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Wahlschlappe für Klaus Brähmig nach 27 Jahren im Bundestag

Brähmig muss Stuhl in Berlin räumen Wahlschlappe für Klaus Brähmig nach 27 Jahren im Bundestag

Eine Ära geht in der Region Pirna zu Ende. Über ein Vierteljahrhundert vertrat Klaus Brähmig die Sächsische Schweiz im Bundestag. Nun muss er den Stuhl in Berlin räumen. Die Gründe für die Niederlage liegen laut CDU-Kreischef Michael Geisler nicht am Kandidaten.

Bildliches Symbol für die Wahlschlappe und das Ende einer Ära: Ein zerstörtes Plakat von Klaus Brähmig lag in Rathmannsdorf am Straßenrand. Die AfD hat in dem Ort das stärkste Ergebnis im Wahlkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge erzielt.
 

Quelle: Monika Skolimowska/dpa

Pirna.  Eine Ära geht in der Region Pirna zu Ende. Über ein Vierteljahrhundert vertrat Klaus Brähmig die Sächsische Schweiz im Bundestag, erst für den Wahlkreis Pirna/Sebnitz/Bischofswerda und seit 2002 für den Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Sein achter Bundestagswahlkampf endete für den CDU-Politiker am Sonntagabend mit einer krachenden Niederlage. Seit 1990 konnte der 60-Jährige das Direktmandat immer wieder mit überwältigender Mehrheit erobern. In der Wahlnacht am Sonntag unterlag er Frauke Petry (AfD) mit fast zehn Prozentpunkten Unterschied: Brähmig konnte nur noch 28,8 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen, während AfD-Parteichefin Petry aus dem Stand 37,4 Prozent holte.

Das Bittere an der Niederlage: Brähmig ist im Gegensatz zur neu gewählten Wahlkreisabgeordneten – die zwar in Dresden geboren wurde, heute aber in Leipzig ihren Wohnsitz hat – in der Region fest verwurzelt. In Königstein erblickte der Handwerksmeister am 1. August 1957 das Licht der Welt und lebt heute noch in Papstdorf, wo er bereits die Schule besuchte. Als Vorsitzender des Tourismusverbandes macht er sich seit sehr vielen Jahren für die Sächsische Schweiz stark. Bei der Bundestagswahl konnte er jedoch in keiner der 36 Kommunen im Wahlkreis punkten. In allen Städten und Dörfern hatte Petry bei den Erststimmen die Nase vorn. Vor vier Jahren errang Brähmig mit 50,2 Prozent bei den Direktstimmen noch die absolute Mehrheit.

Mit betroffene Minen nahmen Landrat und CDU-Kreisverbandschef Michael Geisler (r) sowie Bundestagsabgeordneter Klaus Brähmig die Niederlage zur

Mit betroffene Minen nahmen Landrat und CDU-Kreisverbandschef Michael Geisler (r.) sowie Bundestagsabgeordneter Klaus Brähmig die Niederlage zur Kenntnis.

Quelle: Daniel Förster

Seit die ersten Ergebnisse aus den Kommunen in der Wahlnacht bei Brähmig eintrafen, steht er unter Schock. Wie versteinert und mit betroffener Mine nahm er auf der eigentlich als Wahlparty gedachten Veranstaltung in Lohmen das Wahldesaster um seine Person zur Kenntnis. Nach 27 Jahren im Deutschen Bundestag muss er seinen Stuhl räumen. Auch über die Landesliste gelingt ihm nicht mehr der Einzug. Am Tag danach hat er noch keine Worte für die Niederlage gefunden und wollte am Montag über das Wahlergebnis nicht sprechen.

Der Paukenschlag in der Wahlnacht hat auch den CDU-Kreisverbandschef Michael Geisler überrascht. „Ich wüsste eigentlich kaum jemanden, der damit gerechnet hätte, dass Klaus Brähmig den Wahlkreis verliert“, sagte der Landrat und nahm diesen in Schutz. „Das Ergebnis lag nicht am Kandidaten. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass er der richtige Kandidat gewesen ist“, meinte Geisler und gestand der Siegerin anerkennend zu: „Bei Frauke Petry muss man von einem politischen Schwergewicht sprechen.“

Das Wahldebakel kann wohl niemand Brähmig allein anlasten wollen. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge galt über zwei Jahrzehnte als eine feste Hochburg der CDU. Den Titel der stärksten politischen Kraft musste die Union auch bei den Zweitsimmen an die AfD abgeben. Von 154371 gültigen Stimmen entfielen 35,5 Prozent auf Petrys Partei, während die Union 20,4 Prozentpunkte einbüßte und nur noch auf 25,6 Prozent kam. Die Wahlbeteiligung lag im Bundestagswahlkreis 158 bei 77,2 Prozent.

Für die Wahlschlappe macht CDU-Kreischef Geisler mehrere Gründe aus. Zum einen ist da die Bundespolitik. So sollte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fragen, wie ihre Alleingänge etwa in der Flüchtlingspolitik oder beim Ausstieg aus der Atomenergie an der Basis ankommen. „Viele Bürger fühlen sich von der Politik nicht mehr mitgenommen. Sie spüren eine vermeintliche und tatsächliche Ignoranz und Arroganz von denen dort oben“, so Geisler. Der Flüchtlingsfrage komme eine Schlüsselrolle für den Wahlerfolg der AfD zu. „Viele Menschen bei uns können die Entscheidung zur Grenzöffnung nicht nachvollziehen und auch nicht verstehen“, sagte Geisler.

In den letzten Wochen vor dem Urnengang beobachtete der Kreischef zum anderen, dass sich immer mehr landespolitische Themen wie Schule, Polizei oder die Finanzausstattung der kommunalen Ebene in den Bundestagswahlkampf mischten. Hier sollte bei der Analyse des Wahlausgangs die Landes-CDU nicht die Bedeutung des Versagens in der Lehrerfrage verkennen. „Wir stehen zwei Jahre vor der nächsten Landestagswahl. In anderen Bundesländern haben bereits Regierungen Wahlen wegen ihrer Schulpolitik verloren“, mahnte Geisler.

Schlussendlich müsste sich aber auch der CDU-Kreisverband selbst an die Nase fassen. „Das Bild, dass wir in den vergangenen Jahren abgegeben haben, stand eben nicht gerade für Einigkeit, sondern eher für Zank und Streit“, gestand Geisler selbstkritisch ein. Unter anderem haben rund 30 Mitglieder Anfang März dieses Jahres den Stadtverband Pirna verlassen. Am Dienstagabend kommt der Kreisvorstand zusammen, um gemeinsam mit Brähmig das Wahlergebnis auszuwerten.

Von Silvio Kuhnert

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