Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Google+
Shorttrack: Bianca Walters Olympia-Traum wird endlich wahr

Sachsen bei Olympia Shorttrack: Bianca Walters Olympia-Traum wird endlich wahr

Insgesamt 15 Athleten aus Sachsen vertreten die deutschen Farben bei den XXIII. Olympischen Winterspielen vom 9. bis 25. Februar im südkoreanischen Pyeongchang. Die Starter aus der Dresdner Region stellen wir in den DNN vor. Wir beginnen mit Shorttrackerin Bianca Walter.

Bei den Europameisterschaften in Dresden lief sich Bianca Walter für das Topereignis des Jahres warm.
 

Quelle: Matthias Rietschel

Dresden.  Bianca Walter will nichts dem Zufall überlassen. Deshalb wird die 27-Jährige die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele am Freitag nicht live, sondern vorm Fernseher verfolgen. „Ich habe zweimal die Olympia-Teilnahme knapp verfehlt, bin jetzt so glücklich, dass es im dritten Anlauf endlich geklappt hat. Da werde ich kein Risiko eingehen, zumal es sehr kalt sein wird und man bekanntlich lange stehen muss. Denn schon einen Tag später bestreiten wir unseren ersten Wettkampf und nur darauf will ich mich voll konzentrieren“, stellte die Shorttrackerin vom EV Dresden kurz vor ihrer Abreise nach Südkorea schon klar. „Allerdings werde ich mich in der Olympia-Kleidung vor den Fernseher setzen und dann ein Selfie nach Hause schicken“, verriet sie lachend.

Und daheim wird sich bei den Läufen von Bianca eine ganze Eislauf-Dynastie versammeln – Oma Inge Walter, die Generationen von Kindern und Jugendlichen das Eiskunstlaufen beibrachte, Mama Skadi Walter, Olympia-Fünfte auf der Großbahn über 500 m 1984 in Sarajevo und heute Shorttrack-Trainerin, und Tante Kirsten Walter, ebenfalls ehemalige Eisschnellläuferin. Nicht zu vergessen, Biancas ein Jahr jüngere Schwester Vanessa, die auch Shorttrack betrieb, aber wegen der Ausbildung die Schlittschuhe vor einigen Jahren an den Nagel hängte. „Sie ist mein größter Fan. Wir sind sehr eng verbunden“, sagt Bianca Walter, die dankbar für die Riesenunterstützung ihrer Familie ist. „Niemand hat mich je zu etwas gedrängt oder mir Druck gemacht. Im Gegenteil, ich bekam immer Trost, wenn ich den nötig hatte.“ Die Urkunde ihrer Mama habe immer daheim im Wohnzimmer gehangen und sie motiviert, einmal in ihre Fußstapfen zu treten. Nun ist es so weit. Vor der Abreise erhielt die Olympia-Starterin eine Silberkette mit den olympischen Ringen als Glücksbringer von ihren Lieben. Freund Carsten, der bei der Bundespolizei in München arbeitet, steuerte übrigens eine olympische Fahne mit vielen Motivationssprüchen bei.

Obwohl ihr die Eislauf-Gene praktisch in die Wiege gelegt wurden, versuchte sich das bewegungsfreudige Kind erstmal auf dem Fußballplatz und im Ballettsaal. „Durch meinen Opa (der ehemalige Dynamo-Fußballer Horst Walter starb 2015/die Red.) habe ich mit sechs Jahren bei einer Mädchenmannschaft angefangen, später probierte ich mich beim Ballett aus. Als ich dann in der vierten Klasse unbedingt zur Sportschule wollte, hatte ich noch keine richtige Sportart. Da ich schon mit drei Jahren Schlittschuhlaufen gelernt hatte, fragten wir bei Eckhard Steckel nach. Und der war Shorttrack-Trainer, bei ihm habe ich angefangen“, erzählt die Kufenflitzerin, die sich sofort in die rasante Rudenhatz verliebte. Das war 1999.

Nur sieben Jahre später gab die damals 16-Jährige ihr Weltcup-Debüt, sie nahm an vier Junioren-Weltmeisterschaften teil, errang 2009 mit EM-Silber im Staffel-Wettbewerb von Turin die erste internationale Medaille. Ein Jahr darauf folgte der schönste Erfolg und die größte Enttäuschung. „Staffel-Gold bei der Heim-EM in Dresden war das Größte“, erinnert sich die aufgeschlossene, stets freundliche Athletin, die im gleichen Winter eine der bittersten Momente ihrer Laufbahn erlebte: „Im entscheidenden Staffel-Qualifikationsrennen stürzte ich mit einer Koreanerin. Eigentlich hätten die Koreaner disqualifiziert werden müssen, aber es traf uns. Das war extrem unfair und brachte uns um die Olympia-Teilnahme. Vier Jahre später verpassten wir die Spiele mit der Staffel um fünf Punkte. Einige beendeten dann ihre Karriere, doch so wollte sich nicht aufhören. Ich entschied mich, noch mal vier Jahre Vollgas zu geben“, erzählt Walter, die 2015 ihre Bundespolizei-Ausbildung abschloss und sich seitdem ganz auf den Sport konzentriert.

Umso verständlicher ihre Freude, dass es nun im dritten Anlauf geklappt hat. „Schon die Einkleidung war für mich der helle Wahnsinn. Jetzt freue ich mich auf alles in Korea, das ganze olympische Flair. Natürlich aber vor allem auf unsere Wettkämpfe. Ich bin froh, dass wir auf allen olympischen Strecken Quotenplätze erkämpft haben und so drei Startchancen haben. Ich werde alles geben, um meine beste Leistung abzuliefern“, verspricht Bianca.

Sie will sich möglichst auch noch andere Sportarten anschauen: „Eishockey, Eiskunstlauf und Eisschnelllauf sind ja nebenan, dann drücke ich auch einigen guten Freunden die Daumen, wie unseren Bobfahrern Nico Walther und Francesco Friedrich, die ich von den Bundespolizei-Lehrgängen gut kenne, wie auch Skispringerin Carina Vogt oder Tina Herrmann vom Skeleton. Und ich freue mich auf die Abschlussfeier, die wir auf jeden Fall mitnehmen werden.“

Von Astrid Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sport Regional
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr