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125 Jahre DNN Dresden und die Region im Jahr 1989
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06:16 08.12.2018
Das Archivbild vom 11.11.1989 zeigt jubelnde Menschen, die mit Wunderkerzen auf der Berliner Mauer sitzen. Quelle: dpa
Dresden

Das Jahr 1989 beginnt wie jedes andere auch, dann überschlagen sich die Ereignisse – dem heißen Sommer folgt ein noch heißerer Herbst und am Ende ist nichts mehr, wie es war.

Die Spannungen zwischen Partei-und Staatsführung nehmen zu – Proteste werden öffentlicher. Das zeigte sich bei den vielfältigen Aktionen gegen den Bau des umweltgefährdenden Reinstsiliziumwerk in Gittersee, bei der von der Stasi überwachten und mehrfach verschobenen, von den Dresdnern aber bejubelten Uraufführung von Christoph Heins „Die Ritter der Tafelrunde“ im Schauspielhaus oder dem „Trommeln für China“, wo Jugendliche in der Kreuzkirche gegen das Massaker auf dem Pekinger „Platz des himmlischen Friedens“ protestierten.

Spätestens zur Kommunalwahl am 7. Mai sind die Diskrepanzen nicht mehr zu übersehen. Bereits vor der Wahl werden bei „Volksaussprachen“ mit den Kandidaten der „Nationalen Front“ kommunale Missstände und das undemokratische Wahlverfahren angeprangert. Die Synode der sächsischen Landeskirche solidarisiert sich mit den Wahlkritikern und ruft zum Boykott der Kommunalwahlen am 7. Mai beziehungsweise zur in der DDR unüblichen, weil “verdächtigen“ Nutzung der Wahlkabine auf.

Erstmals versammeln sich nach der Schließung der Wahllokale oppositionelle Gruppen, um die Auszählung der Stimmen zu beobachten und bestätigten, dass die Stimmenauszählung manipuliert wird. Die erstmals bewiesene Wahlfälschung stärkt die Oppositionsbewegung.

Der DDR laufen die Menschen weg: Immer mehr verlassen das Land, suchen Zuflucht in westlichen Botschaften in Osteuropa. Ungarn öffnet die Grenzen zu Österreich – Tausende DDR-Bürgen hauen ab. Andere flüchten in die Botschaft der BRD in Prag. Die Botschaftsflüchtlinge dürfen nach Verhandlungen in die BRD ausreisen, allerdings über DDR-Gebiet, das fordert das SED-Regime.

Dynamo Dresden erringt in der Saison 1988/89 den Meistertitel - v.r.: Matthias Sammer, Ulf Kirsten, Jörg Stübner und Martin Kirchner; 03. Juni 1989l Quelle: Dehli-News / Frank Dehlis

Am 3. Oktober stürmen etwa 800 Menschen den Hauptbahnhof, nachdem sie erfahren haben, dass die Züge mit den Ausreisewilligen durch Dresden fahren sollen. Es kommt zu einer Straßenschlacht mit der überforderten Polizei. Der pass- und visafreie Verkehr zwischen der DDR und der Tschechoslowakei wird mit sofortiger Wirkung ausgesetzt und verschärft die angespannte Situation.

In der Nacht vom 4. zum 5. Oktober durchfahren die Sonderzüge mit den „Botschaftsflüchtlingen“ den Bahnhof, der geräumt und gesperrt wird. Wieder gibt es schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei, zahlreiche Verhaftungen und erheblichen Sachschaden. Die Polizei setzt Wasserwerfer und Tränengas gegen die „antisozialistische Ausschreitungen von Rowdys“ ein, berichten die Medien.

Die Staatsmacht wankt. Trotzdem feiert die SED-Führung in Berlin unbeirrt den 40. DDR-Geburtstag – es sollte der Letzte sein.

Nach mehreren Tagen mit Demonstrationen und zum Teil gewaltvollen Auseinandersetzungen und Festnahmen werden am Abend des 8. Oktober Hunderte Dresdner auf der Prager Straße eingekesselt. Den anwesenden Kaplänen Frank Richter und Andreas Leuschner gelingt es, den Polizei-Einsatzleiter Detlef Pappermann von einem gewaltfreien Dialog zu überzeugen. Verabredet wird ein Gespräch mit einer Abordnung von Demonstranten für den nächsten Vormittag mit Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer. Die Demonstranten bestimmten kurz nach 21 Uhr aus ihrer Mitte 20 Personen, die am kommenden Tag mit Berghofer sprechen sollen – die „Gruppe der 20“.

