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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1923
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07:50 18.04.2018
Mutter Augustina gründet die Ordensgemeinschaft der Nazarethschwestern. 1945 wird die Ordensgründerin in ihrem Kloster in Goppeln erschossen. Quelle: Archiv/ Bild von F. J. Selbach (1948)
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Dresden

 Deutschlands Wirtschaft liegt nach dem Krieg am Boden, der Staat ist pleite. Das deutsche Reich steht nicht nur bei den Siegermächten durch enorme Schadenersatzforderungen in der Kreide, sondern auch bei der eigenen Bevölkerung. In sogenannten Kriegsanleihen hatte der einfache Mann dem Staat millionenfach Geld für die Kriegskosten vorgestreckt. Um den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, wird die Notenpresse angeworfen. Die Regierung bringt immer mehr Geld in Umlauf, das bald immer weniger wert ist, da es dafür keine materiellen Gegenwerte gibt. Deutschland gerät in den Strudel einer dramatischen Geldentwertung. So kostet im November ein Kilogramm Brot rund 233 Milliarden Reichsmark.

In vielen Städten, auch in Dresden, kommt es zu sogenannten „Hunger- oder Teuerungsunruhen“. Tausende Menschen gehen beim Kampf um das tägliche Brot auf die Straße. Bei den Auseinandersetzungen mit der Polizei gibt es auf beiden Seiten Verletzte. So im März bei Massenprotesten in der Dresdner Altstadt. Auch im Mai setzt die Polizei Gummiknüppel gegen Demonstranten ein, die die Schließung von Hotels und Restaurants fordern. Am 28. Mai sperren Demonstranten die Hauptmarkthalle in Friedrichstadt und bewachen den Wettiner Bahnhof. Berittene Polizei löst einen Demonstrationszug am Wiener Platz auf, dabei kommt es zu Tumulten. Beamte werden mit Steinen beworfen, Reichswehrsoldaten aus den Straßenbahnen geholt, misshandelt und entwaffnet, danach das Polizeipräsidium angegriffen. Beim Schusswechsel erleiden zwei Demonstranten und ein Polizist Verletzungen. Im September werden bei schweren Zusammenstößen in Dresden 13 Demonstranten verletzt. In anderen Städten fordern die Auseinandersetzungen sogar Todesopfer.

Am 21. März 1923 wird Erich Zeigner zum dritten Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen gewählt. Nachdem der SPD-Politiker zwei Mitglieder der KPD in seine Regierung aufnimmt, werden er und die Regierung am 29. Oktober durch Reichspräsident Friedrich Ebert unter Anwendung der Reichsexekution abgesetzt. Am 21. November wird Zeigner festgenommen und im Frühjahr 1924 wegen „Bestechlichkeit und Aktenunterschlagung“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Im 1925 wird er auf Bewährung entlassen.

125 Jahre DNN

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Am 31. Mai findet die Einweihung des Ernemannturmes statt. Im Zuge der Errichtung der Gebäude für die Ernemann-Werke AG an der Schandauer Straße wurde auch der Turm errichtet. Mit seinen 48 Metern Höhe ist er eines der Wahrzeichen von Striesen und gehört unzertrennlich zur Geschichte von Dresden als Standort der Kameraindustrie.

Am 8. Oktober erfolgt die Einweihung des Stadthauses an der Theaterstraße. Es wurde im seltenen expressionistischen Baustil – durchmischt mit traditionellen Stilelementen – errichtet. In dem Gebäude befinden sich mehrere städtische Ämter, die Straßenbahndirektion sowie eine Bücherei mit Lesesaal. 1928/1929 entsteht ein Erweiterungsbau.

Maria Katharina Clara Schuhmacher kommt nach Dresden, gründet hier die Ordensgemeinschaft Nazarethschwestern und nimmt den Namen Mutter Augustina an. Die Gemeinschaft beginnt ihre Arbeit im Sidonienheim, 1924 gründet sie auf der Ferdinandstraße ein Heim für Familienfürsorge, in dem Kinder bei Erkrankung oder Niederkunft der Mutter betreut wurden. 1925 ziehen die Nazarethschwestern auf einen Bauernhof nach Goppeln und betreiben dort ein Kinderheim. Mutter Augustina wird am 8. Mai 1945 an der Klosterforte in Goppeln von einem betrunkenen russischen Soldaten erschossen.

