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Wahl in Dresden und Umgebung Listenplätze und Schleudersitze für Sachsens Kandidaten
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09:44 22.09.2017
Großflächige Wahlwerbung. Quelle: André Kempner

Die Bundestagswahlen befinden sich auf der Endgeraden, und auch die Rahmendaten für den Freistaat stehen längst fest. Rund 3,35 Millionen Sachsen können am Sonntag ihre Stimme abgeben, 17 Parteien stellen sich zur Wahl. Reale Chancen haben aber nach dem Stand der Dinge nur sechs – CDU, SPD, Linke, Grüne, AfD und FDP. Diese können laut aktuellen Prognosen jeweils mindestens einen ihrer jeweiligen Kandidaten ins Bundesparlament schicken. Bei den Kräfteverhältnissen allerdings sind die Unterschiede erheblich.

Die mit Abstand meisten Bundestagsabgeordneten aus Sachsen dürfte die CDU stellen. Zwar sind Verschiebungen im Detail immer möglich, letztlich aber wird es wohl darauf hinauslaufen, dass die meisten, wahrscheinlich sogar alle 16 Direktwahlkreise, von Unionskandidaten gewonnen werden – wegen der traditionell ausgeprägten Stärke der Union im Freistaat. Das wären bei insgesamt 32 Mandaten, die Sachsen rechnerisch im Bundestag zustehen, exakt 50 Prozent. Die restlichen 16 Mandate müssten die anderen Parteien dann unter sich ausmachen, sie rekrutieren sich aus den jeweiligen Landeslisten (siehe Kasten).

Überhang- und Ausgleichsmandate machen Rechnung kompliziert

Das allerdings ist nur die formale Rechnung. Faktisch dürfte es darauf hinauslaufen, dass nach dem kommenden Wahlsonntag reichlich sogenannte Überhang- und Ausgleichsmandate zu den 32 hinzukommen; Prognosen gehen derzeit davon aus, dass sich deren Zahl bei sechs bis sieben einpendelt. Das würde dann eine Gesamtanzahl von 38 bis 39 Mandaten ergeben. Und die dürften nach dem Stand der Dinge den anderen Parteien zugute kommen – mehr oder weniger.

Für die CDU-Kandidaten spielt das voraussichtlich kaum eine Rolle. Denn wer per Erststimme direkt gewählt wird, zieht ein. Darunter befinden sich Polit-Pomis wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Arnold Vaatz oder CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer. Hinzu kommen Neukandidaten wie der bisherige Landtagsabgeordnete Alexander Krauß, für den sich ein Nachrücker im Landesparlament warmlaufen darf. Wobei gerade Kretschmer und Krauß pokern: Sie treten ausschließlich direkt an, auf der CDU-Landesliste tauchen sie gar nicht auf. Ganz anders bei den anderen Parteien: Hier dürften wohl nur die Listen ziehen, da aber wird es spannend.

Wer schafft es per Landesliste?

Das liegt vor allem am Erstarken der AfD, die beste Chancen hat, nicht nur erstmals in den Bundestag einzuziehen, sondern auch eine erhebliche Anzahl von Kandidaten aus Sachsen nach Berlin zu schicken. Zwar liefern sich sachsenweit die Rechtskonservativen laut Prognosen derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Linken. Es ist möglich, dass die AfD klar zweitstärkste Partei hinter der CDU wird, noch vor Linken und SPD – in der Reihenfolge, wohlgemerkt. Damit dürften nicht nur Parteichefin Frauke Petry sowie AfD-Rechtsaußen Jens Maier auf Berliner Parlamentsstühlen Platz nehmen, sondern auch der umstrittene Landtagsabgeordnete Detlev Spangenberg. Am Ende könnten so bis zu acht, neun Sitze für die AfD herauskommen.

Nicht ganz so rosig sieht es für die sächsische Linke aus. Hier könnten von den aktuell acht nur sechs Plätze herausspringen, auf denen sich neben Parteichefin Katja Kipping auch Semi-Promis wie André Hahn oder Caren Lay befinden. Eng wird es dagegen bereits für die jetzige Bundestagsabgeordnete Susanna Karawanskij aus der Leipziger Region, die auf dem internen Listenplatz 7 steht. Richtig bitter wird es wohl für die auch in Sachsen mitregierende SPD. Gerade mal vier magere Sitze aus Sachsen geben Analysten der Partei im Bundesparlament, zwei weniger als bisher. Zwar firmieren Generalsekretärin Daniela Kolbe sowie Ex-Minister Thomas Jurk auf sicheren Listenplätzen, die bisherige Bundestagsabgeordnete Simone Raatz (Listenplatz 5) aber muss erheblich zittern.

Ähnliches gilt erst recht für die Grünen. Gerade mal zwei Sachsen sitzen derzeit mit Monika Lazar und
Stephan Kühn im Bundestag, in Zukunft aber könnte es sogar einer weniger sein. Zumindest gilt Listenplatz 2, auf dem sich Kühn befindet, allgemein als „wackelig“, und alles danach dürfte sowieso chancenlos sein. Auf einem Wiedereinzug kann sich die FDP freuen – auf niedrigem Niveau allerdings. Denn klar ist: In Sachsen backen die Liberalen laut Prognosen wesentlich kleinere Brötchen als bundesweit, wo die FDP von Bundeschef Christian Lindner beachtliche Zuwächse verzeichnen kann. Die Folge: Ein, maximal zwei Sitze aus Sachsen sind laut Prognosen derzeit wahrscheinlich. Damit wird Torsten Herbst als rechte Hand von Parteichef Holger Zastrow in den Bundestag einziehen, für Ex-Minister Jürgen Martens auf Listenplatz 2 aber wird es knapp.

Von Jürgen Kochinke

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