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125 Jahre DNN Dresden und die Welt im Jahr 1917
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10:01 28.03.2018
Bei der Dresdner Straßenbahn kommen kriegsbedingt erstmals Frauen als Schaffnerinnen oder Fahrerinnen zum Einsatz. Quelle: Archiv DVB
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Dresden

 Auf den Schlachtfeldern tobt weiter der Krieg, Millionen sterben, im Hinterland herrscht Hunger und Elend. Die Knappheit an Lebensmitteln, Heizmaterial und die ständigen Preissteigerungen bringen die Menschen in bitterste Not. Der sogenannte Kohlrübenwinter hat Dresden fest im Griff. Die Brotrationen werden auf 170 Gramm pro Tag gekürzt – auch Kartoffeln werden knapp.

Wegen mangelnder Versorgung mit Kohle – die Stadt erhält keinen Nachschub – erhalten die Kinder wochenlang „Kälteferien“. Die Stadt richtet in vielen Schulen Wärmehallen ein. Der eisige Winter dauert bis Ende April. Theater und Kinos bleiben geschlossen. Ab April gilt ein Kuchenbackverbot für Bäckereien und Cafes.

Am 1. März erscheint eine amtliche Bekanntmachung, die Einzelheiten zu Beschlagnahmung, Enteignung sowie zur freiwilligen Ablieferung von Glocken aus Bronze enthält, das gilt auch für Zinnpfeifen aus Kirchenorgeln. In Dresden sind 60 Glocken betroffen – auch die Frauenkirche verliert zwei Stück. Ausgenommen von der Glockenenteignung sind die Kreuz-, die Hof- und die Versöhnungskirche.

125 Jahre DNN

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Der Material- und Personalmangel wirkt sich auch auf den Straßenbahnbetrieb aus. Die Bahnen verkehren nur noch eingeschränkt oder Linien werden ganz eingestellt. Ein Problem ist auch die Einberufung einer großen Anzahl ausgebildeter Arbeitskräfte. Zur Aufrechterhaltung des Betriebes werden erstmals im großen Umfang Frauen beschäftigt. Sie werden vor allem als Schaffnerinnen aber später auch als Fahrerinnen und in den Werkstätten eingesetzt.

Am 1. Mai findet in Freital-Potschappel eine Antikriegsdemonstration des Jugendbildungsvereins der Dresdner Arbeiterschaft unter Leitung von Wella Henker und Gertrud Grübler statt. Wella Henker wird verhaftet. Arbeiter stürmten die Wache in der Osterbergstraße und befreien sie.

Trotz Millionen Toter erreicht der Weltkrieg eine neue Dimension: Anspannung an den Heimatfronten, Meutereien in den Schützengräben, Hoffnungen auf neue Führer, das Ende des Zarenreiches – das vierte Kriegsjahr schafft eine neue Weltordnung. Das Jahr bringt große Kriegsmüdigkeit, zugleich aber auch neue Hoffnungen auf den Sieg, auf beiden Seiten der Front. Diese Hoffnungen sind auch ein Grund, dass es zu keinen ernsthaften Friedensbemühungen kommt, trotz der unermesslichen Verluste an Menschenleben. Anfang April treten die USA in den Weltkrieg ein. Fast gleichzeitig reist Lenin nach Russland, um dort die Revolution zu beginnen. Ökonomisch nähert sich Russland dem Zusammenbruch. Der Zar muss abdanken, eine provisorische, bürgerlich orientierte Regierung scheitert, die sogenannte Oktoberrevolution bringt dann die Bolschewiki an die Macht.

Auch in Deutschland wird die Lage immer prekärer. Unter dem Motto „Gold gab ich für Eisen“ erfolgt die patriotisch begründete Sammlung von Edelmetallen auf freiwilliger Basis. Ziel dieser Goldsammlungen ist vor allem die Gewinnung von Devisen zur Finanzierung des Krieges. Darüber hinaus wird die Bevölkerung in reichsweiten Sammlungen zur Herausgabe von Hausgerätschaften aus Kupfer, Messing, Bronze und Zinn genötigt. Per Verordnung vom 5. Januar 1917 haben Gastwirtschaften und Privathaushalte sämtliche zinnernen Bierkrüge oder zinnernen Deckelmonturen abzuliefern.

