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Sportmix So erlebte unser Beach-Duo seinen Golderfolg in Rio
Sportbuzzer Sportmix So erlebte unser Beach-Duo seinen Golderfolg in Rio
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17:03 04.05.2017
Goldener Glanz: Laura Ludwig (l.) und Kira Walkenhorst freuen sich über ihre olympische Goldmedaille. Quelle: dpa
Münster

Rund 12 000 frenetische Fans an der Copacabana, ein starkes Duo im Sand: Am 18. August 2016 machen die Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst den vielleicht berühmtesten Strand der Welt zur Partyzone. Nach 42 Minuten im Finale der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro verwandeln die deutschen Frauen ihren zweiten Matchball zum Sieg gegen das brasilianische Duo Agatha/Barbara. Olympiagold! „Ich kann es nicht fassen“, ruft Ludwig danach in die Mikrofone. Am 5. Mai kehren die von ihrer Schulteroperation wiedergenesene 31-Jährige und ihre fünf Jahre jüngere Kollegin, die für den Hamburger SV starten, in Münster zurück in den Turnierzirkus.

Gelegenheit für ein Gespräch über den ganz großen Erfolg in Rio – und den Moment, als klar war: „Wir sind Olympiasieger!“

Frau Ludwig, Frau Walkenhorst, Sie haben 2016 alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, sind Olympiasieger und Mannschaft des Jahres geworden. Eigentlich haben Sie doch alles erreicht ...

Ludwig: Das vergangene Jahr ist nicht zu toppen, das stimmt. Aber es ist auch schön, dass 2017 neue Aufgaben auf uns warten.

Sie meinen die Beachvolleyball-Weltmeisterschaft im Sommer in Wien.

Ludwig: Genau. Der WM-Titel fehlt uns noch. Außerdem wollen wir unser Spiel weiter verbessern. Da gibt es noch einiges zu tun.

Walkenhorst: Durch die WM laufen wir gar nicht erst Gefahr, nach diesem tollen Jahr in ein Loch zu fallen.

Deutschland war während der Olympischen Spiele Beachvolleyball-Land. Wie viel haben Sie in Rio davon mitbekommen?

Ludwig: Wir haben mitbekommen, dass mehr als acht Millionen Menschen in Deutschland vor dem Fernseher saßen. Der Wahnsinn! Positives Feedback ist gut und motiviert. Zu viel Ablenkung wäre schlecht gewesen. Wir haben darauf geachtet, dass die Mischung stimmt.

Das hat geklappt. Im Finale besiegten Sie die Brasilianerinnen Agatha und Barbara souverän in zwei Sätzen. Was waren Ihre ersten Gedanken, als Ihre Gegnerinnen den entscheidenden Ball ins Aus schlugen?

Ludwig: Es war ein kompliziertes Spiel. Wir haben die ganze Zeit geführt, waren nie richtig unter Druck. Da ist es schwer, konzentriert zu bleiben. Man weiß, dass man eigentlich gewonnen hat. Ich war total erleichtert, als das Spiel vorbei war.

Walkenhorst: Die Spannung war ein bisschen raus. Deshalb war ich froh, dass uns der letzte Punkt geschenkt wurde. Ich habe Laura in dem Moment zugebrüllt, dass sie den Ball auf keinen Fall annehmen sollte.

Ludwig: Ich habe mich erschrocken: Was schreit sie mich so an?

Was haben Sie um sich herum wahrgenommen?

Walkenhorst: In diesem Moment haben wir nur uns zwei gesehen, nichts anderes. Unsere Gegnerinnen, die Zuschauer, das Drumherum – das haben wir ausgeblendet.

Ludwig: Es war ein unwirklicher Moment. Natürlich: Rio, die Arena an der Copacabana – das war außergewöhnlich. Aber eigentlich hat sich das Turnier angefühlt wie jedes andere. Auch das Finale war ein Spiel wie jedes andere. Gegen Agatha und Barbara spielen wir schon seit Jahren. Als das Spiel vorbei war, dachte ich: Krass, das war es jetzt? Das soll jetzt etwas Besonderes sein?

Wie lange hat es gedauert, bis Sie das Besondere gespürt haben?

Walkenhorst: Das kam, als wir auf dem Podium standen, die Medaillen bekamen und die Nationalhymne gespielt wurde. Da hatten wir wirklich das Gefühl, ganz oben zu sein.

Ludwig: Da haben wir gemerkt, dass wir Großes geschafft haben. Olympiasieger – das können nicht viele Menschen von sich sagen.

War der Finalsieg in Rio der größte Moment Ihres Lebens?

Ludwig: Auf jeden Fall. Wir haben lange auf die Spiele und diese Medaille hingearbeitet, haben viel dafür geopfert. Und dann ist unser Traum wahr geworden. Das Gefühl auf dem Podium war unschlagbar. Wenn ich bei meinen Eltern in Berlin zu Besuch bin, laufen die Bilder auch immer. Die kann ich mir immer wieder angucken.

Walkenhorst: Sportlich war es der größte Moment meines Lebens, zumindest bisher. Aber vielleicht kommen noch große Momente dazu.

Wie schwer war die Rückkehr in den Alltag?

Walkenhorst: Wir hatten direkt nach Rio zwei Turniere, waren im Wettkampfmodus. Danach sind wir in den Urlaub gegangen, elf Wochen ohne Ball, vier Wochen komplett frei. Da konnten wir uns erholen und haben angefangen, unseren Olympiasieg zu verarbeiten.

Wie sah das aus?

Walkenhorst: Es gab nicht den Moment, in dem der Olympiasieg plötzlich real war. Das hat gedauert und dauert immer noch. Richtig verarbeitet habe ich ihn noch nicht. Aber wenn mich jemand auf Rio anspricht, bekomme ich ein breites Grinsen.

Werden Sie oft angesprochen?

Walkenhorst: Am Flughafen oder in der Stadt erkennen uns immer zwei, drei Leute. Aber es ist nicht so krass wie bei Stars wie Fabian Hambüchen oder Robert Harting. Von Fußballern ganz zu schweigen. Wir finden es angenehm, dass wir uns frei bewegen können.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass kleinere Sportarten schnell wieder aus dem öffentlichen Interesse verschwinden. Was tun Sie dafür, dass das ihn Ihrem Fall anders wird?

Ludwig: Ich habe das Gefühl, dass das Interesse an Beachvolleyball zugenommen hat. Jetzt müssen wir präsent bleiben. Wir sehen uns als Botschafter unseres Sports und fühlen uns in dieser Rolle wohl. Das Wichtigste ist, dass wir als Team zusammenbleiben.

Jonas Reckermann und Julius Brink haben sich nach ihrem Olympiasieg 2012 in London getrennt. Das stand bei Ihnen nicht zur Debatte?

Ludwig: Nicht wirklich. Im Urlaub haben wir uns Gedanken gemacht, was gut war, wo wir uns verbessern müssen, ob und wie wir weitermachen. Als wir zurück waren, haben wir uns mit unseren Trainern und Betreuern getroffen. Wir waren im Sand und haben gestrahlt, dass wir zusammen sind. Da war die Sache klar. Wir haben noch einiges vor.

Da wäre die WM in diesem Jahr – und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Da wollen Sie wieder Gold holen?

Ludwig: Die Verteidigung einer Medaille ist immer eine große Aufgabe, klar. Die wollen wir angehen.

Von Hendrik Buchheister

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