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Sportmix Marcel Kittel: König des Sprints
Sportbuzzer Sportmix Marcel Kittel: König des Sprints
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22:31 11.07.2017
Strahlt in Grün: Marcel Kittel konnte auch gestern jubeln Quelle: AP
Bergerac

Souveräner hat Marcel Kittel bei der diesjährigen Tour de France noch keinen Massensprint gewonnen. Mit drei Radlängen Vorsprung riss er am Dienstag auf der Etappe von Périgueux nach Bergerac im Ziel vor John Degenkolb die Arme in die Luft. Sein vierter Sieg in diesem Jahr – genauso viele wie in den Jahren 2013 und 2014 –, sein 13. bei der Frankreich-Rundfahrt insgesamt, Erik Zabel als deutschen Rekordhalter abgelöst. „Mir geht es nicht um Legenden oder Rekorde. Ich will das hier genießen, das sind ganz spezielle Momente. So gut habe ich mich noch nie gefühlt“, sagte er. Und: Jetzt ist sogar der Weg zum Grünen Trikot frei für Kittel.

Der Thüringer weiß das. Und er will diese Chance nutzen. In den ersten Tourtagen sagte er noch: „Auf das Grüne Trikot haben reine Sprinter keine Chance. Die Regeln der ASO bevorzugen Allrounder wie Peter Sagan.“ Der Superstar der Radsportszene ist schon raus – genauso wie sein ärgster Konkurrent in den Sprintfinals, Arnaud Démare.

Kittel kann also der erste deutsche Radsportler seit Erik Zabel 2001 werden, der in Paris das Grüne Trikot des punktbesten Fahrers gewinnt. Sechsmal gewann der Berliner diese Wertung; eine Erfolgsbilanz, die Kittel nicht erreichen wird. Das Punktsystem bevorteilt Fahrer, die auch bei schweren Etappen noch mit vorn ankommen. So ein Fahrer ist Kittel nicht. „Das Hochgebirge war noch nie mein Lieblingsterrain“, schreibt der 29-Jährige auf seiner Homepage.

Stattdessen machte er sich in den Anfängen seiner Radsportkarriere als sehr guter Zeitfahrer einen Namen. Zweimal, 2005 und 2006, wurde er sogar Juniorenweltmeister im Zeitfahren. Später spezialisierte er sich auf den Sprint. Heute gehört Kittel zu der Kategorie des früheren Übersprinters Mario Cipollini. Der Italiener sammelte insgesamt 57 Etappensiege bei Grand Tours, darunter zwölf in Frankreich – holte aber niemals das Grüne Trikot. Der kletterschwache Italiener fuhr niemals durch bis Paris. Kittel ist anders. In diesem Jahr will er sich durchkämpfen, die Chance auf Grün war noch nie so groß.

Spätestens 2011 kannte Kittels Namen jeder im Radsport. 17 Siege holte er damals, war der Fahrer mit den zweitmeisten Siegen. 2013 feierte Kittel, der bis zu seinem 13. Lebensjahr als Leichtathlet unterwegs war, bei der 100. Tour de France seinen ersten Sieg.

In dem Jahr trat der Sohn eines passablen Radsportlers das Erbe Cipollinis an. Als reiner Sprinter, der von einem Zug in Höchstgeschwindigkeit auf der Zielgeraden abgeliefert wird und dort selbst noch einmal für allerhöchste Beschleunigung sorgt.

Doch diese Erfolgsformel scheint aktuell passé. „Die Massensprints bei der Tour sind nicht mehr so wie noch 2013 und 2014, als die großen Sprintzüge lange Vorbereitungen gefahren sind. Jetzt ist alles viel chaotischer. Viele Teams haben gute Züge, die sich nun neutralisieren. Als Sprinter bist du mehr auf dich selbst angewiesen“, beschreibt Kittel gegenüber dieser Zeitung die Entwicklung. Wie gut er das inzwischen kann, beweist er in diesem Jahr. Oft auf sich allein gestellt, während der deutsche Konkurrent André Greipel noch mindestens einen Mann an seiner Seite hat, zieht er seine Sprints selbst an – und gewinnt.

Für die Konkurrenz ist das Ergebnis das Gleiche: „Ein blauer Wind fegte vorbei“, sagte Démare, als er noch im Rennen war. „Marcel ist im Moment auf einem anderen Planeten, was Explosivität und Schnelligkeit angeht. Keiner ist in der Lage, ihn Mann gegen Mann zu schlagen“, sagte John Degenkolb.

Wegen seiner Explosivität und seiner Anpassungsfähigkeit ist der 29-Jährige begehrt, angesichts seines auslaufenden Vertrags zudem umso mehr. Ob er beim Team Quick-Step bleibt oder geht – diese Frage ist offener als die Entscheidung um das Grüne Trikot. Nur eines ist gewiss: Seinen Siegeswillen wird er nicht verlieren.

Von Tom Mustroph

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