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19:22 19.02.2017
Deutsches Gold-Quintett: Laura Dahlmeier präsentiert ihre fünf WM-Goldmedaillen. Quelle: imago
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Hochfilzen

Was für ein WM-Finale! Laura Dahlmeier krönt bei Kaiserwetter mit dem Sieg im Massenstart ihr WM-Märchen. Drei Stunden später erfüllt sich Teamkollege Simon Schempp einen Traum. Gold im Massenstart der Männer ist die erste Einzelmedaille des 28-Jährigen bei seiner fünften WM-Teilnahme. Von einem „WM-Fluch“ war schon die Rede. Der ist gebrochen. „Endlich, das ist eine große Erlösung“, sagt der Champion.

Aber natürlich überstrahlt Dahlmeiers unglaubliche Erfolgsserie alles, was bei dieser großartigen WM (143 700 Zuschauer) passiert ist. Von „Laura Goldmeier“ ist die Rede, von ihren „Goldmeisterschaften“, das „Golden Girl“ wird strapaziert. Bundestrainer Gerald Hönig greift tief in die Kiste der Lobpreisungen: „Unbegreiflich, was Laura hier für Festspiele abgezogen hat. Phänomenal, so was habe ich noch nicht erlebt.“

Tatsächlich klingt Dahlmeiers Bilanz nicht wie von dieser Welt: Fünf Goldmedaillen bei einer WM gab es noch nie. Elf WM-Medaillen hintereinander gab es auch noch nie. Und sie ist erst 23 Jahre alt ...

Dass sie auch den Massenstart gewinnt, überrascht niemanden. Die schneller schießende US-Amerikanerin Susan Dunklee verlässt zwar nach dem letzten Schießen als Erste den Schießplatz, doch 5,1 Sekunden später folgt Dahlmeier. Am Berg überspurtet sie das US-Girl und gewinnt. Im Ziel wedelt sie den rechten Stock durch die Luft und strahlt. Sicherheitshalber wird sie von Teamarzt Klaus-Jürgen Marquardt gecheckt. Alles in Ordnung, nachdem sie zuletzt zweimal zusammengebrochen war. „Mir geht es gut“, ruft Dahlmeier den 22 000 Zuschauern per Stadion-Mikro zu. In den ersten TV-Interviews wirkt sie aufgedreht. Biathlon sei ganz einfach, sagt sie: „Schnell laufen und gut schießen.“ Sie gibt zu, dass sie noch gar nicht realisiere, was ihr hier gelungen sei. „Es ist ein Traum, der wahr geworden ist.“ Und ihr Konto freut sich über insgesamt 64 000 Euro an WM-Siegprämien.

Später ist die Weltmeisterin in Plauderlaune. Sie habe nie Zweifel gehabt, dass sie nach den Schwächeanfällen starten würde. „Ich glaube, die Zweifel waren vor allem um mich herum.“ Sie habe sich noch im Ziel fit gefühlt.

Dahlmeier freut sich eher still. „Vielleicht bin ich im Ziel nicht total ausgeflippt. Ich hatte mir vorgenommen, dass ich bei der WM meine Bestleistung abrufen kann. Das habe ich geschafft.“

Jetzt freut sie sich auf fünf freie Tage. „Endlich normales Leben ohne Biathlon. Vielleicht geht es mal in die Berge. Am Samstag ist Abfahrt zum Weltcup nach Pyeongchang.“ Sie freut sich dort worauf? „Auf das asiatische Essen.“

Simon Schempp stürmt derweil zu seiner Goldmedaille. Pikant: Tags zuvor hatte er als Staffel-Schlussläufer die Bronzemedaille verloren, weil ihm Österreichs Dominik Landertinger am letzten Anstieg weggelaufen war. Es siegte Russland vor Frankreich und Österreich. Im Massenstart nun die Revanche, Schempp überholt just an jenem Anstieg den Österreicher Simon Eder und stürmt zum Sieg. „Ich habe immer gesagt, wenn mal alles passt, reicht es fürs Podium.“ Wie sich gezeigt hat, auch zum Sieg. Schempp glückselig: „Auf diesen Tag habe ich so lange gewartet.“

Sieben deutsche Goldmedaillen gab es noch nie, Hochfilzen beschert dem deutschen Biathlon das beste WM-Ergebnis aller Zeiten.

Von Uwe Köster

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