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125 Jahre DNN Mit sechs Betten fing alles an
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09:19 11.10.2018
Die Röntgenabteilung 1927. Sie war schon 1912 erweitert worden und war im neuen Gartenhaus untergebracht. Quelle: Diako
Dresden

Im Herbst des Jahres 1893 erschien nicht nur die erste Ausgabe der Tageszeitung „Dresdner Nachrichten“. Auch ein bedeutender Krankenhaus-Neubau konnte eingeweiht werden. So begehen unabhängig voneinander die heutige DNN und das Diakonissenkrankenhaus ihr 125-jähriges Bestehen und schauen auf die turbulenten Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zurück. Nachfolgend soll an einige Stationen in der Geschichte der von der Ev.-Luth. Diakonissenanstalt Dresden e. V. getragenen medizinischen Einrichtung erinnert werden.

Baubeginn im Oktober 1890

Am 6. Oktober 1890 erfolgte auf dem bekannten Gelände zwischen Bautzner Straße und Holzhofgasse der Baubeginn für ein neues Krankenhausgebäude. Am 13. Oktober 1893 konnte es eröffnet werden. Der Bedarf war in der diesbezüglich unterversorgten Dresdner Neustadt groß. Neben den Abteilungen für Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Augenkrankheiten werden damalige technische Neuerungen wie Personen- und Speisenaufzüge, Zentralheizung, zentrale Wasserversorgung, elektrische Licht- und Signalanlage hervorgehoben. Das Haus galt damals als die modernste medizinische Einrichtung der Stadt.

Begonnen aber hatte alles schon viel früher mit der Gründung der Diakonissenanstalt Dresden im Jahre 1844. Arme und akut erkrankte Menschen hatten um die Mitte des 19. Jahrhunderts schlechte Karten. Zwar besaß Dresden seit 1799 ein Stadtkrankenhaus (1849 wurde es in das umgebaute Marcolinische Palais in der Friedrichstadt verlegt), aber die Versorgungsmöglichkeiten reichten bei Weitem nicht aus. So beschlossen vier adelige Frauen, in Dresden eine Diakonissenanstalt ins Leben zu rufen, um die Krankenpflege zu verbessern und um Frauen als Krankenschwestern ein selbständiges Leben zu ermöglichen. Vorbild war die Diakonissenanstalt in Kaiserswerth (heute ein Stadtteil von Düsseldorf).

So sah ein Krankenzimmer auf einer Männerstation im Jahre 1929 aus. Damals befanden sich die Patienten offenbar noch ziemlich auf Tuchfühlung. Quelle: Diako

Aus sechs Betten wurden 24

Der Wohltätigkeitsverein hatte das Ziel, Kranke zu versorgen und Krankenschwestern auszubilden (was sich bis in die Gegenwart fortsetzt). In einem Gebäude in der Böhmischen Gasse 13 öffnete erstmals auf Neustädter Flur ein kleines Krankenhaus. Sechs Betten sollen zur Verfügung gestanden haben, dazu zwei Ärzte, zwei Diakonissen aus Kaiserswerth und zwei Probepflegerinnen. Aus den sechs wurden 24 Betten, doch damit stieß das Haus bereits an seine Grenzen. Im Oktober 1846 zog die Diakonissenanstalt an jenen Standort, an dem sie noch heute zu Hause ist.

Mit einem Großteil an Spenden konnte an der Holzhofgasse für 14000 Taler ein bebautes Grundstück (ehemaliges Schenksches Grundstück) erworben werden. Hier erfuhren die künftigen Diakonissen eine dreijährige pflegerische Ausbildung. Schnell sprach sich der Ruf des karitativen Krankenhauses herum, wo Kranke für wenig Geld oder unentgeltlich behandelt und moderne medizinische Erkenntnisse umgesetzt wurden. Die Therapiemöglichkeiten verbesserten sich ständig, doch die Verteilung der Stationen und Fachbereiche auf mehrere Gebäude erschwerte die Arbeit. So war der Neubau die Lösung. Er hielt nun 150 Betten bereit.

Erster Einschnitt kam mit dem Ersten Weltkrieg

Ärzte und Pflegepersonal des Diakonissenkrankenhauses waren auf Grund ihrer Erfahrungen auch in anderen Einrichtungen gefragt. Darüber hinaus hatte sich die Diakonissenanstalt um die Jahrhundertwende breit aufgestellt. Es gab unter anderem eine Kindertagesstätte, ein Hospiz, eine so genannte Mägdeherberge, das damalige „Magdalenenasyl“ für Frauen und Mädchen in Radebeul, Häuser in Graal-Müritz und Bärenfels und nicht zuletzt Hostienbäckerei und Paramentenwerkstatt.

125 Jahre DNN

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Der erste Einschnitt kam mit dem Ersten Weltkrieg, als das „Diako“ teilweise zum Lazarett wurde und Ärzte und Schwestern auch außerhalb eingesetzt waren bzw. zum Kriegsdienst einberufen wurden. Es folgten Inflation und Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik mit ernsthaften wirtschaftlichen Folgen für das Krankenhaus. So mussten kostenlose Behandlungen gestrichen und der Klinikbetrieb eingeschränkt werden. Um Kosten zu senken, wurde das Gelände teilweise zum Bauernhof mit Gartenwirtschaft, Hühnern und Schweinen.

