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Sportmix Kaiserkostüm und Kunstnebel
Sportbuzzer Sportmix Kaiserkostüm und Kunstnebel
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18:24 31.01.2017
Ein Blick in die Arena zeigt, dass von einem vollen Haus nicht die Rede sein konnte. Quelle: Daniel Killy
Houston

Heidi aus Houston. Der Wahnsinn im Leben eines jeden Super-Bowl-Reporters hat einen Namen: Media Day. Besser, er hatte einen Namen. Das war zu der Zeit, als es noch ausreichte, rund 3000 Journalisten mit rund 100 Spitzensportlern aus zwei Teams pro Mannschaft jeweils eine Stunde lang gemeinsein in einem Stadion-Innenraum einzusperren und zu sehen, was bei dem gesellschaftlichen Experiment am Ende außer Phrasen und Fotos herauskommt.

Das seltsame Prozedere der Opening Night: Die Journalisten brauchen immer mehr Einfallsreichtum, um die Aufmerksamkeit der Spieler auf sich zu ziehen – zur Not verkleiden sie sich eben als Franz und Sisi.

Was wirklich herauskam, das war eine zweistündige Schlacht um die besten Bilder und die besten Positionen rund um die Podien, auf denen Top-Spieler eines jeden Teams eine Stunde lang den Medien Rede und Antwort stehen. Zwischendurch wurde die Medienmeute kurz zur Speisung aus der Arena getrieben, um dann – frisch gestärkt, die Plattitüden bei der anderen Mannschaft einzusammeln.

Aus einer frühen Medien-Session wurde eine Abendshow

Das Ganze erfreute sich aus seiner erwiesenen Absurdität heraus größter Beliebtheit, außer bei der Presse, begann doch die erste Session schon um 8.30 Uhr. Keine ideale Zeit fürs Fernsehen – und so machte die ausrichtende National Football League (NFL) aus dem Media Day am Dienstagmorgen eine Opening Night am Montagabend. Mit zahlendem Publikum, TV-Liveübertragung und Show Act der lokalen Rock-Kapelle X Ambassadors zur Halbzeitpause für die zahlenden Zuschauer.

Ergebnis: Es dauert jetzt noch länger.

Wer interviewt eigentlich wen?

Und es ist bis heute noch nicht ganz ausgemacht, wer da eigentlich wen interviewt, wenn Kolosse von Special-Teams-Playern sich mit Handy vor dem Körper oder Videokamera vor den Augen durch die Menschenknäuel von Reportern schieben. Doch klar ist, die Kollegen brauchen immer mehr Einfallsreichtum, um die Aufmerksamkeit der Spieler und der anderen Kollegen auf sich zu ziehen.

Zu ungekrönter Meisterschaft haben es dabei die österreichischen Fernsehmacher von Puls4 gebracht. Deren Frontmann Phillip Hajszan präsentiert sich jedes Jahr in einem anderen, aufsehenerregenden Outfit, bereits zum siebten Mal. Ob als Mozart, Alpenjodler oder „Herminator“ Hermann Meier, Hajszan macht immer bella figura – diesmal kam er gleich mit „Gattin“ als Franz und Sisi, wobei die Sisi ein armer Kollege mit Vollbart, also eher ein Siggi bzw. Julian Kurzwernhart war.

Während oben auf den Podien die absoluten Weltstars ihres Genres (Matt Ryan, Tom Brady) geduldig auch die dämlichsten Fragen beantworten oder irgendwelche Charity-Gegenstände signieren, interviewen unten im Innenraum der Baseball-Arena in Houston Journalisten in normaler Kleidung Journalisten in ausgefallenem Auf- oder Anzug.

Früher war mehr Lametta

Dennoch: Früher war deutlich mehr Lametta. Da gab es Kolleginnen etwa wie die Mexikanerin Inés Sainz Gallo de Pérez, die jeder nur unter ihrem Spitznamen Miss TV-Azteca kannte. Sie bestach jahrelang durch atemberaubende Kleider(Reste) hart an der amerikanischen Zensurgrenze entlang. Mittlerweile ist auch sie deutlich gesetzter – es musste also eine jüngere Dame mit größerem Brustumfang ran. Ob die nun zu würdigen wusste, dass erstmals vor dem Spiel am 5. Februar alle Stars der beiden Teams Atlanta Falcons und New England Patriots den Medien zur Verfügung standen und mancher wirklich gern wissen wollte, was denn etwa Quarterback Matt Ryan oder sein Gegenüber, Patriots-Superstar Tom Brady, Wide Receiver Julian Edelman usw. zu sagen hätten … das ist nicht überliefert. Auch nicht, warum New-England-Trainer Bill Belichik erstmals im Anzug erschien und nicht in seinen üblichen schlunzigen Collegeklamotten. Zuschauer Ben Destefan twitterte jedenfalls: „Der einzige Grund #SuperBowl Opening Night zu schauen: Bill Belichick trägt Anzug und Schlips.“

Kunstnebel brachte die Spieler beinahe zum Weinen

Die Spieler, beide Teams erschienen im Einheitsgrau ihrer einheitlichen Trainingsoutfits jedenfalls machten gute Miene zum Fragespiel. Das klingt dann so wie etwa bei Matt Ryan, der übrigens, wie viele der Atlanta-Spieler, einen Hauch entspannter wirkte als die Titelbürden-geplagten Patriots. „Wir haben hart gearbeitet, um es bis hierher zu schaffen, aber die wahre Herausforderung liegt noch vor uns. Was wir uns vorgenommen haben zu erreichen, das liegt noch vor uns. Es ist wirklich schwierig, es so weit zu schaffen und wir genießen auch den Weg dahin, aber unser ultimatives Ziel liegt noch vor uns.”

Vielleicht waren die Patriots aber auch einfach etwas genervter von dem Theater. Und von dem Kunstnebel zur Präsentation der Mannschaften, der vielen Spielern die Tränen in die Augen trieb …

Bis morgen, da wird sich der Nebel gelichtet haben und den Blick wieder langsam aufs Sportliche freigeben.

Killys Kick-off: Die Kolumne zum Super Bowl

Houston feiert mit dem Super-Bowl ein Comeback. Schon 2004 wurde das Finale der American-Football-Profiliga NFL dort ausgetragen. Unser Reporter Daniel Killy ist vor Ort und stimmt uns mit seiner täglichen Kolumne „Killys Kick-off“ auf das Sportereignis ein. Hier finden Sie alle bisherigen Folgen.

Tag 1: Ein fröhliches „Heidi“ aus Houston – Die Stimmung in der Stadt nach Trumps ersten Dekreten.

Von RND/Daniel Killy

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