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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1918
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11:05 31.03.2018
Und Tschüss. „Machd doch euern Drägg alleene!“ Dieser legendäre Ausspruch des letzten sächsischen Königs ist historisch nicht sicher belegt. Sicher ist, dass er abdankte. Quelle: Archiv
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Dresden

 Am 25. Mai feiert König Friedrich August III. mit Glanz und Gloria seinen 53. Geburtstag. Es ist der letzte Geburtstag, den ein sächsischer Regent mit viel Prunk in aller Öffentlichkeit begeht: Im November geht nach über 800 Jahren die Herrschaft des Hauses Wettin zu Ende. Aus dem Königreich Sachsen wird ein Freistaat.

Nach der Meuterei der Marine im Norden und Aufständen in Berlin bricht kurz vor Unterzeichnung des Waffenstillstands auch in Dresden die Revolution aus. Am 8. November werden Kasernen in der Albertstadt besetzt und ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet. Unter Führung der Linksradikalen und Unabhängigen Sozialdemokraten werden öffentliche Gebäude besetzt. Es kommt zu einer Massendemonstration auf dem Altmarkt.

Friedrich August III. verlässt das Dresdner Residenzschloss. Den Vorschlag, die Aufstände mit noch königstreuen Truppenteilen niederzuschlagen, lehnte er mit der Begründung ab, er werde den gerade zu Ende gehenden Krieg nicht auf der Schlossstraße fortsetzen. Am 13. November dankt er mit dem oft zitierten, aber wohl von ihm so nie gesagten Spruch „„Machd doch euern Drägg alleene!“ ab und zieht sich auf seinen Alterssitz „Sibyllenort“ bei Breslau zurück. Am 14. November konstituiert sich in Dresden der „Rat der Volksbeauftragten“ unter Führung von Richard Lipinski von der Unabhängigen Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) aus jeweils drei SPD- und USPD-Vertretern, der am folgenden Tag die königlich-sächsische Regierung ablöst.

Am 27. Dezember beschließt die Landesversammlung der Arbeiter- und Soldatenräte allgemeine Wahlen zur Volkskammer am 2. Februar 1919.

125 Jahre DNN

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Am 22. September ereignet sich im Neustädter Bahnhof das schwerste Eisenbahnunglück der sächsischen Eisenbahngeschichte: Am Abend prallen zwei D-Züge aufeinander. Das Unglück fordert 38 Tote und 118 Verletzte. Einer der Lokomotivführer war farbenblind, was nicht bekannt war und sich erst bei den nachfolgenden Ermittlungen herausstellte. Er hatte ein Lichtsignal falsch gedeutet. Er verwechselte rotes und grünes Licht.

Die „Königlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur Meissen“ wird im Zuge der verfassungsmäßigen Erneuerung des staatlichen Eigentums in „Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen“ umbenannt.

Deutschland, Europa und die Welt

Der erste Weltkrieg geht ins fünfte Jahr. Der Herbst bringt Europa das ersehnte Kriegsende. Rund zehn Millionen Soldaten haben ihr Leben gelassen, die Bevölkerung leidet Hunger und bittere Not. Die Kriegsfolgen sind gravierend. Österreich-Ungarn und das deutsche Kaiserreich brechen zusammen, Kaiser Wilhelm II. dankt ab, mit ihm weitere Landesfürsten. Das Kaiserreich wird zur Weimarer Republik. Ganz Europa verändert sich. Im turbulenten Zeitgeschehen entsteht ein unabhängiger Staat nach dem anderen.

Im Januar erschüttern Streiks ganz Deutschland. Über eine Million Arbeiter fordern bessere Lebensbedingungen, bessere Arbeitsbedingungen, ein Ende des Ersten Weltkriegs und eine Demokratisierung der Verfassung des Kaiserreiches.

3. März: Ein Friedensvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Russland wird unterzeichnet.

21. März: Beginn der deutschen Frühjahrsoffensive (Unternehmen Michael) an der Westfront. Nach großen Anfangserfolgen versandet sie Anfang April. Weitere deutsche Durchbruchsversuche bis Mitte Juli bleiben ebenfalls erfolglos.