9. Oktober: Erstes Rathausgespräch zwischen Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer und der „Gruppe der 20“. Anschließend werden rund 22 000 Besucher in vier Dresdner Kirchen über das Gespräch informiert.

10. Oktober: In der Tageszeitung „Die Union“ erscheint der Artikel „Es ist möglich, miteinander zu reden“ - ein erster Schritt in Richtung Pressefreiheit.

Bei zweiten „Rathausgespräch“ am 16. Oktober schlägt Berghofer vor, in der Stadtverordnetenversammlung thematische „Zeitweilige Arbeitsgruppen“ einzurichten, in denen die Dresdner Bürger mitarbeiten können. Die Gespräche gehen weiter.

Um eine Legitimation der „Gruppe der 20“ nach außen sichtbar zu machen, wird am 19. Oktober die „1-Mark-Aktion“ gestartet. Alle, die die Gruppe unterstützen, werden aufgefordert eine Mark auf ein Konto zu überweisen. Schon nach kurzer Zeit befinden sich darauf 100 000 Mark. Es werden auch Zettel verteilt, auf denen Bürger der Gruppe eine Vollmacht für ihre Vertretung erteilen können.

Am 23./26. Oktober gibt es Großkundgebungen auf dem Theaterplatz (50.000 Teilnehmer) und der Cockerwiese(100.000 Teilnehmer). SED-Bezirkschef Hans Modrow und OB Berghofer stellen sich den Fragen der Demonstranten.

Am 5. November wird der Baustopp für das Reinstsiliziumwerk in Gittersee verkündet

6. November: Erste von der SED-Bezirksleitung genehmigte Montagsdemonstration mit Kundgebung auf dem Julius-Fucik-Platz

Am 19. November kommen circa 100.000 Menschen zu einer Großdemonstration auf dem Theaterplatz zusammen

5. Dezember: Demonstrierende Dresdner Bürger erzwingen die Öffnung der Bezirksverwaltung der Stasi auf der Bautzner Straße und besetzen diese, um die Aktenvernichtung zu stoppen. Ein Bürgerkomitee sichert das Objekt.

Das Archivbild vom 19.12.1989 zeigt den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl während seines zweitägigen Besuches in der sächsischen Stadt Dresden vor der Kreuzkirche, wo er von einer wartenden Menschenmenge stürmisch gefeiert. Quelle: dpa

Am 19. Dezember treffen Bundeskanzler Helmut Kohl und der neue DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow zu Gesprächen im Hotel Bellevue zusammen. Am Abend spricht Kohl (eigentlich nicht geplant) vor der Ruine der Frauenkirche zu etwa 100 000 Menschen und bezeichnet dies rückblickend „als den Moment, in dem er wusste, dass die DDR-Bürger die Wiedervereinigung wollten und diese wohl schneller vollzogen werden würde als gedacht.“

Deutschland, Europa und die Welt

1. Januar: In der Bundesrepublik Deutschland werden Neufahrzeuge nur noch mit Fahrzeugkatalysatoren zugelassen.

20. Januar: Amtseinführung von George H. W. Bush als 41. US-Präsident. Er wird Nachfolger von folgt Ronald Reagan.

4. Februar: Illegale Gründung des Umweltnetzwerkes „Grüne Liga“ in der DDR.

14. Februar: Der iranische Revolutionsführer Ruhollah Chomeini ruft zur Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie auf. Dessen Buch „Die satanischen Verse“ richte sich gegen den Islam, den Propheten und den Koran.

16. März: Das Abgeordnetenhaus von Berlin wählt den Sozialdemokraten Walter Momper zum Regierenden Bürgermeister von West-Berlin.

24. März: Der Öltanker „Exxon Valdez“ fährt vor Alaska auf ein Riff. 40 000 Tonnen Rohöl laufen aus und verursachen eine schwere Ölpest.

26. März: Erstmals dürfen die Bürger in der Sowjetunion ihre Vertreter im Volksdeputiertenkongress frei wählen.

29. März: Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand eröffnet die Glaspyramide im Innenhof des Louvre.

15. April: Beim Spiel Nottingham Forest gegen FC Liverpool im Hillsborough-Stadion in Sheffield bricht unter den Fans eine Panik aus. 96 Menschen verlieren ihr Leben, 730 werden verletzt.

21. April: In Japan kommt der erste „Game Boy“ auf den Markt.

23. Mai: Die Bundesversammlung wählt Richard von Weizsäcker zur zweiten Amtszeit als Bundespräsident.

3. Juni: An einer undichten Erdgaspipeline bei Ufa in Russland bildet sich eine Gaswolke. Als zwei voll besetzte Züge die Stelle passieren, kommt es zur Explosion mit 575 Toten und 623 Verletzten.

