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AG 13. Februar will mehr als Erinnerung an die Bombennacht

Rahmenprogramm mit starkem Bezug zum syrischen Bürgerkrieg AG 13. Februar will mehr als Erinnerung an die Bombennacht

Die Arbeitsgruppe 13. Februar entscheidet sich mehr und mehr für ein gewandeltes Gedenken an die Zerstörung Dresdens. Man wolle „weg von der Retrospektive“, sagt der AG-Moderator Joachim Klose.

Stefan Mertenskötter von Arche Nova, sowie die AG Mitglieder Stadträtin Christa Müller (CDU), TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen, Moderator Joachim Klose und OB Dirk Hilbert (FDP) rufen zur Teilnahme an der Menschenkette am 13. Februar auf.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  „Deutlich ergraut“ habe seine Großmutter ihren 19. Geburtstag gefeiert, sagt Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Wenn sie denn überhaupt gefeiert hat, das Wiegenfest der damals am Nürnberger Ei beschäftigten Köchin fiel auf den 14. Februar 1945, den Tag nach der Zerstörung Dresdens. Durch seine Großeltern habe er von den Geschehnissen der Bombennacht erfahren, fügt Hilbert an. Gestorben seien inzwischen beide, wie so viele andere Zeitzeugen auch, fügt er an. Ganz sicher ist das ein Grund dafür, dass sich die Arbeitsgruppe 13. Februar mehr und mehr für ein gewandeltes Gedenken zum Jahrestag des Bombenangriffs entscheiden. Man wolle „weg von der Retrospektive“, sagt der AG-Moderator Joachim Klose. Das Erinnern habe seine Berechtigung, es gehe jedoch auch darum, eine Botschaft auszusenden, die in die Gegenwart ausstrahle.

Als Vehikel dafür haben die Organisatoren vor allem die Menschenkette ausgemacht, zu der in diesem Jahr wieder mehr als 10 000 Teilnehmer erwartet werden. Sie sei ein Signal, dass auch und gerade im Ausland positiv aufgenommen werde, sagt TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen, der die Menschenkette wie bisher auch angemeldet hat. Erstmals hat man sich dafür entschieden, Spenden zu sammeln, während sich tausende Dresdner für einen kurzen Moment zusammenschließen. Die Gelder sollen an die von der Dresdner Hilfsorganisation Arche Nova betriebene Unterrichtshilfe in Syrien gehen (siehe Kasten) und damit in eine Kriegsregion unserer Tage.

Der syrische Bürgerkrieg tritt auch auf andere Weise in Erscheinung. Etwa durch die Eröffnung der „Fotoausstellung Krieg. Hilf. Menschlichkeit“ des syrischen Journalisten Raad Atly im Rathausfoyer (13. Februar, 16 Uhr), durch die ausstellung zur Graphic Novel „Freedom Hospital“ von Hamid Sulaiman im Oktogon der Hochschule für Bildende Künste und durch die Installation „Monument“ des syrischen Künstlers Manaf Halbouni auf dem Neumarkt, die alle zum Rahmenprogramm der AG 13. Februar gezählt werden. Um Halbounis Werk einzubeziehen, wird sogar der Auftakt, anders als auf den Flyern der AG bemerkt, von der Goldenen Pforte des Rathauses auf den Neumarkt verlegt. Es ist die einzige größere Änderung am Konzept der Menschenkette im Vergleich zum Vorjahr. Man wolle „ein bewusst starkes Symbol setzen“, sagt OB Hilbert dazu. Im Schatten der Frauenkirche wolle man den Opfern der Luftangriffe gedenken und gleichzeitig vor gegenwärtiger Unmenschlichkeit mahnen.

Man kann das als eine Ausweitung des im Vorjahr erstmals so praktizierten „starken dezentralen Gedenkens“ verstehen, wie es Hilbert nennt. 2016 forderte er, den zentralen Akt auf dem Heidefriedhof durch viele kleine (siehe Programm) abzulösen, und auch Raum für Kreativität zu lassen.

Insgesamt 15 Veranstaltungen sind bei der Versammlungsbehörde inzwischen im Umfeld des 13. Februars geplant. Mutmaßlich von rechtsextremen Gruppen geplante Aufmärsche sind demnach am 11. und 18. Februar angemeldet. Pegida hat derzeit noch nichts angemeldet, obwohl das islamfeindliche Bündnis sich nach derzeitigem Rhythmus am 13. Februar versammeln müsste. Die AfD plant am 14. Februar eine Kundgebung auf dem Altmarkt.

Von Uwe Hofmann

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