12. März: Die sowjetrussische Regierung zieht in den Moskauer Kreml, womit Sankt Petersburg nach rund 200 Jahren als Hauptstadt Russlands wieder von Moskau abgelöst wird.

Im Frühjahr tritt erstmals die sogenannte „Spanische Grippe“ auf. Bis Ende des Jahres, vor allem im Herbst und Winter, sterben weltweit zwischen 25 Millionen und 50 Millionen Menschen. Manche schätzen die Zahl der Verstorbenen deutlich höher. Die genaue Zahl lässt sich nicht mehr ermitteln, da auch entlegene Regionen davon betroffen waren und in einigen Ländern aufgrund der Kriegswirren die Zahl der an der Grippe Verstorbenen nicht zuverlässig erfasst wurde.

17. Juli: In Jekaterinburg wird die Zarenfamilie erschossen

3. Oktober: Prinz Max von Baden wird deutscher Reichskanzler. In seiner Regierung sind erstmals Mitglieder der Mehrheitsparteien des Reichstags vertreten.

28. Oktober: Der deutsche Reichstag beschließt die Oktoberverfassung.

28. Oktober: Staatsgründung der Tschechoslowakei und Ausrufung der Ersten Tschechoslowakischen Republik.

29. Oktober: Der Beschluss der deutschen Marineleitung, „in letzter Minute“ noch eine Entscheidungsschlacht gegen die Royal Navy zu suchen, löst den Kieler Matrosenaufstand aus. Daraus entwickelt sich die Novemberrevolution, in ganz Deutschland entstehen Arbeiter- und Soldatenräte.

31. Oktober: Die österreichisch-ungarische Monarchie endet durch den Austritt Ungarns.

2. November: Bayerns Landtag und die Staatsregierung vereinbaren mit Zustimmung von König Ludwig III. verbindlich die Umwandlung des Königreichs Bayern von einer konstitutionellen zu einer parlamentarischen Monarchie. Am 8. November wird der Freistaat Bayern ausgerufen.

9. November: Im Berlin ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Republik aus. Kurz darauf proklamiert Karl Liebknecht, der Führer des Spartakusbunds, die Räterepublik. Kaiser Wilhelm II. wird durch Max von Baden eigenmächtig abgesetzt. Er überträgt die Geschäfte des Reichskanzlers an Friedrich Ebert (SPD). Das Deutsche Reich wird Republik („Weimarer Republik“)

10. November: Der Rat der Volksbeauftragten übernimmt unter dem Vorsitz von Friedrich Ebert (SPD) und Hugo Haase (USPD) die Regierungsgeschäfte.

11. November: Mit Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens von Compiègne zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich endet der Erste Weltkrieg.

11. November: Polen wird unabhängig.

12. November: Frauen erlangen in Deutschland das Wahlrecht

16. November: In Ungarn wird die Republik ausgerufen.

28. November: Kaiser Wilhelm II. verzichtet in einer Erklärung auf seine Rechte als König von Preußen und Kaiser des Deutschen Reichs.

1. Dezember: Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen wird gegründet.

24. Dezember: In Berlin erreichen die Weihnachtskämpfe ihren Höhepunkt. Regierungstreue Einheiten gehen gegen die Volksmarinedivision vor, die sich im Berliner Stadtschloss einquartiert hat.

1918 werden in der Sowjetunion Großindustrie und Eisenbahnen verstaatlicht.

Geboren werden 1918 unter anderem die Politiker, Helmut Schmidt, Kurt Waldheim, Gamal Abdel Nasser und Nelson Mandela, der Komponist Leonard Bernstein, der Regisseur Ingmar Bergman, Filmproduzent Artur Brauner und die Schauspieler Rita Hayworth, Werner Peters und Peter Herden.

Gestorben sind 1918 unter anderem der Maler Gustav Klimt, der Schriftsteller und Schauspieler Frank Wedekind und der Komponist Claude Debussy.

Von Monika Löffler

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