien wird die Republik ausgerufen – die zweite in der Geschichte des Landes. König Alfons XIII. geht ins Exil außer Landes.

1. Mai: Das Empire State Building in New York City wird von US-Präsident Herbert Hoover eröffnet. Das Gebäude ist mit 381 Metern das höchste der Welt, bis es 1972 durch das World Trade Center – ebenfalls in New York – diesen Status verliert.

11. Mai: Im Ufa-Palast am Zoo in Berlin erfolgt die Uraufführung des Films „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang und Thea von Harbou mit Peter Lorre in der Titelrolle. Der Film wird zu einem Publikumserfolg, erhält jedoch gemischte Kritiken von der Presse.

6. Juni: Der Münchner „Glaspalast“ wird durch Brandstiftung ein Raub der Flammen. 3000 Gemälde einschließlich der kompletten Werke der Sonderausstellung Deutsche Romantiker verbrennen mit dem Ausstellungsgebäude.

13. Juli: Die Zahlungsunfähigkeit der Darmstädter und Nationalbank verursacht eine Krise, der anschließend mehrere kleinere Banken zum Opfer fallen. Es kommt zur Anordnung mehrerer allgemeiner „Bankfeiertage“ in Deutschland, um einem Ansturm verunsicherter Kunden zwecks Rückzahlung ihrer Einlagen vorzubeugen. Erst im August wird der Zahlungsverkehr wieder freigegeben.

17./18. Oktober: Adolf Hitler demonstriert mit einem Massenaufmarsch von 100 000 Mann in Braunschweig.

6. November: In der deutschen Bankenkrise werden durch eine Notverordnung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg die Sparkassen mit der Rechtsform Anstalt des öffentlichen Rechts ausgestaltet. Ihr Vermögen ist vom – zumeist kommunalen – Gewährträger zu trennen, das Institut darf ihm nur begrenzt Kommunalkredit gewähren.

2. Dezember: In Berlin wird der Film „Emil und die Detektive“ nach dem gleichnamigen Roman von Erich Kästner uraufgeführt.

11. Dezember: Das britische Parlament erlässt das Statut von Westminster, das den Dominions im British Commonwealth of Nations weitgehende gesetzgeberische Unabhängigkeit einräumt. Damit werden Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, Neufundland (seit 1949 Teil Kanadas) und der Irische Freistaat (später: Republik Irland) souveräne Staaten.

1931 entwickelt der Physiker Ernest Orlando Lawrence das Zyklotron und legt damit die Grundlage für die moderne Hochenergiephysik, entdeckt der Chemiker Harold C. Urey das Deuterium, den schweren Wasserstoff, und erfindet der Unternehmer Arist Dethleffs unter der Bezeichnung „Wohnauto“ den ersten Wohnwagen.

Geboren werden 1931 die Politiker Michail Gorbatschow, Johannes Rau, Boris Jelzin, die Sänger Caterina Valente und Freddy Quinn, der Radsportler Gustav-Adolf Schur, der Schriftsteller Rudi Strahl, der Zeichner und Illustrator Tomi Ungerer, die Schauspieler Leslie Caron, Annie Girardot, Monica Vitti, Anita Ekberg, James Dean, Larry Hagman sowie William Shatner und Leonard Nimoy – Spock und Kirk von der Enterprise.

Gestorben sind 1931 unter anderem die Tänzerin Anna Pawlowa, der Erfinder Thomas Alva Edison, der Schriftsteller Arthur Schnitzler und der Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau.

Von Monika Löffler

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