4. Juni: Massaker auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking, China

4. Juni: Bei den ersten demokratischen Parlamentswahlen in Polen gewinnt das „Bürgerkomitee“ und Tadeusz Mazowiecki wird erster nicht-kommunistischer Ministerpräsident.

1. Juli: In West-Berlin findet die erste „Loveparade“ statt.

9. Juli: Die Tennisspieler Steffi Graf und Boris Becker gewinnen innerhalb weniger Stunden die Einzelwettbewerbe der Wimbledon Championships.

4. September: Erste Montagsdemonstration in Leipzig.

30. September: Hans-Dietrich Genscher verkündet vom Balkon der Prager Botschaft die Ausreisegenehmigung für alle DDR-Flüchtlinge, die in die Botschaft geflüchtet sind.

9. Oktober: Legendäre Montagsdemonstration in Leipzig mit 70 000 Teilnehmern. Durchbruch der „Wende“ in der DDR.

18. Oktober: Erich Honecker tritt als Vorsitzender des Staatsrats der DDR und Generalsekretär der SED zurück, sein Nachfolger wird Egon Krenz.

25. Oktober: Der Sprecher des sowjetischen Außenministeriums, Gennadij Gerassimow, teilt die ‚Sinatra-Doktrin’ (’I did it my way’) mit: Die kommunistischen Bruderstaaten dürfen über ihren politischen Weg selbst und unabhängig von Moskau entscheiden.

30. Oktober: Das DDR-Fernsehen stellt Karl-Eduard von Schnitzlers montägliche Sendung „Der schwarze Kanal“ ein.

4. November: Großkundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz, nach einem Aufruf der DDR-Künstlerverbände.

9. November: Öffnung der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze.

10. November: Sturz von Bulgariens Staats- und Parteichef Todor Schiwkow.

18. November: Die Volkskammer wählt eine neue DDR-Regierung unter Ministerpräsident Hans Modrow (SED).

20. November: Die Vereinten Nationen verabschieden die Kinderrechtskonvention.

27. November: Bundeskanzler Helmut Kohl gibt im Bundestag überraschend sein deutschlandpolitisches 10-Punkte-Programm bekannt, Ziel ist Wiedervereinigung maximal in zehn Jahren.

30. November: Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, kommt bei einem Bombenanschlag ums Leben. Die Täterschaft ist bisher ungeklärt.

2./3. Dezember: Vor Malta treffen sich US-Präsident George H. W. Bush und der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow zu Gipfelgesprächen.

3. Dezember: Generalsekretär Egon Krenz, Politbüro und ZK der SED treten zurück.

7. Dezember: Der tschechoslowakische Ministerpräsident Ladislav Adamec tritt wegen anhaltender Unruhen im Land von seinem Amt zurück.

14. Dezember: In Chile endet mit der Wahl von Patricio Aylwin zum Präsidenten die Diktatur Pinochets.

22. Dezember: Das Brandenburger Tor in Berlin wird 28 Jahre nach dem Bau der Mauer wieder geöffnet.

22. Dezember: Beginn des Aufstands gegen Nicolae Ceausescu in Rumänien. Am 25. Dezember werden er und seine Frau nach dem erfolgreichen Aufstand gegen seine Diktatur hingerichtet.

29. Dezember: Václav Havel wird zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt.

31. Dezember: Die Auszahlung von Begrüßungsgeld an die Bundesrepublik Deutschland besuchende DDR-Bürger wird eingestellt.

31. Dezember: Arved Fuchs und Reinhold Messner erreichen auf ihrer Antarktisdurchquerung zu Fuß und auf Skiern den geografischen Südpol.

31. Dezember: Die Auszahlung von Begrüßungsgeld an die Bundesrepublik Deutschland besuchende DDR-Bürger wird eingestellt.

Geboren sind unter anderem Skifahrer Marcel Hirscher, die Fußballer Thomas Müller, Lars Bender, Holger Badstuber, die Musiker Tyler Swift, Chris Brown, Bill und Tom Kaulitz und Schauspieler Daniel Radcliffe.

Gestorben sind 1989 unter anderem der Künstler Salvador Dalí, der Dirigent Herbert von Karajan, die Schriftstellerinnen Daphne du Maurier und Dinah Nelken, die Regisseur Sergio Leone und Karel Zeman, die Schauspieler Bette Davis, Graham Chapman und Laurence Olivier, der Komponist Irving Berlin und der Wissenschaftler und Friedensnobelpreisträger Andrei Sacharow.

Von Monika Löffler

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