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Mahngang Täterspuren mit 900 Teilnehmern in Dresden

Andere Perspektive auf den 13. Februar Mahngang Täterspuren mit 900 Teilnehmern in Dresden

Mit dem Mahngang Täterspuren will das Bündnis Nazifrei die Sicht auf das Gedenken am 13. Februar umkehren und den reinen Opfermythos Dresdens brechen. Bereits im sechsten Jahr in Folge wurden am Montagnachmittag deshalb Orte der NS-Täterschaft in Augenschein genommen um zu zeigen, dass Dresden keine unschuldige Stadt war.

Mit rund 500 Teilnehmern ist das Bündnis Dresden Nazifrei am Montagmittag auf den diesjährigen „Mahngang Täterspuren“ gegangen.

Quelle: sbu

Dresden. Mit rund 500 Teilnehmern ist das Bündnis Dresden Nazifrei am Montagmittag anlässlich des Gedenkens zum 13. Februar auf den diesjährigen „Mahngang Täterspuren“ gestartet. Gegen 14.30 Uhr setzte sich der Zug am Wettiner Platz in Bewegung, um Schauplätze der in Dresden begangenen NS-Verbrechen aufzuzeigen und anzumahnen. Der bereits 6. Mahngang machte in diesem Jahr an sieben Stationen Halt und endete gegen 17.30 Uhr vor dem Gebäude der Evangelische Hochschule Dresden (EHS) auf der Dürerstraße.

Erstmals wurde der Rundgang von Studierenden der EHS konzipiert, nach der Idee des Hochschulprofessors Uwe Hirschfeld. Angemeldet wurde die Veranstaltung von Lutz Richter, Landtagsmitglied der Linken. Mit dem Mahngang Täterspuren will das Bündnis Nazifrei die Sicht umkehren und den reinen Opfermythos Dresdens brechen. Bereits im sechsten Jahr in Folge werden deshalb Orte der NS-Täterschaft in Augenschein genommen um zu zeigen, dass Dresden keine unschuldige Stadt war.

Mit mehreren Hundert Teilnehmern ist das Bündnis Dresden Nazifrei am Montagmittag auf den diesjährigen „Mahngang Täterspuren“ gegangen. Unsere Fotografen waren mit dabei.

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Noch vor Umzugsstart hielt Julia Weinreich, Dramaturgin am Staatsschauspiel Dresden, eine erste Rede auf dem Wettiner Platz und erinnerte an die Stürmung mehrerer Bibliotheken im Jahr 1933 und die anschließende Bücherverbrennungen an gleicher Stelle. Weinreich sprach sich dabei klar gegen die pauschale Kritik an den Medien und gegen den „Lügenpresse“-Vorwurf aus. Stattdessen mahnte sie zu einer dialogisierten und informativen Gesellschaft. Danach setzte sich der Mahngang in Richtung des ehemaligen Gesundheitsamtes auf der Theaterstraße in Bewegung.

Dort erinnerte der Schauspieler Claudius von Stolzmann an die Euthanasie-Verbrechen, denen während der NS-Zeit Hunderttausende Menschen zum Opfer fielen. So dürfe man die vielen Verbrecher aus Wissenschaft, Medizin und Behörden, die nach dem Krieg nur selten verurteilt wurden, nicht vergessen.

Während des Rundgangs stieg die Teilnehmerzahl auf rund 800 bis 900 Personen an. Nach einem Besuch auf dem Theaterplatz, der während der NS-Zeit in Adolf-Hitler-Platz umbenannt wurde und laut Nazifrei die Gefahr von Rechtspopulismus symbolisiert, führte der Mahngang weiter zur Frauenkirche und zum Polizeirevier auf der Schießgasse. Nazifrei-Sprecher Albrecht von der Lieth beleuchtete dort die Funktion der Polizei im Dritten Reich, die unter anderem an der gewaltsamen Unterdrückung Andersdenkender, diversen Folterpraktiken und an der Unterstützung der SA beteiligt war. Laut von der Lieth müsse deshalb auch heute darauf geachtet werden, "rechte Tendenzen" in der Polizei zu erkennen und zu bekämpfen.

Außerdem führte der Mahngang vorbei an einem Stolperstein, stellvertretend für die Verfolgung Homosexueller während der NS-Zeit und am Landgericht, wo Rechtspositivismus zur Verurteilung Tausender Regimegegner führte. Gegen 17.30 Uhr erreichte der Zug mit etwa 600 Teilnehmern das letzte Mahnmal an der EHS mit dem Thema Soziale Arbeit im Dritten Reich.

Für Landtagsmitglied Richter hat der jährliche Mahngang eine wichtige Funktion in der Dresdner Gedenkkultur: "Während der Nazizeit und des Zweiten Weltkrieges sind Millionen von Menschen ums Leben gekommen. Deshalb sollte am 13. Februar nicht nur an die Dresdner Bombenopfer gedacht werden, sondern auch an die zahlreichen Täter.

DNN

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