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23:32 28.07.2017
Von der Klippe ab ins Meer: Anna Bader in Aktion. Quelle: Dean Treml, Samo Vidic/Red Bull Content Pool
Budapest

Wenn Mama vom Himmel fällt, schaut Roxana gar nicht mehr hin. Kennt sie schon. Langweilig. Macht sie ja ständig, die Mama. Lieber noch ein bisschen mit Oma spielen. Mama kommt ja gleich wieder. Sie muss zwar am Wochenende arbeiten, dafür aber immer nur ganz kurz: zweimal zweieinhalb Sekunden am Tag – wie jetzt wieder bei der Schwimm-WM in Ungarn. „Für meine Tochter ist das, was ich mache, völlig normal“, sagt Anna Bader. „Die denkt: Alle Eltern sind Klippenspringer.“

Das, was Bader macht, ist nicht normal. Die 33-Jährige ist ausgebildete Englisch- und Geografielehrerin, doch bislang springt sie lieber aus großen Höhen ins Wasser, nicht ohne dabei ein paar Salti und Schrauben zu drehen. Und das macht sie herausragend. Bader ist siebenfache Europameisterin im Klippenspringen und Dritte bei der Schwimm-WM 2013. Und Mama ist sie jetzt auch noch – was sie nicht daran hindert, sich bei der Wettkampfserie Red Bull Cliff Diving von den spektakulärsten Klippen des Planeten zu stürzen, gemeinsam mit Roxanas Vater: Der Pole Kris Kolanus ist ebenfalls Diver.

Reich wird man mit diesem Sport nicht: Nur zwei Athleten können davon leben, „die anderen improvisieren“, sagt Anna Bader. Fragt sich, warum sie sich das als stillende Mutter antut: „Es macht einfach Spaß, bei allem Nervenkitzel und allen Ängsten, die man so durchmacht. Aber manchmal denke ich mir auch: ‚Puh, ist schon ziemlich hoch ...‘ Nach dem ersten Sprung weiß man aber wieder, warum man das macht.“

Bader ist mit einer Wildcard in die aktuelle Saison gegangen und beim ersten Wettkampf nach der Geburt gleich aufs Podium gehüpft: Platz drei auf den Azoren. So sehr sie sich über ihr sensationelles Comeback freute: Es war ein harter Wettkampf – wegen Roxana. Bader erklärt: „Ich war früher eine sehr konzentrierte, überlegte Springerin, hab’ mein Programm immer effizient abgespult“, sagt sie. Das habe sich inzwischen geändert. „Der Kopf ist woanders, die Prioritäten sind verschoben. Es ist ein ganz anderes Trainieren, ein ganz anderes Leben. Nur eine Zehntelsekunde Ablenkung kann da oben tödlich sein.“

Vier Varianten müssen die Athleten an den zwei Wettkampftagen zeigen, Ausführung und Schwierigkeitsgrad wird von einer fünfköpfigen Jury bewertet. „Früher wollte ich immer neue Sprünge machen, meine Grenzen ausloten“, erzählt Bader, „nach der Geburt musste ich umschalten und mein einfaches Programm springen, das ich sicher kann, ohne Adrenalin und Anspannung vor dem Wettkampf.“ Für die schweren Sprünge, die sie vor der Schwangerschaft beherrschte, war zu wenig Zeit zum Trainieren.

Nur: Wo trainiert man überhaupt Sprünge aus 21 Metern Höhe? Die Antwort ist so einfach wie beängstigend: nirgends. „Viele Sprünge sind ähnlich wie vom Zehner“, erklärt Bader, „das Timing in der ersten Hälfte des Sprungs ist fast gleich, und dann hängt man noch den Barani dran.“ Der Barani, benannt nach einem italienischen Akrobaten aus dem 19. Jahrhundert, ist die finale Drehung vor dem Einschlag im Wasser, Zehen voraus, Arme angelegt, sonst wird es schmerzhaft: Die Springer kommen mit rund 80 km/h angeflogen.

„Die Konzentration ist so geschärft, dass man in jeder Phase sehr deutlich wahrnimmt, wo man gerade ist. Das ist das A und O. Es gibt nichts Schlimmeres, als in der Luft die Orientierung zu verlieren und ohne Kontrolle rumzufliegen, ein Albtraum“, sagt Bader. Einmal hat sie einen Sprung überdreht und sich das Steißbein geprellt. Einen gröberen Unfall kann man sich nicht erlauben, so Bader. Sonst würde man an „alles, was schiefgehen kann“, denken. „Man weiß ja, was passieren kann, wir sind ja nicht blöd, wissen um den Aufschlag und die Geschwindigkeit. Manchmal wache ich nachts auf und denke an den Sprung. Dann gilt es, das alles auszuschalten und zu sagen: ‚Ich hab’ das trainiert, muss das nur abrufen, nichts anders machen, nicht die Nerven verlieren. Ich kann’s!‘“

Am Sonnabend springt Bader bei der-High-Diving-WM in Budapest um Gold, führt nach Durchgang eins. Für ihre Tochter Roxana wird es wieder ein ganz normaler Tag.

Von Thomas Becker

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