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Sportmix Im Alter von 90 Jahren: Trainer-Legende Cramer gestorben
Sportbuzzer Sportmix Im Alter von 90 Jahren: Trainer-Legende Cramer gestorben
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13:51 18.09.2015
Dettmar Cramer ist im Alter von 90 Jahren verstorben. Quelle: Daniel Karmann
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Reit im Winkl

Pionier, Weltenbummler und Trainer-Legende: Der deutsche Fußball trauert im Dettmar Cramer.

Im Alter von 90 Jahren starb Cramer am Donnerstag in seinem Wohnort in Reit im Winkel. Mit dem FC Bayern zwei Europapokalsiege und den Gewinn des Weltpokals, in über 90 Ländern war als Trainer unterwegs, viele Jahre war er eine prägende Figur der Bundesliga. "Er hat ein schönes Alter erreicht. Am Ende war es eine Erlösung für ihn. Ruhe in Frieden, Dettmar Cramer!", erklärte Franz Beckenbauer, der ihn vor ein paar Monaten noch einmal besuchte.

Cramer begann seine Trainerlaufbahn bei Teutonia Lippstadt. Von 1948 bis 1963 war er für den Westfälischen Fußball-Verband tätig. Eigentlich wollte Cramer Sportmediziner werden, doch als er mit 16 Sepp Herberger kennenlernte, war der Weg zum Trainer vorgezeichnet. "Für mich ist es keine Frage, dass Sepp der beste Trainer überhaupt war. Dieses gerüttelt Maß an Erfahrung hat vor und nach ihm keiner erreicht", zollt Cramer seinem Mentor immer wieder Respekt. Was er durch den Fußball erreicht habe, "verdanke ich Sepp Herberger", befand der gebürtige Dortmunder Cramer stets.

Seine erfolgreichste Zeit hatte Cramer beim FC Bayern München, mit dem er zweimal den Europacup der Landesmeister (1975 und 1976) und 1976 auch den Weltpokal gewann. Die von ihm geführte Mannschaft um Beckenbauer, Sepp Maier, Uli Hoeneß und Gerd Müller prägte die Geschichte des FC Bayern entscheidend. "Napoleon" wurde er genannt, in entsprechender Montur posierte der nur 1,65 Meter große Cramer im Münchner Olympiastadion. Besonders eng war seine Beziehung zu Beckenbauer, denn "wenn der Franz und ich zusammen sind, dann senden und empfangen wir auf derselben Wellenlänge", erklärte Cramer einmal.

"Er war ein großartiger Trainer - und ist vor allem ein großartiger Mensch", sagte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern. "Für mich war er wie ein väterlicher Freund, er war der größte Förderer meiner jungen Profi-Karriere. Dass ich sehr erfolgreich Fußball gespielt habe, hatte ich zu großen Teilen ihm zu verdanken. Der FC Bayern trauert um einen großen Trainer und besonderen Menschen."

Nach einem Engagement in Japan kehrte er im Januar 1964 nach Deutschland und zum DFB zurück. Bei der Weltmeisterschaft 1966 in England war er gemeinsam mit Udo Lattek Assistent von Bundestrainer Helmut Schön. Dass nicht er, sondern Schön Herbergers Nachfolger wurde, hatte ihn nicht getroffen. "Das ist in der Öffentlichkeit falsch dargestellt worden. Es gab zwischen Schön und mir eine Absprache, dass ich nicht gegen ihn kandieren würde. Herberger hat seinen Nachfolger Schön selbst bestimmt, das ist alles ordnungsgemäß verlaufen."

Wenn jemand wusste, wie sich ein Weltreisender fühlt, dann war es Dettmar Cramer. "Dettmar Cramer war ein Fußball-Botschafter, großer Psychologe und Pädagoge, seine Erzählkunst war legendär", hob Jupp Heynckes hervor. Als erster großer deutscher Fußball-Trainer überhaupt wagte Cramer einst den Schritt ins Ausland - und verrichtete bis zu seinem Karriereende im Auftrag von DFB und FIFA in mehr als 90 Ländern Pionierarbeit.

Den Ruf als Weltenbummler bestätigte der pedantisch Arbeitende dagegen immer wieder, ob als Nationalcoach Saudi-Arabiens, als Trainer der Olympia-Auswahl Südkoreas oder, oder, oder. Der Fußball-Liebhaber konnte sich für neue Kulturen begeistern. Vor seiner Station in Japan etwa hatte er mit zwei Bleistiften ausgiebig das Stäbchenessen geübt. Tags darauf konnte er Spiegeleier damit zerteilen.

In Deutschland war der Fußball-Lehrer neben dem FC Bayern auch für Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und Hertha BSC im Einsatz. Deutscher Meister wurde der Ehrenprofessor in seiner vielschichtigen Trainer-Laufbahn aber nie. "Wir haben einen großen Trainer verloren und eine große Persönlichkeit", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. "Dettmar Cramer war ein weltweit hoch anerkannter Botschafter für den deutschen Fußball. Wegen seiner Kompetenz wurde er überall geschätzt, gleichzeitig war er ein lebensfroher, liebenswerter und einfühlsamer Mensch. Ich habe große Hochachtung vor seinem Lebenswerk." 2011 verlieh ihm der DFB als erstem Trainer überhaupt einen Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

dpa

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