60 Prozent des Hauses nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört

Erst für das Jahr 1927 sind nachhaltige Höhepunkte zu nennen: Die von Beginn an eigene Pflegeausbildung erfährt nun die staatliche Anerkennung als Krankenpflegeschule. Neben den Diakonissen arbeiten zunehmend angestellte Pflegekräfte auf den Stationen. Ein zweites im Wortsinn freudiges Ereignis war im gleichen Jahr die Geburt des ersten Babys im Haus. Heute rangiert die Zufriedenheit werdender Mütter mit der Geburtshilfe am „Diako“ in einer bundesweiten Befragung auf dem fünften Platz.

Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Über die NS-Zeit ist wenig überliefert. Dokumente sollen bei der Bombardierung 1945 verloren gegangen oder auch nachträglich vernichtet worden sein. Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde ab 1939 aus dem Krankenhaus ein Lazarett unter Heeresverwaltung. Das Pflegepersonal musste verwundete Soldaten versorgen. Das Ende ist bekannt: 60 Prozent des Diakonissenkrankenhauses waren zerstört. Die gesamte Anstalt musste Verluste von über 75 Prozent an ihren Einrichtungen verkraften. Ein Neuanfang im Juni 1945 fiel entsprechend bescheiden aus und war nur möglich, weil technische Anlagen erhalten geblieben waren. Mit 45 Betten ging es wieder los. Neben ihrer Arbeit putzten Diakonissen Ziegel und räumten die Trümmer beiseite.

1965 schlug die Stunde des Wiederaufbaus

Ein Wiederaufbau war beschwerlich, so fehlten entweder die Geldmittel oder Genehmigungen von DDR-Behörden für das konfessionelle Krankenhaus oder beides. Auch soll die damalige Anstaltsleitung in der ersten Zeit manches verzögert haben, weil sie die Etablierung eines evangelischen Ordens angestrebt und sich von der Ev.-Luth. Landeskirche entfernt habe.

Erst 1965 schlug die Stunde des Wiederaufbaus. Am 30. September wurde der Grundstein für den ersten Bauabschnitt gelegt. Die eigentliche Initiative kam von der Kathedrale in Coventry und ihrem Bestreben, in Dresden ein „Zeichen der Versöhnung“ zu setzen – wie es sich später bei der Frauenkirche wiederholte. Am 9. September 1965 überbrachte Propst Williams der Diakonissenanstalt das Nagelkreuz von Coventry. Es war das erste Nagelkreuz in Dresden und wird heute in der Diakonissenhauskirche aufbewahrt. Auch finanzielle Unterstützung kam aus der von deutschen Bomben zerstörten Stadt. Besonders in Erinnerung aber sind die gemeinsamen Arbeitseinsätze junger Leute aus England und der DDR im Rahmen des Versöhnungsdienstes der Kathedrale von Coventry und der Aktion Sühnezeichen. Die Sommercamps haben Freundschaften bis heute begründet.

Modernste Ultraschalltechnik bis heute Schwerpunkt dar

Mit dem ersten Bauabschnitt war nur ein Anfang markiert. Erst 1991 war mit dem dritten Bauabschnitt der Wiederaufbau beendet. Einen Namen machte sich das Diakonissenkrankenhaus in den Jahren der DDR als ein Ort medizinischen Fortschritts und besonderer Fürsorge. Dank des Einsatzes von Devisen im Rahmen des Diakonischen Werkes konnten Neuanschaffungen realisiert werden. So habe man Anfang der 1970er Jahre das erste Ultraschallgerät für Dresden erwerben können, damals eine kleine Sensation, erinnern sich Mitarbeiter. Bis heute stellt modernste Ultraschalltechnik einen Schwerpunkt dar.

Auch nach der politischen Wende wurde erweitert und saniert, um im Wettbewerb moderner medizinischer Einrichtungen bestehen zu können. Die Diakonissenanstalt strebte die Erweiterung ihrer verdienstvollen Altenpflege an. Doch die Pläne führten Ende der 1990er Jahre in eine wirtschaftliche Schieflage. Auch daran muss erinnert werden: Die Diakonissenanstalt und ihr Krankenhaus standen damals kurz vor der Insolvenz. Inzwischen wurden Strukturen verändert, für das Krankenhaus unter anderem ein Verwaltungsdirektor berufen.

„Zuwendung leben, Dienst leisten, Zusammenarbeit gestalten“

Heute ist das „Diako“ „Akademisches Lehrkrankenhaus“ und eine Einrichtung mit hochspezialisierten zertifizierten Fachabteilungen. Für die 536 Mitarbeiter lautet das Leitbild: „Zuwendung leben, Dienst leisten, Zusammenarbeit gestalten“. Diakonissen findet man hier im Pflegebereich keine mehr. Nur Oberin Esther Selle vertritt die Gemeinschaft als Mitglied des Krankhaus-Direktoriums. Je eine Diakonisse ist darüber hinaus noch im Kindergarten und im Altenpflegeheim tätig. (Quellen: Diakonissenkrankenhaus, Ärzteblatt Sachsen 2/2017, Wikipedia)

Von Genia Bleier

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