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13. Februar 2018 in Dresden: Ein fast normaler Tag

Jahrestag der Bombardierung 13. Februar 2018 in Dresden: Ein fast normaler Tag

Der 13. Februar in Dresden normalisiert sich weiter. Über weite Teile des Tages war von Aufgeregtheit oder Hektik nichts zu spüren. Lediglich die deutlich präsente Polizei erinnerte daran, dass da noch etwas war. Im Vergleich zu früheren Jahren war es ruhig – bis auf eine Ausnahme am Altmarkt.

Die Menschenkette am 13. Februar 2018
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Tausende Dresdner haben am 73. Jahrestag der Zerstörung ihrer Stadt im Zweiten Weltkrieg mit einer Menschenkette ein Zeichen für Frieden und Versöhnung gesetzt. Hand in Hand verbanden sie über zwei Brücken hinweg am Dienstagabend beide Teile der Elbestadt. Im Vergleich zu früheren Jahren blieb es dieses Mal weitgehend ruhig.

Bis zum frühen Abend war der 13. Februar 2018 vor allem eines: unspektakulär. Keine großen Demonstrationen, keine abgeriegelte Stadt im Ausnahmezustand, und die Mehrzahl der Menschen auf der Straße war Tourist. Wären da nicht immer wieder Polizeifahrzeuge gewesen, es hätte ein Tag wie jeder andere sein können.

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Stilles Gedenken zum 13. Februar 2018 auf dem Neumarkt. Mehrere Tausend Menschen kamen über den Tag verteilt vor die Frauenkirche, um Kerzen aufzustellen oder kurz Inne zu halten.

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Das inzwischen widersprüchlich diskutierte Gedenken scheint immer weniger Menschen zu interessieren. Die dezentralen Gedenkveranstaltungen waren allesamt überschaubar besucht. Auch auf dem Heidefriedhof waren deutlich weniger Menschen als in den Vorjahren.

Selbst auf dem Neumarkt war es selten bis nie voll. Die große Sandfläche in Form einer Kerze wurde im Vergleich zum Vorjahr verkleinert, voll wurde sie trotzdem nicht ansatzweise.

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An verschiedenen Orten haben mehrere Hundert Dresdner am Vormittag des 13. Februars der Toten gedacht. Jede der Veranstaltungen setzte dabei eigene Schwerpunkte.

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„Jahr für Jahr schrumpft die Generation, die selbst miterlebt hat, wie Dresden erst im braunen Sumpf versunken und dann im Feuersturm untergegangen ist“, sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Aus dem 13. Februar erwachse eine Verantwortung, „nicht für die Vergangenheit, aber sehr wohl für das, was heute, morgen und übermorgen geschieht“.

Zum einen gehe es am 13. Februar darum, die „Opfer unserer Stadt in den Mittelpunkt zu stellen“, sagte Hilbert am Rande des Gedenkens. „Zum zweiten aber auch (darum), zu ermahnen, aufzupassen und achtsam zu sein. Sich zu engagieren für Frieden und unsere Gesellschaft.“

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Rund 11 500 Dresdner haben sich am Abend des 13. Februar 2018 zu einer Menschenkette um den Altstadtkern von Dresden zusammengefunden.

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Doch der 13. Februar birgt weiter Probleme. Die rechsextreme Wellenlänge besetzte für rund eine Stunde unerlaubt das Luther-Denkmal. Rechtsextreme verteilten in der Stadt eine Vielzahl von sinnbildlichen Fliegerbomben aus Pappe. Mehrfach wurde der Holocaust geleugnet, vor Beginn der AfD-Veranstaltung wurde ein Papp-Grabstein präsentiert, mit der Aufschrift „Kein Denkmal für Dresdner Opfer, aber für fremde Sozialschmarotzer“. Auch auf dem Heidefriedhof scherten AfD und NPD aus dem Gedenkprogramm aus.

Das deutlichste Zeichen setzten aber nicht die Rechten, sondern 11.500 Bürger. Sie schlossen einmal mehr die Menschenkette. Die ist zwar vom eigentlichen Symbol, die Stadt vor einem Nazi-Aufmarsch an dem Tag zu schützen, weit weg, soll aber trotzdem als einigendes Zeichen erhalten werden.

Ganz ohne Ärger kam der Tag aber nicht aus. Der Protest gegen die AfD am Abend war deutlich größer als erwartet, und einige Gegendemonstranten schafften es direkt zur AfD auf den Altmarkt. Was folgte waren Chaos, Schläge und Reibereien, die mit Reizgas und Schlagstock endeten.

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Der Beginn der Kundgebung der AfD am Dienstagabend auf dem Altmarkt ist von Jagdszenen und Gewalt überschattet worden. Vor Beginn der Kundgebung hatten es gegen 19 Uhr mehrere Dutzend Gegendemonstranten geschafft, auf die AfD-Kundgebungsfläche zu gelangen, ein Teil davon setzte sich auf den Boden. Was folgte, war minutenlanges Chaos.

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Die Polizei bilanzierte am Ende trotzdem einen weitgehend störungsfreien Tag. „Es dominierte die Menschenkette, welche die Innenstadt umschloss, als Ausdruck des friedfertigen Miteinanders“, so Polizeichef Horst Kretzschmar.

Auf dem Weg zu einem wirklich ganz normalen Tag hatte Dresden am Ende doch noch viel Luft nach oben.

Das bis dahin nahezu unzerstörte Dresden war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach von britischen und amerikanischen Bombern zu weiten Teilen in Schutt und Asche gelegt worden. Bis zu 25.000 Menschen starben dabei nach Erkenntnissen einer Historikerkommission.

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Von DNN

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Rund 11 500 Dresdner haben sich am Abend des 13. Februar 2018 zu einer Menschenkette um den Altstadtkern von Dresden zusammengefunden.