Am 21. März wird die „Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrts-Aktiengesellschaft“ (SBDA) gegründet

Im Juli findet in Dresden das 32. Bundesfest des Sächsischen Radfahrer-Bundes statt.

1923 wird der Friedhof Dölzschen eröffnet. Zuvor mussten die Verstorbenen auf entfernten Friedhöfen beerdigt werden, da der Ort keine eigene Kirche besaß. Als 1923 die erste Bestattung auf dem kleinen Friedhof stattfindet, besitzt er noch keine Trauer- beziehungsweise Feierhalle. Eine kleine Kapelle entstand aus Geldknappheit erst ab 1927.

Deutschland, Europa und die Welt

2. Januar: Konferenz über die durch die Weimarer Republik zu leistenden Reparationszahlungen. Im Konflikt um die Zahlungen beginnen französische und belgische Truppen einige Tage später mit der Besetzung des Ruhrgebiets.

16. Februar: Mit dem von Gustav Radbruch entworfenen Jugendgerichtsgesetz wird in Deutschland erstmals ein gesondertes Jugendstrafrecht eingeführt.

3. März: Die Erstausgabe des US-Nachrichtenmagazins TIME erscheint.

26. April: Der britische König Georg VI. heiratet Elizabeth Bowes-Lyon. Als „Queen Mum“ genießt sie bis zu ihrem Tod auch weiterhin große Sympathie.

28. April: Das Wembley-Stadion in London wird mit dem Cupfinale zwischen West Ham United und den Bolton Wanderers eröffnet

2. August: Sturz von Reichskanzler Wilhelm Cuno und seiner Regierung. Nachfolger wird am 13. August Gustav Stresemann (DVP). Seine Regierungszeit dauert nur wenige Monate.

Vom 15. August bis 30. September findet in Weimar die erste Bauhaus-Ausstellung statt.

1. September: Ein Erdbeben und daraus resultierende Brände zerstören die japanische Hafenstadt Yokohama und Teile Tokios. Rund 143 000 Menschen kommen ums Leben.

29. Oktober: Der deutsche Rundfunk wird offiziell gestartet.

29. Oktober: Die Nationalregierung unter Mustafa Kemal Atatürk ruft die Republik Türkei aus. Neue Hauptstadt wird Ankara.

16. Oktober: John Harwood beantragt in der Schweiz ein Patent für die von ihm erfundene automatische Armbanduhr.

8. November: Adolf Hitler besetzt mit Erich Ludendorff, Hermann Göring und anderen Nationalsozialisten den Bürgerbräukeller in München und verkündet, die „nationale Revolution“ sei ausgebrochen.

9. November: Hitler und seine Anhänger stürmen die Feldherrnhalle in München. Der Marsch wird blutig gestoppt, 16 Putschisten und vier Polizisten werden getötet.

15. November: In Deutschland wird zur Bekämpfung der Hyperinflation die Rentenmark eingeführt, um mit Hilfe dieses Provisoriums den Kursverfall der deutschen Währung gegenüber dem US-Dollar zu stoppen.

7. Dezember: Edwin Hubble beweist anhand des Andromedanebels die Existenz von Himmelskörpern, die außerhalb unserer Milchstraße liegen.

8. Dezember: Die Uraufführung von Bertolt Brechts Stück „Baal“ am Leipziger Alten Theater löst einen Skandal aus. Das Drama wird auf Drängen des Oberbürgermeisters abgesetzt.

1923 gründen die Brüder Walt und Roy Disney in Kalifornien das „Disney Brothers Cartoon Studio“ und Sattlermeister Guccio Gucci in einer kleinen Werkstatt in Florenz das Unternehmen „Gucci“.

Geboren werden 1923 unter anderem die Politiker und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres und Henry Kissinger, Fürst Rainier III. von Monaco, der Zeichner, Schauspieler und Regisseur Loriot, die Sängerin Maria Callas, die Schauspieler Inge Keller, Horst Tappert und Charlton Heston, „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein und der Pantomime Marcel Marceau .

Gestorben sind 1923 unter anderem der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen, der Ingenieur Gustave Eiffel und der Schriftsteller Jaroslav Hašek.

Von Monika Löffler

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