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Sportmix Erst aussortiert, dann plötzlich Europameisterinnen
Sportbuzzer Sportmix Erst aussortiert, dann plötzlich Europameisterinnen
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20:32 20.08.2017
Nadja Glenzke (r.) und Julia Großner jubeln, nachdem sie sensationell Beachvolleyball-Europameisterinnen wurden. Quelle: dpa
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Jurmala

Und dann sanken sie in den Sand im lettischen Jurmala. Fassungslos, überglücklich lagen sie da, Arm in Arm, die Augen kurz geschlossen. Julia Großner und Nadja Glenzke sind Beachvolleyball-Europameister. „Wenn uns das jemand vor der EM gesagt hätte, hätten wir ihn für verrückt erklärt“, sagte Glenzke. Ein Team, das keiner auf der Rechnung hatte – und ein Team mit besonderer Geschichte.

Denn für Julia Großner ist der Karrierehöhepunkt vielleicht auch schon das Karriereende. Vor ein paar Tagen war bekannt geworden, dass die 29-Jährige aus der zentralen Förderung am Stützpunkt in Hamburg gestrichen wird. Dabei war das Projekt des zentralen Beachvolleyball-Stützpunktes in Hamburg erst zum Jahresbeginn gestartet.

Großner hatte, wie einige andere Beachvolleyballer, mit Glenzke („Mein Freund und die Eltern mussten in Berlin bleiben. Wenn es um die große Zukunft geht, muss man einiges aufgeben.“) den Lebensmittelpunkt von Berlin extra nach Hamburg verlagert. Offenbar vergebens.

Ein Überraschungsteam, das alle schlug

Für die frisch gekürten Europameisterinnen, die nach der Saison wohl nicht mehr zusammen spielen werden, ist das doppelt bitter. In Jurmala schlugen sie fast die gesamte deutsche Konkurrenz: In der ersten K.-o.-Runde das ebenfalls nach Hamburg gezogenen Nationalteams Victoria Bieneck und Isabel Schneider, dann Olympia-Teilnehmerin Karla Borger, die mit der einst besten deutschen Hallennationalspielerin Margareta Kozuch im Sand steht, und im Viertelfinale sogar die Olympiasiegerinnen und frisch gekürten Weltmeisterinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst. 2:1 (17:21, 21:14, 19:17) hieß es nach einem Krimi im Tiebreak.

„Nadja und Julia haben aber eine tolle Leistung gezeigt und wenig Fehler gemacht. Sie haben verdient gewonnen“, lobte Ludwig, die zugab, dass man bei der WM „viele Körner gelassen“ habe.

Neuer Schub für die gesamte Sportart

Für die aussortierte Großner und ihre 21-jährige Blockerin ging das Märchen damit erst los. „Könnt ihr das glauben? Wir nicht!“, schrieb das Duo bei Facebook nach dem Viertelfinale. Auch das Halbfinale meisterten sie souverän, schlugen die Polinnen Kinga Kolosinska und Jagoda Gruszczynska mit 2:0 (21:13, 21:19).

Eigentlich müssten sie beim Deutschen Volleyballverband (DVV) daher gerade überglücklich sein. Ludwig/Walkenhorst haben mit Gold in Rio und dem WM-Titel in Wien der Sportart einen neuen Schub verpasst. Das derzeit in der Weltrangliste beste deutsche Team Chantal Laboureur und Julia Sude gewann gestern zudem EM-Bronze.

Streit zwischen Verband und Spielern

Doch der Verband liegt mit seinen Spielern im Streit. Nicht nur durch die Ausbootung von Großner und dem ehemaligen Potsdamer Nationalspieler Kay Matysik. Der fragte kürzlich: „Wie kann unsere Sportart mit solch großartigen sportlichen Erfolgen am Fließband eine solche Außenwirkung zulassen?“

Denn auch Karla Borger, die Vizeweltmeisterin von 2013 und EM-Dritte von 2016, die mit Kozuch nach Rio ein hoffnungsvolles Beachprojekt gestartet hat, wurde vom Verband links liegen gelassen. In Stuttgart hat das Team – genau wie Laboureur/Sude – den Trainingsmittelpunkt, wollte nicht nach Hamburg umsiedeln und wurde daraufhin nicht als Nationalteam nominiert. Die Folge: anstrengende Quali-Runden, keine finanzielle Unterstützung und wie bei der EM: Teilnahme erst als Nachrücker. Inzwischen hat sich das Team dem Verband angenähert. Doch der Streit bleibt.

Trennung von einer Europameisterin?

Eine Zentralisierung, wie sie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) vorsieht, mag Sinn ergeben. Doch die deutschen Frauen sind mit mehreren Teams bereits Weltspitze. Ob es der richtige Weg ist, sich von einer Europameisterin zu trennen?

Julia Großner hielt sich zu diesem Thema während der EM bedeckt. „Wir haben versucht, jedes Spiel mit Freude anzugehen“, sagte Partnerin Glenzke nach dem Finalsieg. Es war vielleicht das letzte gemeinsame Spiel auf internationaler Bühne.

Von Manuel Becker/RND

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