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Sportmix Kreuzbandriss plagt Andreas Toba immer noch
Sportbuzzer Sportmix Kreuzbandriss plagt Andreas Toba immer noch
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17:08 06.04.2017
Schmerzhafter Abgang: Andreas Toba (Mitte) mit den Kollegen Fabian Hambüchen (l.) und Marcel Nguyen nach der Übung am Pferd. Quelle: imago sportfotodienst
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Hannover

Andreas Toba ist als einer der heldenhaftesten Pechvögel des Sports in die Geschichte eingegangen. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro reißt er sich während einer Übung am Boden das Kreuzband. Eigentlich das sichere Ende aller Hoffnungen. Doch der 26-Jährige tritt zur Übung am Pauschenpferd an – und verhilft der deutschen Riege zum Einzug ins Olympia-Finale.

Danach beginnt Tobas Leidensweg. Inzwischen musste der Hannoveraner dreimal am Knie operiert werden. Sein Comeback liegt in weiter Ferne.

Herr Toba, wenn ich behaupte, dass Sie vor Olympia einer von zehn Deutschen erkannt hätte …

... wäre das schon viel gewesen.

Wie viele sind’s jetzt?

Schwer zu sagen. Aber wenn ich heute durch die Stadt gehe, was ich selten tue, erkennt man mich schon. Das wäre vorher unvorstellbar gewesen.

Und wie lebt es sich so als Star?

Mittlerweile habe ich schon die ein oder andere Nummer von bekannteren Leuten, denen man auch mal so schreibt. Das ist schon cool.

Zum Beispiel?

Mit Kai Pflaume ab und zu (lacht).

Sie erhielten eine Einladung von Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Stellen Sie sich das mal vor: Ich habe im Bundestag von den Politikern Standing Ovations bekommen. Davon werde ich noch meinen Kindern erzählen.

Sie bezeichnen sich als Randsportler. Hätte man als solcher, ohne Ihre Geschichte, überhaupt eine Chance auf diese Aufmerksamkeit gehabt?

Man sieht, dass es egal ist, ob es sich um Fußball, Turnen oder Judo dreht – solange es eine Sache gibt, mit der man die Masse mitziehen kann. Da ist es egal, wie sehr man im Rampenlicht stand oder woher man kommt. Wenn man etwas leistet, was für die Masse nicht normal ist, kriegt man dafür auch einen gewissen Respekt.

Toba: „Ich bin eher der Anti-Donald-Trump.“

Wofür bekommen Sie Respekt?

Ich versuche es allen recht zu machen. Ich bin eher der Anti-Donald-Trump. Bei mir heißt es nicht „America first“, sondern erst die anderen, dann ich (lacht).

Wie haben Sie die Sekunde Ihres Kreuzbandrisses erlebt?

Es gab ein Knirschen und ein Klacken im Knie. Ich habe keine schlimmen Schmerzen verspürt, sondern nur eine Instabilität – ein ekliges Gefühl. Und ich habe gehofft, dass es nur eine Blockierung war. Aber wenn das so wäre, habe ich gedacht, dann machst du dich hier vor so vielen Zuschauern zum Affen.

„Ist das Kreuzband weg?“, fragt Toba den Physiotherapeuten. Der nickt – und holt den Arzt. Der Turner ist kurz allein, überlegt. Er will weitermachen. Der Arzt rät ihm ab. Toba steht auf: „Guck mal, ich kann springen, ich kann laufen, ich kann auf einem Bein stehen.“ Schmerztabletten? Kein Bedarf. Nur die Bedingung: Sein Bein wird getapt. „Es hat sich angefühlt wie gegipst.“

Sie haben dann noch geturnt.

Ich konnte mich erst nicht zusammenreißen, habe geheult. Irgendwann kam der Bundestrainer zu mir: „Turnst du jetzt oder nicht? Dann hör auf zu heulen, konzentrier dich und mach’s ordentlich.“ Das war der Weckruf, den ich gebraucht habe.

Die Tränen waren Ihnen aber unangenehm.

Auf jeden Fall, das ist mir irgendwie peinlich. Ich hatte mich nicht unter Kontrolle. Das lag weniger an den Schmerzen als an der Enttäuschung.

Trotzdem haben Sie die Übung mit der besten Wertung abgeschlossen.

Klar habe ich mich ein bisschen gefreut. Aber im nächsten Moment ist mir klar geworden, dass das der letzte Auftritt von mir in Rio war.

Wie hat sich das angefühlt?

Dieser Moment ist echt kacke. Ich hätte das erste Mal zeigen können, dass ich zu den zehn, 15 Besten der Welt gehöre – und nicht nur der Teamplayer bin. Da wird einem klar, dass man vier Jahre umsonst trainiert hat.

Wie meinen Sie das?

Ich habe mich bei allem zurückgehalten. Wofür? Für eine schwere Verletzung. Ich hatte Silvester 2015 das letzte Mal Alkohol getrunken. Auf Partys lässt man sich kurz blicken, ist um halb elf zu Hause, am nächsten Tag ist ja Training. Man geht nicht mehr in Freizeitparks, zum Schwimmen, zum Fußball ...

Toba: „Wenn das eine Heldentat sein soll, ist unser tägliches Training ebenfalls eine.“

Warum wehren Sie sich gegen den Begriff Held?

Wenn das eine Heldentat sein soll, ist unser tägliches Training ebenfalls eine, wenn man bedenkt, welche Schmerzen wir ertragen und welche Disziplin wir an den Tag legen. Umgekehrt hätte ich das genauso von meinen Teamkollegen erwartet.

Haben die sich bei Ihnen bedankt?

Sie haben sich super um mich gekümmert. Irgendwann haben sie mich mitgenommen an den Strand, mich ins Wasser getragen. Das werde ich nie vergessen.

Sind Sie lieber der Held von Rio oder hätten Sie lieber eine Medaille?

Eher das Zweite. Ich bin nicht Sportler geworden, um bekannt zu werden, sondern um meine Leistung zu bringen. Wäre das nicht so, hätte ich Schauspieler werden müssen (lacht).

Von Tim Lüddecke

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