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Shorttrackerin Anna Seidel – mental und technisch gereift

Dresdner bei Olympia Shorttrackerin Anna Seidel – mental und technisch gereift

Insgesamt 15 Athleten aus Sachsen vertreten die deutschen Farben bei den XXIII. Olympischen Winterspielen vom 9. bis 25. Februar im südkoreanischen Pyeongchang. Die Starter aus der Dresdner Region stellen wir in den DNN vor. Heute Shorttrackerin Anna Seidel.

Anna Seidel
 

Quelle: Matthias Rietschel

Dresden.  Ein großes Vorbild ist für sie Lyndsey Vonn. Wie sich die US-amerikanische Skirennläuferin nach schweren Verletzungen immer wieder in die Weltspitze zurückgekämpft hat, begeistert Shorttrackerin Anna Seidel. Beide lieben den Rausch der Geschwindigkeit – Vonn stürzt sich auf Skiern die steilsten Abfahrten hinab, Seidel rast auf Schlittschuhen bei der „Formel 1 des Winters“ auf dem 111,12-Meter-Eisoval um die engen Kurven. Stürze gehören bei beiden zum kalkulierten Risiko.

Und beide mögen das Licht der Öffentlichkeit. Während allerdings die 33-jährige Olympiasiegerin als Weltstar wahrgenommen wird und sich auch so inszeniert, hat die erst 19-jährige Dresdnerin solche Dimensionen noch bei weitem nicht erreicht. Aber seit ihrem kometenhaften Aufstieg vor vier Jahren, als die damals 15-Jährige als zweitjüngste deutsche Teilnehmerin ihr Olympia-Debüt in Sotschi gab und damit einen Medien-Hype auslöste, ist sie hierzulande das Gesicht ihrer Sportart.

Für eine Disziplin, die in Deutschland eigentlich nur ein Nischendasein fristet, avancierte Anna Seidel zum Aushängeschild und zur Hoffnungsträgerin. Wenngleich sie von solchen Erfolgen, die ihr Idol schon reihenweise einheimste, kaum zu träumen wagt, traut ihr Teamgefährtin Bianca Walter einiges zu: „Anna kann irgendwann bei Olympia einmal eine Medaille gewinnen“, ist die 27-Jährige von den Fähigkeiten ihrer Mitstreiterin überzeugt. Das wäre im Shorttrack, der in Korea als Nationalsport Zehntausende in die Hallen lockt oder in den anderen führenden Nationen wie Kanada, China oder auch Russland etwas völlig Normales, in Deutschland jedoch eine Sensation. Denn das Häuflein an Kufenflitzern, die sich der schnellen Rundenhatz zwischen Rostock und München verschrieben hat, ist seit Jahren sehr überschaubar.

Anna Seidel begann einst mit sportlichen Aktivitäten erst einmal als Leichtathletin. Zum Glück fand sie das aber zu langweilig und wechselte zum Eissport, der bei ihr in der Familie liegt. „Mein Papa spielt hobbymäßig Eishockey und auch mein jüngerer Bruder Anton jagt dem Puck hinterher“, erzählte sie. So fand auch sie sich schnell auf Schlittschuhen zurecht. Der damalige Trainer Miroslav Boyadshiev erkannte früh ihr Talent: „Sie hat ein super Schlittschuh- und Eisgefühl, läuft mit Köpfchen und sucht immer die Lücken. Und sie setzte alles, was man ihr sagt, sehr schnell um“, lobte er damals.

Der „Eis-Floh“, der keine 50 Kilogramm auf die Waage bringt, bestätigte seine Worte mit einer rasanten Entwicklung, die sie 2014 zu Olympia brachte. Im Dezember 2015 landete sie mit dem zweiten Platz über 500 Meter beim Weltcup im japanischen Nagoya den nächsten historischen Erfolg. Denn noch nie zuvor hatte eine deutsche Shorttrackerin Silber im Weltcup feiern können. Da zahlte sich aus, dass die Dresdner Sportgymnasiastin nicht nur ihr Talent in die Waagschale wirft, sondern auch Ehrgeiz und Fleiß, und dass sie viel in ihren Sport investiert. Denn im Sommer zuvor trainierte sie auf Eigeninitiative einige Wochen im südkoreanischen Shorttrack-Eldorado, um weiter voranzukommen.

Aber dann schien ihre so hoffnungsvolle Karriere schon vorbei zu sein, noch ehe sie richtig begann. Es war der 8. Juni 2016, als sie sich bei einem Trainingssturz einen Brustwirbelbruch sowie Risse der Bänder zuzog und operiert werden musste. Dabei waren ihr vier Schrauben und Stäbe zur Stabilisierung eingesetzt worden. Aufgeben kam für jedoch nicht in Frage. Acht Monate lang kämpfte sie für ihr Comeback, dass sie dann im Januar 2017 beim Heim-Weltcup gab. Die lange Verletzungspause habe sie genutzt, um Zeit mit Freunden zu verbringen und auch, um einiges in der Schule aufzuholen. „Dieser Rückschlag hat mich auf jeden Fall reifen lassen. Ich musste lernen, geduldig zu sein und ich habe gemerkt, wie schnell alles vorbei sein kann“, gewinnt sie der Zwangspause die positiven Seiten ab.

Pünktlich in der Olympia-Saison hat die junge Frau zu alter, neuer Stärke zurückgefunden. Dazu trugen auch die rund sechs Monate Training im holländischen Utrecht bei. „Trainerin Wilma Boomstra hat sehr viele Gespräche mit uns geführt, uns mental gestärkt. Und sie hat an der Technik und Taktik gefeilt“, so Seidel, die sich jetzt unheimlich auf die Spiele in Pyeongchang freut. „Es hilft natürlich, wenn man weiß, wo es bei Olympia langgeht. Sicher spüre ich auch einen gewissen Druck, aber ich lasse mich nicht verrückt machen. Ein Platz unter den Top Ten ist mein Ziel. Vor allem über 1000 Meter und 1500 Meter rechne ich mir ganz gute Chancen aus“, meint die Abiturientin, die sich auch gern andere Wettkämpfe anschauen möchte. „Biathlon, Snowboard oder Eiskunstlauf“, zählt sie auf. Vielleicht trifft sie ja im olympischen Dorf sogar ihr großes Vorbild Lindsey Vonn...

Geboren: 31. März 1998 in Dresden Größe: 1,65 m Verein: EV Dresden aktiv seit: 2007 Trainer: Daniel Zetzsche, Wilma Boomstra Beruf: Abiturientin am Dresdner Sportgymnasium Familienstand: ledig Erfolge: Olympia-Sechste über 1500 m 2014 in Sotschi; EM-Dritte über 1000 m 2016 und 2018; 3. Platz Olympische Jugend-Spiele (1000m) 2016; 2. Platz Weltcup (500m) / Montreal 2015; 3. Platz Weltcup (1500m) / Nagoya 2015; mehrfache deutsche Meisterin

Von Astrid Hofmann

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