Deutschland, Europa und die Welt

Am 24. Juli beginnt in Paris der Prozess gegen die Tänzerin Mata Hari. Einen Tag später wird sie wegen Doppelspionage und Hochverrats von den Richtern eines französischen Militärgerichts zum Tode verurteilt und am 15. Oktober 1917 hingerichtet

1. April: Dänemark verkauft nach einer Volksabstimmung die Kolonie Dänisch-Westindien an den Kleinen Antillen für 25 Millionen US-Dollar an die Vereinigten Staaten, die diese in Amerikanische Jungferninseln umbenennt.

1. März: Mit dem ersten von insgesamt vier Teilen von „Es werde Licht!“ unter der Regie von Richard Oswald kommt der erste Aufklärungsfilm in die Kinos und erhält positive Resonanz beim breiten Publikum und der nichtbürgerlichen Kritik. Erzkonservative und militärische Kreise bekämpfen das Werk hingegen auf das Schärfste.

13. Mai: Die drei Kinder Lúcia dos Santos, Jacinta und Francisco Marto haben im portugiesischen Fátima angeblich eine Marienerscheinung, der bis zum 13. Oktober noch vier weitere folgen.

4. Juni: An der Columbia University wird erstmals der vom Journalisten und Zeitungsverleger Joseph Pulitzer gestiftete Pulitzer-Preis, eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Journalismus und Literatur in den Vereinigten Staaten, verliehen.

1. Juli: Nach einem Militärputsch wird der mittlerweile elfjährige Puyi in der Verbotenen Stadt zum zweiten Mal zum Kaiser von China gekrönt. Nach zwölf Tagen ist dieser Restaurationsversuch jedoch bereits wieder beendet.

17. Juli: Aufgrund der anti-deutschen Stimmung während des Ersten Weltkrieges legt der britische König George V. seinen Familiennamen Sachsen-Coburg und Gotha ab und nennt sich fortan Windsor.

29. Oktober: Der Berliner Oberturnwart Max Heiser gibt dem von ihm 1915 für Frauen entworfenen „Torballspiel“ feste Regeln und benennt das Spiel in Handball um.

6. Dezember: Der Landtag in Helsinki erklärt die Unabhängigkeit Finnlands von Russland.

6. Dezember: Im Hafen von Halifax an der kanadischen Ostküste ereignet sich die bislang größte unfallbedingt von Menschen verursachte Explosion. Dabei kollidiert der französische Munitionsfrachter Mont Blanc mit dem norwegischen Schiff Imo, gerät in Brand und explodierte. Bei dem Unglück werden rund 2000 Personen getötet und viele weitere Tausend verletzt.

13. Dezember: Die Deutsche Luft-Reederei, eine Vorläuferfirma der Lufthansa, wird gegründet.

22. Dezember: Der Normenausschuss der deutschen Industrie (Vorläufer des DIN) wird gegründet.

Der US-Amerikaner Eugene Clark stellt 1917 den ersten Gabelstapler her.

Geboren werden 1917 unter anderem die ehemalige indische Premierministerin Indira Gandhi und Ex-US-Präsident John F. Kennedy, der Opernregisseur und Bühnenbildner Wieland Wagner, die Jazz-Sängerin Ella Fitzgerald, der Schriftsteller Heinrich Böll und die Schauspieler Zsa Zsa Gabor, Danielle Darrieux, Raymond Burr, Dean Martin, Bourvil und Robert Mitchum.

Gestorben sind 1917 unter anderem der Luftschiffkonstrukteur Ferdinand Graf von Zeppelin, die Maler und Bildhauer Edgar Degas und Auguste Rodin und der Bisonjäger und Schriftsteller William Frederick Cody, bekannt als Buffalo Bill.

Von Monika Löffler

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